Westerwald

Der Westerwald ist die "grüne Lunge" zwischen den Großstadtregionen Frankfurt und Köln. Wenn es in den Stadtregionen heiß und stickig wird, lädt der Westerwald – das Land der Winde – zum Durchatmen in der Natur ein.

Der Westerwald wird begrenzt durch vier Flüsse: Im Westen trennt der Rhein zwischen Lahnstein und Bonn den Westerwald von der Eifel. Nördlich markiert die Sieg zwischen der Mündung in den Rhein und Siegen die natürliche Grenze des Westerwalds zum Bergischen Land und dem Siegerland. Östlich teilt die Dill auf ihrer gesamten Länge Westerwald und Lahn-Dill-Bergland. Im Süden schließlich laufen die Westerwald-Höhen bis hinab ins Lahntal zwischen Wetzlar und Lahnstein, der natürlichen Grenze zum Taunus.

Die Landschaft des Westerwalds wird durch das vulkanische Hochland des Rheinischen Schiefergebirges geprägt. Auf Höhenlagen zwischen 400m und 600m erstrecken sich Wälder und Wiesenlandschaften auf einer Fläche von etwa 50x70km. Zu den begrenzenden Tälern von Rhein, Sieg, Dill und Lahn fällt der Westerwald mit vielen kleinen Bachlandschaften ab und zeigt eine zerklüftete und waldreiche Mittelgebirgslandschaft. Der Westerwald hat trotz seiner relativ geringen Höhe ein für Mittelgebirge typisches Reiz-Klima. Wirtschaftlich-kulturell gehört er zu den bekanntesten Gebirgen Deutschlands.

Der Westerwald ist eines der klassischen Wandergebiete in Deutschland. Seit über hundert Jahren betreut der Westerwaldverein ein umfassendes Wanderwegenetz, wobei allein die überregionalen Wege mit 2.000km zu Buche schlagen. Der Prädikatsweg Westerwaldsteig quert den Westerwald von Herborn an der Dill bis nach Bad Hönningen am Rhein und stellt die Verbindung mit dem Rothaarsteig im Sauerland und dem Rheinsteig her. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Themenwanderwege und örtliche Rundwanderungen.

Als Westerwald bezeichnete man historisch nur das Gebiet rund um Rennerod und meinte die Bergwälder westlich von Herborn. Im Laufe der Zeit hat sich die Definition deutlich erweitert, wobei die Geologen klassischerweise die Flusstäler von Lahn, Rhein und Sieg ausklammern und als eigenständige Naturräume definieren.

Touristisch gliedert sich der Westerwald in sieben Regionen. Der gesamte östliche Teil liegt in Hessen und wird daher Hessischer Westerwald genannt. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Hessischen Westerwald sind die Oranierstadt Dillenburg mit dem Wilhelmsturm, die Fachwerkstadt Herborn mit der Hohen Schule, Burg Greifenstein, das Erdbacher Herbstlybarinth - die größte Höhle Hessens -, Burg Runkel, Kloster Altenberg und die Lubentiuskirche im Lahntal sowie das Wandergebiet am Knoten (605m).

Westlich schließt sich der Hohe Westerwald an, das Kerngebiet des Westerwalds rund um Rennerod, Bad Marienberg und Westerburg. Im Hohen Westerwald finden sich mit der Fuchskaute (657m), dem Stegskopf (654m) und dem Salzburger Kopf (653m) die höchsten Erhebungen im Westerwald. Im Norden schließen sich im Übergang zum Siegerland das Daadener Land und der Freie Grund mit der Höh (598m) und dem Hohenseelbachskopf (504m) an.

Der Obere Westerwald erstreckt sich rund um die schöne Kleinstadt Hachenburg, der Perle des Westerwalds. Im Umland von Hachenburg liegen mit der Westerwälder Seenplatte und der Kroppacher Schweiz zwei bekannte Wandergebiete. Am Südrand prägen die beiden Saynbäche und der Oberlauf der Wied die Landschaft, während nördlich das Haferländchen bei Gebhardshain den Übergang ins Hellertal markiert.

Das kleinste Wandergebiet im Westerwald ist das Kannenbäckerland, eine Kulturlandschaft, die sich auf Basis der größten zusammenhängenden Tonvorkommens in Europas entwickelt hat. Das Gebiet liegt wie ein Riegel zwischen Lahn-Westerwald und Rhein-Westerwald und verläuft entlang der historischen Wertschöpfungskette: In Wirges wurde gefördert, in den westlichen Gemarkungen Höhr-Grenzhausen und Ransbach-Baumbach verarbeitet und am Rhein bei Bendorf und Vallendar gelagert und in die Absatzmärkte transportiert.

Der Lahn-Westerwald beginnt hinter Limburg auf dem Gebiet von Rheinland-Pfalz. Es ist einer der schönsten Flusslandschaften Deutschland mit vielen eindrucksvollen Wanderrevieren wie dem Gelbachtal, dem Buchfinkenland und der Esterau. Kurz vor der Mündung warten mit dem Stammsitz des Hauses Nassau und dem Kaiserbad Bad Ems zwei malerische Kleinstädte mit großer Geschichte auf den Wanderer. Bei Montabaur liegt rund um den Köppel (540m) ein waldreiches Wandergebiet und bei Lahnstein lädt die Ruppertsklamm zu einer eindrucksvollen Schluchtenwanderung und Festung Ehrenbreitstein zu einem Ausflug in die Geschichte.

Der Rhein-Westerwald verläuft rechsrheinisch im unteren Mittelrheintal zwischen Lahnstein und Bonn. Romantische Weinorte wie Leutesdorf, Linz und Unkel, alte Burgen und Schlösser wie Schloss Engers, Schloss Neuwied und Schloss Arenfels, der Anfang des UNESCO-Weltkulturerbes Limes bei Rheinbrohl und das gewundene Tal der Wied von der Asbacher Hochfläche bei Neustadt über Waldbreitbach und an Burg Altwied vorbei bis zum Rhein prägen den Westen des Westerwalds.

Südlich der Sieg erhebt sich zwischen Siegen und Bonn-Geislar der Sieg-Westerwald. Die Siegauen im Mündungsgebiet, der Kulturraum Obere Sieg bei Hennef, Eitorf und Windeck und das Hellerbergland locken viele Besucher ins Tal der Sieg zum Wandern und Bootfahren. Ganz im Westen liegt mit dem Siebengebirge eine der bekanntesten Landschaften Deutschlands. Und südlich abgesetzt vom Siegtal steigt der Westerwald bei Altenkirchen schon deutlich über 300m an.

Verwaltungstechnisch gehören zum Westerwald die Landkreise Westerwald (Autokennzeichen WW), Altenkirchen (AK), Neuwied (NR) und zu Teilen Mayen-Koblenz (MYK), Koblenz (KO), Rhein-Lahn (EMS), Rhein-Sieg-Kreis (SU), Siegen-Wittgenstein (SI), Limburg-Weilburg (LM) und der Lahn-Dillkreis (LDK).

Die wichtigsten Orte im Westerwald sind im Osten Haiger, Dillenburg und Herborn. Im Süden liegen Hadamar, Montabaur, Bad Ems und Nassau. Am Rhein im Westen liegt Neuwied, die größte Stadt im Westerwald, und Königswinter. Der Norden schließlich wird von den Siegtalgemeinden Hennef, Betzdorf, Kirchen und Wissen, der Kreisstadt Altenkirchen, St. Augustin und dem Bonner Stadtteil Beuel geprägt. Im Zentrum des Westerwalds liegen die Orte Hachenburg, Bad Marienberg und Westerburg.

Verkehrstechnisch wird der Westerwald in nord-südlicher Richtung von zwei Autobahnen eingefasst, der A 3 (von Emmerich bis Passau, hier das Teilstück zwischen Limburg und Bad Honnef, Linz). und der A 45 (Sauerlandlinie von Dortmund bis Aschaffenburg, hier das Teilstück zwischen Wetzlar und Siegen). Wichtige Bundesstraßen sind die B 8 (zwischen Limburg und Altenkirchen), B 54 (zwischen Limburg und Siegen), B 255 (zwischen Montabaur und Herborn), B 256 (zwischen Neuwied und Wissen) und die B 413 (zwischen Mayn und Hachenburg). Im Südwesten des Westerwalds gibt es mit der parallel zur A 3 verlaufenden Schnellstrecke Frankfurt-Köln zwei ICE-Haltestellen (Limburg und Montabaur).

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