Altenkirchen (Westerwald)

Altenkirchen ist das Mittelzentrum im nördlichen Westerwald. Es liegt verkehrstechnisch gut und hält aufgrund seiner Funktion als Kreisstadt und Sitz der Verbandsgemeinde zahlreiche Dienstleistungen und eine solide Behördeninfrastruktur vor.

Altenkirchen hat seit alters her eine verkehrstechnisch gute Lage an der Hohen Straße, die bereits im frühen Mittelalter das Kölner Becken mit dem Rhein-Main-Gebiet verband. Heute kreuzen in Altenkirchen die Bundesstraßen B 8 (von Emmerich am Niederrhein bis nach Passau), B 256 (vom Bergischen Land an die Mosel) und B 414 (von Altenkirchen in den Hessischen Westerwald als Teilstück der historischen Köln-Leipziger-Straße).

Dieser Verkehrsinfrastruktur ist es gedankt, dass Altenkirchen bereits 1314 von König Ludwig dem Bayern zusammen mit Hachenburg und Weltersburg die Stadtrechte erhielt. 1586 wurde das Altenkirchener Schloss errichtet, das allerdings 1862 wieder abgerissen wurde. Mehrere Großbrände, die Schlacht bei Altenkirchen 1796 in den Koalitionskriegen zwischen Frankreich und dem Rest der Welt sowie zahlreiche Fliegerangriffe 1945 zerstörten darüber hinaus fast die gesamte historische Bausubstanz.

Überstanden hat diese Katastrophen u.a. die Privilegierte Apotheke in der Wilhelmstraße. Die Apotheke wurde 1699 vom Hachenburger Apotheker Johann Philipp Härtling als Zweigstelle gegründet. Nach zweimaligen Besitzerwechsel erhielt 1717 der Apotheker Christian Scharff das von Herzog Johann Wilhelm zu Sachsen unterzeichnete Privileg: die Apothekenlizenz mit Gebietsschutz für Altenkirchen und das Umland. Daher der Name Privilegierte Apotheke. Seit 1984 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. 1997 erfolgte eine gründliche Außenrenovierung.

Im Umfeld der Privilegierten Apotheke finden sich einige hübsch restaurierte Fachwerkhäuser und Gründerzeitgebäude. Am Marktplatz befinden sich noch zwei der ältesten Häuser Altenkirchens, das Markt-Café und ein Schiefer-Eckhaus. Ansonsten wurde der Marktplatz 1970 mit Sitzgelegenheiten, einem Brunnen und Sitzgelegenheiten als geselliges Zentrum der Stadt angelegt. Der Schlossplatz ist seit seiner Neugestaltung in den 1990er Jahren durch moderne Architektur geprägt.

Ebenfalls in der Stadtmitte steht die evangelische Pfarrkirche mit ihrem spitzen Turm und dem großen Engel über dem Eingangsportal. Sie ist der fünfte Kirchenbau an selber Stelle und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtet. Die älteste Vorgängerkirche soll schon um 900 hier gestanden haben und wäre damit die älteste Kirche im Westerwald, was auch den Stadtnamen Altenkirchen erklären würde.

Rechts neben der evangelischen Kirche steht das 1978 von Erwin Wortelkamp aus Hamm an der Sieg geschaffene Flammenmal, das an die jüdische Gemeinde in Altenkirchen erinnert. Das Flammenmal ist eine Bodenplatte in der Form des Grundrisses der Altenkirchener Synagoge, Flammenbündel erinnern an die hebräischen Schriftzeichen und sollen deutlich machen, dass Feuer das Gebäude zerstört hat. Das Flammenmal ist eine Reaktion der Bürgerschaft auf den später zurückgenommenen Beschluss der Stadtverwaltung, der Truppenkameradschaft der 9. SS-Panzer-Division Hohenstaufen das Aufstellen eines Denkmals zu genehmigen.

Nördlich des Stadtzentrums lädt der Park de Tarbes zu einem Bummel. Am Eingang der Grünanlage steht ein der Partnerstadt Tarbes gewidmetes Denkmal. Tarbes liegt in den französischen Pyrenäen etwa 15km entfernt vom bekannten Pilgerort Lourdes. Der Park de Tarbes hat einen größeren Teich und eine Bouleanlage. Angrenzend liegt der 1780 eingerichtete jüdische Friedhof Altenkirchen, der entgegen der Synagoge in der Frankfurter Straße nicht Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes wurde.

Im Süden schließt sich an das Stadtzentrum das Wiesental mit dem 434ha großen Landschaftsschutzgebiet Im Dorn an. Das Wiesental folgt dem Lauf der Wied und ist ein beliebtes Naherholungs- und Wandergebiet, durch den u. a. auch der Wiedweg weiter nach Michelbach verläuft.

Im Dorn liegt auch das Haus Felsenkeller, das Ende des 19. Jahrhunderts als Kurhotel mit 700qm Nutzfläche erbaut worden ist. Hier ist heute das soziokulturelle Zentrum Haus Felsenkeller untergebracht, das mit seinen breiten Bildungsprogrammen, Tagungen und seiner Kleinkunstbühne über die Grenzen der Kreisstadt bekannt ist.

Am ebenfalls im Dorn gelegenen Johannisberg (282m) befindet sich das Wahrzeichen von Altenkirchen, der Bismarckturm. Er wurde 1914 für 14.000 Mark 14m hoch gebaut. Er ist einer von noch zwölf Türmen, die in Rheinland-Pfalz zum Gedenken an den ersten Kanzler des Deutschen Reiches erhalten sind. Nach einer mehrjährigen Renovierung wurde der Bismarckturm auf dem Johannisberg 2010 wieder eröffnet. Den Ausblick von oben kann man allerdings nur einmal im Monat erleben. Schade.

Seit der Verleihung der Stadtrechte 1314 ist Altenkirchen auch Ausrichter von Märkten. Einer dieser Märkte ist der Simon-Juda-Markt, der traditionell am letzten Freitag im Oktober abgehalten wird. Seinen Namen verdankt er wahrscheinlich dem Apostel Simon Kananäus, dessen Namenstag der 28. Oktober ist. Rund 120 Marketender bieten zum Simon-Juda-Markt ihre Waren feil.