Hamm (Sieg)

Campingplatz im EichenwaldCampingplatz im Eichenwald

Hamm ist das Zentrum der früher Hämmscher Land genannten Gemarkung der heutigen Verbandsgemeinde Hamm. Ob Hämmscher Land, Hammer Ländchen oder Verbandsgemeinde Hamm: Eines ist sicher, den Ehrentitel Garten des Westerwalds hat sich die Region zurecht verdient.

Die Stadt Hamm liegt auf halber Strecke zwischen Eitorf und Betzdorf in West-Ost-Richtung bzw. Waldbröl und Altenkirchen in Nord-Süd-Richtung und ist wohl aus einer früheren germanischen Festungsanlage erwachsen. Die erste urkundliche Erwähnung datiert allerdings erst auf 1131 in Form einer Bestätigung, dass Hamm Steuern an das Cassius-Stift zu Bonn zu zahlen hatte.

In den folgenden Hunderten von Jahren passierte wenig Aufregendes, bis dann am 30. März 1818 einer der wichtigsten Sozialreformer Deutschlands in Hamm an der Sieg das Licht der Welt erblickte: Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Er ist der Gründer des Genossenschaftswesens, das heute international von rund 500 Mio. Menschen aktiv als Alternative zur kapitalistischen Gewinnmaximierungsstrategie genutzt wird. Und nebenbei ist Raiffeisen auch Gründer der ersten Volksbank, immerhin dem zweitgrößten Bankenverbund in Deutschland.

Raiffeisen wirkte aktiv vor allem in Weyerbusch, Flammersfeld und Heddesdorf. Aber dennoch sind die Hammer Bürger zu Recht stolz, dass sie sich als Geburtsort schmücken dürfen. So stolz, dass es gleich zwei Raiffeisen-Geburtshäuser gibt.

Ursprünglich nahm man an, dass das Geburtshaus in der heutigen Raiffeisenstraße stand, weshalb die Raiffeisendruckerei in Neuwied 1960 dieses Haus erwarb und eine kleine Gedenkstätte einrichtete. 1998 übernahm die Gemeinde das Haus und übergab es an den örtlichen Heimatverein. Der renovierte und richtete das Raiffeisenmuseum ein, das 2000 eröffnete und seitdem viele – auch internationale Besucher – nach Hamm zog. Das Museum ist leider nicht frei zugänglich, sondern man muss sich für eine Führung im Vorfeld anmelden.

Um das Jahr 1988 fanden sich Dokumente, die offenbar belegten, dass Friedrich Wilhelm Raiffeisen gar nicht in diesem Haus geboren wurde, sondern in der Alten Vogtei. Die Vogtei wurde als Verwaltungssitz für die Grafen von Sayn-Hachenburg gebaut und war später lange Postamt und Bürgermeisterei. Heute beherbergt die Vogtei einen Gastronomiebetrieb.

Zwischen den beiden möglichen Geburtshäusern – ein faktischer Beweis liegt nach wie vor nicht vor – liegt der Synagogenplatz. Seit dem 17. Jahrhundert gab es in Hamm eine jüdische Gemeinde. 1938 brannte die SA während der Reichsprogromnacht die Synagoge nieder und verschleppte die letzten Juden in die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau.

Neben dem ehemaligen jüdischen Friedhof, der seit 1985 unter Denkmalschutz steht, erinnert die Ortsgemeinde Hamm mit dem KulturHausHamm am neu gestalteten Synagogenplatz an die ermorderten jüdischen Mitbürger. Der renovierte Altbau ist das ehemalige Wohngebäude der jüdischen Familie David, in unmittelbarer Nachbachschaft zur zerstörten Synagoge gelegen, dessen Grundriss vereinfacht durch die abgesetzte Pflasterung dargestellt wird. Bei Grabungen wurden auch die Überreste eines mittelalterlichen jüdischen Bades entdeckt und freigelegt.

Im Ortszentrum von Hamm richtet sich die evangelische Pfarrkirche auf, die ursprüngliche eine romanische Basilika war und dann 1707 einen neuen Chor und 1752-54 ein neues, fast quadratisches Schiff bekam. Die Erweiterungsarbeiten basieren auf einem Entwurf des hessischen Landesbaumeisters Julius Ludwig Rothweil, der u.a. auch das Schloss Biebrich in Wiesbaden baute und wesentliche Arbeiten an den Schlössern in Weilburg und Hachenburg verantwortete.

Am südlichen Rand von Hamm im Seelbachtal liegt das Naturfreibad Thalhauser Mühle. Es ist mit einer Wasserfläche von 16.000qm das größte Freibad im Westerwald. Fast eine ebenso große Fläche ist als Liegewiese eingerichtet. Das Waldschwimmbad wurde 1960 erbaut und durch Stollenwasser befüllt. Ein Nichtschwimmer-Bereich ist abgetrennt und Sprungbretter sowie Riesenrutsche begeistern auch die jüngeren Semester.