Schloss Biebrich

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Das dreiflügelige Barockschloss am Rheinufer in Biebrich entstand aus ganz bescheidenen Anfängen: der damals 30jährige Graf Georg August von Nassau-Idstein erwarb 1696 Ländereien in der Biebricher Aue und ließ dort ein einfaches Gartenhaus errichten. 1701-03 ließ er das Gartenhaus zu einem Wohnschlösschen erweitern und 1707 beauftragte er dann den Baumeister Maximilian von Welsch, in der Biebricher Aue ein barockes Schoss zu bauen.

Nach Georg Augusts Tod 1721 ließ sein Sohn 1734-44 die Anlage abermals erweitern, um seine Residenz vom Schloss Idstein an den Rhein zu verlagern. Bis 1841 war Schloss Biebrich der Sitz der mittlerweile zu Fürsten erhobenen Nassauer. Danach verlegte man die Residenz nach Wiesbaden ins Stadtschloss und Schloss Biebrich diente als Sommersitz, bis 1866 das Herzogtum Nassau an Preußen fiel.

Schloss Biebrich blieb jedoch im privaten Besitz des letzten Herzogs Adolph von Nassau und wurde erst 1935 an Preußen verkauft. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, verfiel Schloss Biebrich in der Nachkriegszeit, bis 1961-65 und dann noch einmal 1980-82 Schloss Biebrich umfassend saniert wurde und seitdem wieder in barockem Glanz strahlt.

Schloss Biebrich besteht aus zwei Flügeln, die sich an die äußeren Pavillons anschließen sowie der dazwischen liegenden Rotunde, die mit den beiden äußeren Pavillons durch zwei Galerien verbunden ist. In der Rotunde befindet sich der Mittelpunkt des Schlosses, der Festsaal. Dieser besitzt eine kreisrunde Kuppel mit Oberlicht nach dem Vorbild des Pantheon in Rom. In den Zylinder der Außenmauern setzte Maximilian von Welsch einen Rundtempel (Monopteros) mit acht freistehenden Säulen aus dunklem nassauischen Marmor aus den Steinbrüchen bei Villmar und Runkel und einer Galerie.

Umgeben wird Schloss Biebrich vom Schlosspark Biebrich, der 1817-23 vom ursprünglichen französischen Garten in einen englischen Landschaftspark umgestaltet wurde. Immer wieder für überraschte Besucher sorgen die freilebenden Papageien im Schlosspark, die mittlerweile als heimisch gelten und sich auf andere Stadtgebiet Wiesbadens ausgedehnt haben. Heute leben in Wiesbaden und Umgebung rund 1.300 Halsbandsittiche und mehrere Hundert der etwas größeren Alexandersittiche.

Schmuckstück im Schlosspark Biebrich ist der Mosburgweiher am nördlichen Rand des Parks. Hier wurde auf den Trümmern der alten Kaiserpfalz Biburc 1805-06 die künstliche Ruine der Mosburg erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde die als Wohnbau konzipierte Mosburg dann tatsächlich eine Ruine, ist aber immer noch ein Blickfang im Schlosspark. Zum Erhalt der Mosburg veranstalten die Biebricher Vereines jeweils am letzten Wochenende im August das Mosburgfest, das bis heute ohne kommerzielle Stände auskommt und ein ganz besonderes Flair versprüht.

Ganz anders – also kommerziell – ist dagegen das seit 1949 jährlich stattfindende Pfingstturnier des Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs. Die Pfingstturniere haben sich im Laufe der Jahre zu einem Treffpunkt der internationalen Elite der Dressur- und Springreiter entwickelt, nahmen mit über 50.000 Besuchern Volksfestcharakter an und gelten als wichtiges gesellschaftliches Ereignis.

Genutzt wird Schloss Biebrich heute von der hessischen Landesregierung als repräsentative Kulisse für Empfänge. Man kann aber auch ganz bürgerlich heiraten: Eine Außenstelle des Wiesbadener Standesamts befindet sich in Schloss Biebrich. Im Westflügel von Schloss Biebrich residiert die Hauptdienststelle des Landesamtes für Denkmalpflege, im Ostflügel die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW).

Direkt am Rand des Schlossparks steht in der Rheingaustrasse die 1872 erbaute, spätklassizistische Villa Beck, die nicht nur optisch ein Leckerbissen ist. Die Villa kaufte 1898 der Besitzer der Nassauischen Rheinhütte, der hier die international renommierte Geschichte des Eisens in fünf Bänden verfasste. Noch bekannter ist freilich sein Sohn – ebenfalls Ludwig mit Vornamen. Er gehörte zum Kreis der Hitler-Attentäter von 1944 und war bei einem erfolgreichen Staatsstreich als neues Staatsoberhaupt vorgesehen. Leider klappte das nicht und Beck wurde am 20. Juli 1944 erschossen.

Eine weitere Villa – die 1862 erbaute Villa Annika in der Rheingaustraße 137 – liegt benachbart. Hier mietete sich für einige Zeit Richard Wagner ein und komponierte große Teile seiner Meistersinger von Nürnberg. Eine Gedenktafel an der Villa erinnert an den Aufenthalt des großen symphonischen Dichters.

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