Wiesbaden-Biebrich

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut WernerGutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Die Kernstadt von Wiesbaden ist durch die Biebricher Allee mit ihrem größten Stadtteil verbunden. Nachdem das Stadtschloss fertiggestellt war, sollte der Weg über die Adolfshöhe zum Schloss Biebrich durch eine standesgemäße Allee führen, die 1854-57 angelegt wurde. Entlang der Straße ließen sich schnell reiche Wiesbadener nieder und es entstanden viele prächtige Villen, die noch heute den Charme der Biebricher Allee ausmachen.

Durch das neu entstandene Wohngebiet entlang der Biebricher Allee, musste auch die Infrastruktur angepasst werden. So entstand 1897 der Biebricher Wasserturm, ganz seinem Umfeld angepasst als repräsentativer Zielgelsteinturm mit stolzen 42m Höhe und einem Dach aus Kupfer. Durch seine Größe ist der Biebricher Wasserturm auf der Adolfshöhe heute das Wahrzeichen von Biebrich. Es ist allerdings nur von außen zu bewundern, da er in Privatbesitz ist.

Nicht nur private Bauherren nutzten die gute Lage zwischen Rhein und Kurviertel. 1907-09 wurde an der Biebricher Allee das Stammwerk der Sektkellerei Henkell erbaut, u.a. Erfinder des in Deutschland so beliebten Pikkolo. Das Firmengebäude sollte sich an die Villenbebauung anpassen, und so entstand das klassizistische Henkell-Schlösschen. Die Schauseite zur Biebricher Allee ist durch einen fünfachsigen Mittelrisalit gegliedert, der von einem Dreiecksgiebel abgeschlossen wird. Das gewaltige Walmdach besteht aus Kupfer und Glas und wird von der Aufschrift „Henkell Trocken“ gekrönt. Im Inneren des Gebäudes beeindruckt der prachtvolle Marmorsaal im Stile des Rokoko.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt ein kleiner Park, der eigentlich Richard-Wagner-Anlage heißt, meistens aber nur Henkell-Park genannt wird. Hier wurde 1909 das Landesdenkmal errichtet, das an den letzten Herzog von Nassau erinnert, den 1866 von Preußen abgesetzten Adolph I., der 1890 Großherzog von Luxemburg wurde. Das Landesdenkmal besteht aus einem Obelisk, vor dem eine Bronze-Statue des Herzogs steht. Um den Sockel ist ein reich geschmückter Bronze-Fries angeordnet.

Geht man die Biebricher Allee weiter rheinwärts, trifft man kurz hinter der Eisenbahnlinie rechterhand auf die Hauptkirche, die älteste der fünf evangelischen Kirchen in Biebrich. Bereits 1085 stand hier die Kirche des Dorfes Mosbach, das später mit Biebrich zusammengewachsen ist. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde die Hauptkirche 1712-16 im Barockstil neu gebaut.

Zu ihrem Namen kam die Hauptkirche übrigens, als 1902-05 die evangelische Oranier-Gedächtniskirche am Biebricher Rheinufer erbaut wurde und man deutlich machen wollte, dass die ältere Kirche eben die Hauptkirche sei. Die neugotische Oranier-Gedächtniskirche wurde aus rotem Sandstein nach dem Wiesbadener Programm gebaut und bietet 750 Sitzplätze. Der hohe, wehrhaft wirkende Turm ist asymmetrisch angeordnet.

Ebenfalls sehr sehenswert ist die evangelische Heilig-Geist-Kirche am Nordrand von Biebrich im Übergang in die Kernstadt Wiesbaden. Sie wurde 1961 erbaut und galt als kühnste Kirche in Hessen. Das gesamte Kirchenschiff ist in einem Stück aus Beton gegossen. Als Gestaltungsform taucht sowohl am eigentlichen Kirchenbau als auch am freistehenden Glockenturm immer wieder die Parabel auf. Ins Kircheninnere gelangt man über eine imposante Freitreppe vor der südlichen Fassade.

Ganz klassisch kommt dagegen die 1874-76 erbaute katholische Pfarrkirche St. Marien daher. Vor der Kirche liegt unter schattenspendenden Bäumen der Marienplatz. Hier findet jeden Freitag der Biebricher Wochenmarkt statt. In der Mitte des Marienplatzes steht der Marienbrunnen, der von einer Marienstatue mit dem Jesuskind gekrönt wird.

Zwischen Rathausstraße und Straße der Republik liegt ein kleiner Park, die Robert-Krekel-Anlage. Bemerkenswert: Der 1871 gefertigte Galatea-Brunnen in seiner Mitte ist aus Beton der Firma Dyckerhoff 6 Widmann gefertigt, die damit zeigen wollte, was sich aus dem damals neuen Werkstoff alles machen lässt.

Am oberen Rand der Robert-Krekel-Anlage liegt rechter Hand das ehemalige Biebricher Stadtbad, ein 1907 erbautes Jugendstilgebäude. Hier zeigt seit 1989 das Museum Biebrich für Heimat- und Stadtgeschichte Wissenswertes aus der Vergangenheit.

Ein letztes Wort sei zwei bekannten Biebrichern gewidmet. Der eine ist der Mann am Klavier, Paul Kuhn, der 1928 in Biebrich geboren wurde und dem Deutschland solche Klassiker verdankt wie „Es gibt kein Bier auf Hawaii“. Der zweite ist der Regisseur und Drehbuchautor Volker Schlöndorff, dem es mit der Blechtrommel gelang, 1980 erstmals den Oscar für den besten fremdsprachigen Film nach Deutschland zu holen.