Villmar

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Hinter der Arfurter Schleife knickt die Lahn südwärts und erreicht Villmar, den Hauptort der Villmarer Bucht, einer nahezu ebenen, sich nach Westen öffnenden Terrassenflur in 160-180m Höhenlage. Hier hat sich die Lahn beim Verlassen des Weilburger Lahntals rund 50m tief in die Lößlehmböden eingeschnitten. Auf dem weiteren Weg nach Runkel zeigt hier das Naturschutzgebiet Karlsteine die einzige, noch erhalten Kalkklippe an der Lahn.

Die anderen Kalkklippen fielen seit dem späten 16. Jahrhundert dem Abbau des bekannten Lahnmarmors zum Opfer. Lahnmarmor, früher auch Nassauer Marmor genannt, ist ein polierbarer Kalkstein, der im Lahntal zwischen Taunus und Westerwald vor allem in Balduinstein, Diez, Villmar und Schupbach gewonnen wurde. Der Baustoff wurde u.a. zur Ausstattung des Weilburger Schlosses, für die Eingangshalle des Empire State Buildings, für den Palast des Maharadschas von Tagore, für die St. Petersburger Eremitage und für den Kreml in Moskau verwendet. Außerdem wurden der Berliner, Würzburger und Mainzer Dom mit Lahnmarmor ausgestattet.

Eine besonders eindrucksvolle Anwendung von Lahnmarmor sieht man in Villmar. Es ist die 1894-95 erbaute Lahnbrücke, die komplett aus Lahnmarmor erbaut wurde. Die Villmarer Marmorbrücke besteht aus drei Stichbögen mit einer Spannweite von 21,5m. Bögen, Pfeiler und Brückenköpfe bestehen aus massiven geschnittenen Lahnmarmor-Quadern. Die Seitenflächen sind aus gemauerten Lahnmarmor-Schmucksteinen verschiedener Sorten gestaltet. Wegen ihrer technischen Bedeutung wurde die Villmarer Marmorbrücke 1985 als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt.

Ganz im Zeichen des Lahnmarmors wurde 2004 in Villmar in einem historischen Fachwerkhaus am Brunnenplatz das Lahn-Marmor-Museum eingerichtet. Hier wird über Wirtschaftsgeschichte, Geologie und Abbautechnik informiert. Ebenfalls am Brunnenplatz befindet sich eine Bronzestatue, die den Villmarer Steinmetz Johann Ringel (1886-1975), allgemein nur der Pat genannt, zeigt und damit an die jahrhundertelange Handwerkstradition erinnert.

Nach diesem Theoriekurs kann man am Naturdenkmal Unica-Bruch, einem aufgelassenen Lahnmarmor-Bruch, die Entstehung eines Stromatoporen-Riffs im Devonmeer ganz praktisch in Augenschein nehmen. Der Unica-Bruch in Villmar ist der einzige von über einhundert ehemals betriebenen Lahnsteinbrüchen, der heute zugänglich ist. Hier wurde roter Lahnmarmor mit Seilsägen abgebaut. Diese Methode ließ eine in zwei ausgesägte Terrassen gegliederte etwa 6m hohe und 15m lange Wand entstehen, die einen wohl weltweit einmaligen dreidimensionalen Einblick in den Aufbau eines Stromatoporenriffs aus dem Devon erlaubt. Der Unica-Bruch fand 2006 Eingang in die Liste der Nationalen Geotope.

Der Unica-Bruch ist einer der 22 Informationsstation, die der Villmarer Lahn-Marmor-Weg verbindet. Er startet an der König-Konrad-Halle direkt an der Lahn. Eine weitere Station des Informationswegs ist das König-Konrad-Denkmal, das 1894 – natürlich auf einem Sockel aus Villmarer Lahnmarmor – auf der Bodensteiner Lay hoch über der Lahn errichtet wurde und an einen der Begründer des Heiligen Römischen Reichs erinnert, den 918 in Weilburg verstorbenen Konrad I.

Ebenfalls Lahnmarmor kam bei der Ausstattung der 1746-49 erbauten katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul zum Einsatz. Der mächtige Saalbau, der nach einem Brand 1886 erneuert und mit dem weithin sichtbaren Turm versehen wurde, verfügt über einen dreiteiligen barocken Hochalter aus der Hadamarer Schule. Auf dem Kirchhof befinden sich 77 marmorne Grabkreuze aus dem 18. Jahrhundert.

Direkt an der Kirche steht die im 18. Jahrhundert errichtete Matthias-Pforte. Sie führt zu den Resten der im 13. Jahrhundert angelegten Ortsbefestigung, die ursprünglich aus einer Ringmauer, drei Toren und sieben Türmen bestand. Übrig geblieben sind nur noch Teile des Mattheiser Turms. Eine als Wohnturm angelegte Vogteiburg aus dem 13. Jahrhundert ist heute in Gestalt der Grundmauern nachweisbar.