Weilburg

Weilburg ist die ehemalige Residenzstadt des Hauses Nassau-Weilburg und war einige Jahrhunderte zuvor Sitz von Konrad I., dem König des Ostfrankenreichs. Konrads Krönung 911 gilt vielen als Gründung des ersten Deutschen Reiches, das bis 1806 Bestand hatte. Konrad starb 918 in Weilburg und machte hier sein Weilburger Testament: Ohne Krieg und Chaos gab er auf seinem Sterbebett die Reichsinsignien an seinen größten Feind, den Sachsenherzog Heinrich weiter.

Weilburg liegt auf einer Art Halbinsel mitten im Lahntal im Übergang von Westerwald zum Taunus. Blickfang von Weilburg ist das 40m hoch über der Lahn gelegene barocke Schloss Weilburg. Direkt an das Schloss schließt sich der historische Markplatz mit dem prächtigen Neptunbrunnen von 1709 an. Der Zugang zum Markt aus südlicher Errichtung erfolgt durch das 1759 errichtete Landtor. Es wurde im Stile eines Triumphbogens aus grauem und rosafarbenem Lahnmarmor gebaut. Die Allee, die hinter dem Triumphbogen beginnt, führt zum Tiergarten Weilburg.

Im Altstadtkern Weilburgs fällt ein stattliches Haus in der Mauerstraße ins Auge. Es wurde 1780 als Schulgebäude für das Philippinum von Friedrich Ludwig Gunkel errichtet. Das Philippinum ist eines der ältesten noch bestehenden Gymnasien in Hessen. 1540 ursprünglich als Lateinschule gegründet, wurde die Einrichtung im Jahre 1764 zum Gymnasium Philippinum Weilburg erhoben. Bis 1965 büffelten hier die Schüler. Dann zogen sie in einen Neubau in der Lessingstraße. Heute ist im alten Philippinum die Stadtbücherei Weilburg untergebracht. Noch im prachtvollen alten Bau machte übrigens 1955 Ulrike Meinhof in Weilburg ihr Abi, was sie aber nicht vor einer zweifelhaften Terrorkarriere bewahrte.

Am Marktplatz und in der Altstadt finden sich viele Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Über 200 Gebäude in Weilburg sind denkmalgeschützt. Eines davon ist besonders bemerkenswert und auf den ersten Blick ganz unauffällig: In der Hainallee befindet sich Deutschlands höchstes Haus in Pisé-Bauweise. Die sechs Stockwerke sind nicht gemauert oder gezimmert, sondern durchgängig aus Lehm und Erde gestampft. Diese Bauweise verfolgte der Weilburger Unternehmer Wilhelm Jacob Wimpf im 19. Jahrhundert und machte damit Weilburg zur deutschen Hauptstadt des Lehmstampfbaus, der heute noch an vielen Gebäuden in der Bahnhofstraße zu sehen ist.

Eine einzigartige Bauleistung stellt auch das Weilburger Tunnel-Ensemble dar: Drei nebeneinander gebaute Trassen, die unter der Altstadt hindurchführen. Zuerst wurde 1844-47 der Schiffstunnel gebaut. Er ist 195m lang, hat eine Höhe von 6,30m über dem Wasserspiegel bei einer Wassertiefe von 1,75m. Somit konnten auch die mit Erz oder Eisen beladenen Lastkähne aus der Region um Wetzlar passieren. Dieser in Deutschland einmalige Schiffstunnel war allerdings nach nur zehn Jahren nicht mehr modern, denn jetzt rollte die Eisenbahn und ein zweiter Tunnel wurde 1858-63 gestochen. 2004 schließlich kam als dritter Tunnel die Teilortsumgehung der B 456 hinzu.

Verlässt man die Altstadt durch das Weilburger Landtor erreicht man nach ca. 500m den alten Friedhof. Hier wurde im 15. Jahrhundert ein Kalvarienberg angelegt, also eine Baugruppe, die dem Kreuzigungs-Szenario von Jerusalem nachempfunden ist mit Heilig-Grab-Kapelle und einem Heiligen Kreuz in gebührendem Abstand (gute 30m). Ab 1574 bis 1900 wurde die frühere Passionsstätte von den reformierten Christen als Friedhof genutzt. Die Weilburger Heilig-Grab-Kapelle wurde im romanischen Stil 1505 erbaut und ist damit das älteste in Weilburg erhaltene Gebäude.

Deutlich neuer ist das Tempelchen am Schellhofkopf in Richtung Ahausen. 2004 ist der historische Aussichtspunkt mit Hilfe des Rotary-Clubs wieder neu aufgebaut worden. Stürme hatten einen Teil der nach 1900 am Schellhofwald angepflanzten Nadelbäume niedergelegt und wieder eine freie Aussicht gewährt. Nach Aufräumungsarbeiten wurde auf dem Fundament des alten Tempelchens ein neuer Aussichtspavillon, der in seinem Aussehen dem 1999 vollständig renovierten Tempelchen auf der Hauseley bei Odersbach entspricht.

Etwas östlich vom Schellhofkopf liegt das barocke Jagdschloss Windhof. Es wurde 1714-18 als Sommerschloss durch Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg gebaut. Die ganze Anlage ist in strenger Symmetrie und unter Verwendung einfacher und nüchterner Bauformen errichtet worden. Alle Gebäude stehen in strenger Achsenbeziehung zueinander, die Hauptachse weist über die ausgebuchtete Brüstungsmauer der unbebauten Westseite zum Turm der Schlosskirche. Hinter dem Haupthaus, dem eigentlichen Sommerschloss, wurde ein großer Park angelegt. Heute dient der Windhof als Wohnheim der staatlichen Technikerschule.

IVW
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