Idstein

Der historische Stadtkern erhielt seine Prägung als Sitz der Grafen von Nassau-Idstein vom 13. bis ins 18. Jh. In der Altstadt bildet der tief gelegene König-Adolf-Platz mit der nach Süden ansteigenden Obergasse als ehemals wichtigster Straße das Zentrum. Seinen Namen verdankt der Platz dem einzigen deutschen König aus dem Hause Nassau: König Adolf von Nassau (1250-1298). Er residierte u.a. auf Burg Idstein, dem Vorläufer des heutigen Schlosses Idstein.

Am König-Adolf-Platz 7 steht das Killingerhaus, das zu den herausragenden Fachwerkhäusern in der als Gesamtanlage denkmalgeschützten Idsteiner Altstadt zählt. Das Killingerhaus wurde 1615 erbaut. Im Inneren durchgreifend modern verändert, beeindruckt das dreigeschossige Bürgerhaus mit seiner prächtigen Giebelfront. Ein fränkischer Erker mit reichen Schnitzerei geziert, renaissancetypische Schmuckmotive wie Säulen und Ranken ziehen sich über zwei Geschosse.

Heute beherbergt das Killingerhaus neben der Tourist-Information auch das Stadtmuseum Idstein. Das Stadtmuseum präsentiert auf zwei Etagen eine anschauliche Darstellung der 900jährigen Geschichte der Stadt mit Schwerpunkten auf der bürgerlichen und bäuerlichen Lebenswelt im 18. und 19. Jahrhundert.

Vis-a-vis am König-Adolf-Platz steht das malerische Rathaus aus dem Jahr 1698. 1928 wurde es durch einen Felsrutsch fast völlig zerstört und dann 1932-34 wiederaufgebaut. Es steht erhöht über einem Durchgang vor dem die Burg tragenden Felssporn.

Das neben dem Rathaus stehende und für Idstein ungewöhnlich hohe Fachwerkhaus, das Schiefe Haus mit vier Vollgeschossen, ist 1727 erbaut worden. In die „Schieflage“ geriet das Gebäude durch konstruktive Mängel.

Das ehemalige gräfliche Gasthaus zum Löwen von 1590 schließt den König-Adolf-Platz mit seinem Schmuckfachwerk und den geschnitzten Ecksäulen im Obergeschoss nach Südwesten ab. Das frühere Gasthaus zum Hirsch liegt am Übergang vom König-Adolf-Platz zur Obergasse. Das Zierfachwerk von 1600 ist verwandt mit dem benachbarten Killingerhaus. Die geschnitzten Masken und Ranken zieren das Fachwerk. Daneben befindet sich in der Obergasse ein 1408-10 errichtetes Wohnhaus, das damit das älteste Wohnhaus in Idstein ist.

Die relativ kleine Altstadt von Idstein erfuhr durch die östlich angelagerte Vorstadt eine barocke Erweiterung um den etwa 1700 entstandenen Marktplatz. Mittelalterliche Altstadt und barocke Neustadt von Idstein gehen heute ohne erkennbare Grenze ineinander über.

Geht man vom Marktplatz durch die Borngasse zurück in die Obergasse, kommt man an der Druckerei Grandpierre vorbei. Die Druckerei Grandpierre ist wahrscheinlich ein ehemaliger Adelshof. 1818 wurde das Gebäude Nassauisches Institut für Landwirtschaft, dann Königliches Rezeptorium und Büro des königlich-preußischen Steuereinnehmers. 1899 erfolgte hier die Gründung der ldsteiner Zeitung durch Georg Grandpierre.

Hier am unteren Ende der Obergasse liegt auch der Höerhof, auch Toepferhaus genannt. Bauzeit dieses prächtigen Fachwerkbaus war 1620-26. Der Höerhof diente unter anderem als Jagdschloss und Forstamt. Von 1911-55 wohnte hier der Maler Ernst Toepfer. Als Sammler von Antiquitäten fügte Toepfer zahlreiche historische Fundstücke in Fassade und Innenausstattung des Gebäudes ein. So lagen Teile der Fußböden im Wiesbadener Residenz-Theater. Fenster und Schnitzereien stammen von anderen Fachwerkhäusern.

In der Obergasse 31 schließlich findet man den ehemaligen Stockheimer Hof. Der Stockheimer Hof wurde 1350 gegründet und die derzeitigen Gebäude 1599 durch die Herren von Stockheim erbaut. Das stattliche Gebäude steht in der Tradition der schon Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Familie von Stockheim erbauten Herrenhäuser in Eltville und Geisenheim: Treppenturm, Eingang und giebelseitiger Erker bzw. Vorbau, zwei Fachwerkgeschosse auf massivem Unterbau und Zierformen nur im zweiten Obergeschoss. Bis 2005 war der Fachwerkbau in Nutzung des Sozialpädagogischen Zentrums SPZ Kalmenhof. Heute ist der Stockheimer Hof Privatbesitz.

Vorbei an der 1987 erbauten Stadthalle durch die Schulze-Delitzsch-Straße in die Wiesbadener Straße kommt man zur Hochschule Fresenius. Der dominante Backsteinbau wurde 1893 für die Idsteiner Baugewerkschule 1893. 1995 richtete hier die vorher in Wiesbaden ansässige Hochschule Fresenius ihre Zentrale ein. Die Hochschule Fresenius geht auf das 1848 gegründete Institut Fresenius zurück und ist heute mit 4.000 Studierenden an mehreren Standorten in Deutschland einer der größten und renommiertesten privaten Bildungsträger in Deutschland.