Eltville am Rhein

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut WernerGutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Eltville ist vielseitig: Eltville ist die Stadt der Rosen. Eltville ist die Stadt des Biedermeier. Eltville ist die Stadt Gutenbergs. Und Eltville ist die Hauptstadt der deutschen Sektkultur. Dazu kommt, das Eltville wohl die älteste und im Kerngebiet des Rheingaus (also ohne Wiesbaden) auch größte Stadt im Rheingau ist. Achja, und Wein angebaut wird hier natürlich auch.

Was es mit der Rosenstadt und Gutenbergstadt Eltville auf sich hat, erläutern wir im Zusammenhang mit der kurfürstlichen Burg Eltville. Widmen wir uns zunächst dem Thema Sekt. Und der bekannteste Sohn Eltvilles steht in ganz enger Verbindung mit dem perlenden Stöffchen: Felix Krull. Er wurde – so stehts geschrieben – 1874 in Eltville in einem feinbürgerlichen, aber auch weinselig-liederlichen Haushalt eines Sektfabrikanten geboren und startet von hier aus seine Hochstaplereien.

Möglicherweise spielte Thomas Mann auf den in Eltville heimischen Matheus Müller an, der 1837 mit der Herstellung von Schaumweinen am Rhein begann. Sekt aus dem Hause Müller war begehrt und schon 1845 lieferte man von Eltville aus über 300.000 Flaschen zu den großen Partys im Lande. Heute gehören Fabrik und die zugehörige Marke MM Extra zum Rotkäppchen Konzern. Die lokale Ehre eines Eltvillers Sektunternehmens hält dagegen das eigentlich in Berlin gegründete Sekthaus Schloss Vaux aufrecht. Seit 1982 wird die mittlerweile in Eltville ansässsige Sektmanufaktur von sechzig Aktionären betrieben, die sich mit ganzem Herzen der Rheingauer Wein- und Sektkultur verschieben hat.

Eine Stadtbesichtigung kann man in direkter Nähe von MM Extra und Schloss Vaux beginnen. Startpunkt ist der Sebastiansturm, ein Eckturm der früheren Stadtbefestigung, der mittlerweile zum Firmengelände der Matheus Müller Sektkellerei zählt. Kurz dahinter liegt das Martinstor, das einzige noch erhaltene Stadttor der Stadtbefestigung. Das Martinstor ist heute Teil des Eltzer Hofs, der im 17. Jahrhundert errichtet wurde.

Geht man von hier die Rosengasse hinauf, erreicht man die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul. Erste Spuren einer Kirche datieren auf das 10. Jahrhundert. Die heutige Kirche wurde dann ab 1305 erbaut. Gegen 1420 beginnt die Erweiterung der Kirche nach Süden mit einem neuen Seitenschiff. Etwa zu dieser Zeit wurde auch der landschaftsprägende Westturm hinzugefügt. Im Innern der Kirche finden sich zahlreiche kunstgeschichtlich bedeutsame Ausstattungsmerkmale. Genannt seien hier nur die Darstellung des jüngsten Gerichts aus der Zeit um 1400, der 1517 gefertigte Taufstein aus der Werkstatt des Bildhauers Hans Backoffen und die Kreuzigungsgruppe in der Schmidtburg-Kapelle auf dem Kirchhof, die um 1505 entstanden ist.

Vor der Kirche erstreckt sich der Marktplatz, der zentrale Teil der pittoresken Altstadt von Eltville mit unzähligen, schmuck hergerichteten Fachwerkhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Auch das historische Rathaus von 1513 liegt in der Nähe. Hier befindet sich seit 2010 das Eltvinum, eine Kombination aus Gastronomie, Veranstaltungsort und Ortsvinothek mit Verkostung von Eltviller Weinen und Sekten zu Gutausschankpreisen.

Am Hof Bechtermünz und der kurfürstlichen Burg vorbei kann man dann an der Rheinpromenade zur Burg Crass gehen. Ursprünglich wohl zu Zeiten Barbarossa erbaut, ist die heutige Burg Crass ein neugotischer Nachbau, der im Zuge der Rheinromantik in einen großen Landschaftsgarten gesetzt und zwischenzeitlich Schloss Rheinberg genannt wurde. 1873 übernahm die Familie Crass das Burghaus und es entstand die Gaststätte Burg Crass mit einem schönen Platanengarten und gutem Blick auf den Rhein.

Zwischen dem Sebastiansturm und Burg Crass kann man häufiger schmuck gewandete Pärchen beim Biedermeier-Flanieren erleben. In Eltville wird die Tradition der Biedermeierzeit (1815-48) – in der auch die Gründung der Matheus Müller Sektkellerei fällt – lebendig gehalten. Speziell beim jährlichen Sekt- und Biedermeierfest am ersten Wochenende im Juli erstrahlt Eltville im Glanze des frühen Bürgertums.

Auch zu anderen Zeit wird in Eltville gefeiert. So findet am Samstag zwei Wochen vor Ostern der Narzissenmarkt statt. Am ersten Juniwochenende steigen die Rosentage Eltville. Der Sommer steht im Zeiten des Rheingau Musikfestivals. Und am letzten Wochenende im Oktober wird zur Kappeskerb die Weinlese in Eltville gefeiert, bevor der Festivitätenzyklus am zweiten Adventswochenende mit dem Weihnachtsmarkt rund um den Marktplatz endet.

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