Eitorf

Campingplatz im Eichenwald
Campingplatz im Eichenwald

25km östlich von Bonn und 50km südlich von Köln liegt direkt an der Sieg die Gemeinde Eitorf. Die zugehörigen Orte rechts der Sieg gehören zum Naturpark Bergisches Land. Eitorf selbst und weitere Ortsteile liegen links der Sieg, beherrscht vom Hohen Schaden (388m), der höchsten Erhebung der Leuscheid.

Die Innenstadt von Eitorf wird von der 1881-84 neu errichteten dreischiffigen Pfarrkirche St. Patricius dominiert. Sie enthält einen Taufstein aus der Zeit um 1175, der einst in der alten, 1167 geweihten Kirche stand. In der südlichen Eingangshalle der Patriciuskirche findet sich ein hölzernes Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert.

Bis zum Holocaust gab es eine kleine jüdische Gemeinde in Eitorf. Jakob Simon stiftete 1918 einen 920qm großen jüdischen Friedhof für die Gemeinde und wurde dort zusammen mit seiner Frau Julie als erster begraben. Heute sind noch acht Grabsteine (Mazewot) vorhanden. Seit 2008 erinnert eine Gedenkstele am jüdischen Friedhof in Eitorf an die kleine Gemeinde.

Am Standort der katholischen alten Kirche, deren Turm 1945 zerbombt wurde, sind heute die Umrisse des Fundamentes als farbiges Pflaster eingelassen. Eine Gedenkplakette erinnert an den Alten Turm, der nach wie vor Wahr- und Wappenzeichen von Eitorf ist.

Unweit des Alten Turms liegt der Alte Friedhof von Eitorf. Er bestand von 1805-1967 und ist seit 1985 denkmalgeschützt. Drei Jahre später wurde der Alte Friedhof in die Liste der erhaltenswerten historischen Parkanlagen Deutschlands aufgenommen. Es sind noch einige Grabanlagen erhalten, u.a. das der Industriellenfamilie Gauhe.

Seit dem 19. Jahrhundert ist Eitorf ein Zentrum für die mittelständische Industrie. Zwei Zeugen der Gründerzeit sind die Villa Boge und die Villa Gauhe. Erstere wurde von Adolf Gauhe gegenüber dem Bahnhof im wilhelminischen Stil errichtet. Letztere baute Adolfs Bruder Julis, ein, der das Patent auf die Farbe Türkischrot hielt.

Die Villa Gauhe ist der prächtigste und größte Privatbau in Eitorf. Umgeben war die Villa von einem großen Park, der heute nur noch zu kleinen Teilen existiert. Seine großen Bäume blieben teilweise erhalten und sind mit Zierbüschen unterpflanzt. Auf dem Gelände waren auch Teiche angelegt, die der durch den Park fließende Eipbach speiste. Nachdem die Villa jahrelang leer stand, ist dort heute ein Pflegeheim der Caritas untergebracht.

Ein weiterer Klassiker aus der Zeit der Industrialisierung ist die alte Zigarrenfabrik in der Schümmerichstraße, die 1868 erbaut wurde. In dem denkmalgeschützten Gebäude befindet sich seit 1989 das Atelier von Giovanni Vetere, einem international renommierten Bildhauer. Hinter der alten Fabrikanlage öffnet sich das Eitorfer Skulpturental, ein 11.000qm großer Park mit in die Landschaft integrierten Kunstwerken.

Verlässt man Eitorf entlang des Eipbachs in Richtung Mühleip erreicht man Burg Welterode, eine ehemalige Wasserburg, die erstmals 1249 erwähnt wird. Das heutige Burghaus ist ein dreigeschossiger Putzbau, auf denen eine Brücke zuführt. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert. Walmdach, Fenstergestaltung und Treppenhaus wurden im 18. Jahrhundert hiunzugefügt.

Eitorf liegt schon im Einzugsgebiet des Rheins und so wird Straßenkarneval am Rosenmontag großgeschrieben. Geschichtlich bedeutsamer ist aber die Eitorfer Kirmes, die immer am Wochenende vor dem letzten Dienstag im September stattfindet.

Die Eitorfer Kirmes bezieht sich dabei nicht auf die Kirchweihe, sondern auf den Wachszinstag. Der Wachszinstag war der Stichtag, wo die Untertanen ihren Schutzherren eine Abgabe in Form von Bienenwachs übergaben. Dies gilt als mildeste Form der Hörigkeit im Mittelalter und war demnach ein Grund, fröhlich zu feiern. Und das wird seit 1145 (!) in Eitorf überaus ernst genommen. Mittlerweile kommen rund 100.000 Besucher zur Kirmes nach Eitorf.

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