Betzdorf

An der Mündung der Heller in die Sieg liegt die kleine Stadt Betzdorf, die um 1850 noch als Teil des benachbarten Kirchen ein Örtchen mit nur 35 Häusern war. Heute leben in Betzdorf 10.000 Menschen und noch einmal 6.000 in den angeschlossenen Gemeinden Alsdorf, Grünebach, Scheuerfeld und Wallmenroth.

Der Aufschwung in Betzdorf begann mit dem Bau der Eisenbahnlinie Köln-Gießen und dem Anschluss von Betzdorf über eine Nebenstrecke nach Siegen. Jetzt wurden Industriebetriebe gegründet und Betzdorf wurde eine Eisenbahnerstadt: Eine Siedlung, die wesentlich durch die Bahn und ihre Betriebe geprägt wird. Noch heute erinnert die ausgebaute Treibachse einer Dampflokomotive der Baureihe 044, die vor dem Betzdorfer Bahnhof steht, an die Bedeutung der Bahn für die Stadtentwicklung.

Mit dem Aufschwung begann auch die Ablösung vom Nachbarort Kirchen und der Bau der eigenen Pfarrkirche St. Ignatius ab 1882. Die Baupläne für die Ignatiuskirche wurden von Vinzenz Statz angefertigt, Baumeister bei der Erzdiözese Köln und einer der bedeutendsten Vertreter der Neugotik im Rheinland. Statz konzipierte die Betzdorfer Ignatiuskirche als neugotische Basilika mit Querschiff. Vor dem Schiff steht ein Turm mit spitzer Haube. Am 23. April 1880 wurde der Grundstein für die Pfarrkirche gelegt, der heute noch an der rechten Seite des Chorraumes sichtbar ist.

Nur wenig später – 1895 – wurde die evangelische Kreuzkirche errichtet, die im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört wurde. 1951 erfolgte der Wiederaufbau, der Teile des alten Turms integrierte. Die Grundsteinschatulle von 1894 wurde bei den Aufräumarbeiten gefunden und zusammen mit einem aktualisierten Dokument im linken Chorraum vergraben.

Vom Bahnhof aus kommt man durch die Bahnhofstraße zum Rampenwendel, einer modern gestalteten Überführung der Bahngleise, die von den Betzdorfern Elefantenklo genannt wird. Über den Wendel erreicht man die Viktoriastraße, das Zentrum der Betzdorfer Altstadt. Die im Pflaster der Straße eingelassenen Schmuckplatten aus Bronze zeigen die Zunftzeichen der verschiedenen Handwerksbetriebe in der Stadt Betzdorf.

Am Ende der Victoriastraße schließen sich Kirchstraße und Rainstraße an. Hier steht das ehemalige Geroldsteinsche Haus, das 1900 gebaut wurde und mit seiner gepflegten Fassade ein Zeitzeugnis für die Architektur der Gründerzeit ist.

Um die Geschichte Betzdorfs lebendig zu halten, wurde auf Basis einer Veröffentlichung des Betzdorfer Geschichte e.V. der Weg des Erinnerns durch die Stadt eingerichtet. Zwanzig Stationen sind mit Informationstafeln ausgestattet, die z.B. an das jüdische Viertel, das frühere Pfarrhaus, Schutzbunker und alte Friedhöfe erinnert.

Südöstlich der Innenstadt liegt das zur Verbandsgemeinde Betzdorf zählende Alsdorf. Hier fließt der Imhäuser Bach vom Windhahn kommend in die Heller. Das Imhäuser Tal ist ein schönes Wanderrevier, über das man einen Marsch zum Druidenstein machen kann.

Westlich schließt sich an Betzdorf der Stadtteil Bruche an. Hier hat die Stadt einen 5km Waldererlebnispfad eingerichtet, auf dem Taskästen, ein Wichtelpfad und ein Kriechtunnel auch die Nachwuchswanderer faszinieren werden. Am Walderlebsnispfad steht auch ein Hochsitz mit guter Aussicht auf Betzdorf. Der Walderlebnispfad 200m links hinter den Tennisplätzen in Bruche.

Nach Bruche folgt dem Lauf der Sieg das Dorf Scheuerfeld, das sich malerisch an eine Siegschleife anschmiegt. Innerhalb der Siegschleife – in der so genannten Muhlau – liegt das Naturschutzgebiet Graureiherkolonie, das wie der Name nahelegt ein beliebtes Revier der Schreitvögel ist.

In Betzdorf findet seit den 1920er Jahren jeden Dienstag und Freitag ein beliebter Wochenmarkt statt, der der größte dieser Art im nördlichen Rheinland-Pfalz ist. Noch älter ist das Schützenfest, das erstmals 1868 stattfand und mittlerweile an jedem zweiten Septemberwochenende Tausende Besucher nach Betzdorf zieht.