Siegen

Rubensstadt und Krönchenstadt, das sind die Beinamen der Stadt Siegen. Sie ist das Oberzentrum von Siegerland-Wittgenstein und Sitz der Kreisverwaltung. In einem Talkessel der noch jungen Sieg und teilweise auf den umliegenden Berghängen liegen die Kernstadt und die größeren Stadtteile mit industrieller Prägung. Die eher ländlich gebliebenen, kleineren Stadtteile befinden sich häufig in Nebentälern.

Die Anfänge der heutigen Universitätsstadt liegen auf dem unteren Sporn des Siegbergs (307m). Hier stand vermutlich bereits im 7. oder 8. Jahrhundert eine Befestigungsanlage, die eine Furt über die unweit verlaufende Sieg sichern sollte. Herren der Stadt waren bis 1815 die Grafen aus Nassau, die von den Mainzer Erzbischöfen als Vögte eingesetzt worden waren, um das Gebiet zu verwalten.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Siegen als Sigena im Jahr 1224, als das Stadtgebiet erweitert und befestigt wurde. Allerdings muss die Ansiedlung schon zuvor Stadtrechte gehabt haben, darauf lassen frühe Münzprägungen schließen. Es dauerte lange, bis die Stadt über die mittelalterlichen Grenzen hinaus wuchs. Erst im 19. Jahrhundert erweiterte sich die Stadtfläche bis in die Täler rund um den Siegberg.

Auf dem Sporn des Siegbergs steht Siegens älteste Kirche, die Martinikirche. Sehr wahrscheinlich stand an dieser Stelle schon in karolingischer Zeit ein Vorgängerbau, zumindest deuten archäologische Funde darauf hin. Im nördlichen Seitenschiff der Martinikirche befindet sich ein sehenswertes Fußbodenmosaik, das auf das 10. Jahrhundert datiert wird.

Durch einen Umbau Anfang des 16. Jahrhunderts erhielt die Martinikirche ihr heutiges Aussehen. Von ursprünglich ganzen fünf Türmen ist nur noch einer erhalten. Ein schönes Detail im Innenraum ist der Taufstein von 1230, und auch mehrere gusseiserne Grabplatten sind einen zweiten Blick wert.

Unten im Tal der Sieg verläuft die Bahnstrecke. Nachdem das Siegerland an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen worden war, befand die königlich preußische Eisenbahnverwaltung, dass hier ein guter Standort für ein Bahnbetriebswerk sei. Bis 1997 war dieses in Betrieb.

Seither kümmern sich die Eisenbahnfreunde Betzdorf e.V. um die Anlage sowie um eine stattliche Sammlung alter Dampfloks und anderer Schienenfahrzeuge. Auch Dieselloks und verschiedene Personen- und Güterwagen gehören zum Bestand. Die Ausstellung im Ringlokschuppen wird ergänzt um eine Fotoausstellung und eine Modellbahn-Anlage. Und zu besonderen Anlässen werden einige der alten Schätzchen auch noch richtig unter Dampf gesetzt.

Am Rand der Siegplatte, die derzeit noch den Lauf der Sieg durch Siegens Innenstadt zudeckt, stehen zwei weithin bekannte Figuren: Henner und Frieder, der Hüttenmann und der Bergmann. Die überlebensgroßen Standbilder sind Sinnbilder für die jahrhundertelange Tradition des Siegerlandes in Erzbergbau und Eisenverhüttung. Und auch die beiden Bronze-Statuen selbst haben inzwischen eine über hundertjährige Geschichte. Der in Siegen geborene Künstler Prof. Friedrich Reusch gestaltete sie 1902 für eine Industrieausstellung in Düsseldorf. Nachdem sie von dort nach Siegen gekommen waren, standen sie sich ursprünglich auf der Siegbrücke gegenüber. Rund dreißig Jahre später wurden sie nebeneinander angeordnet.

Nur einen Steinwurf entfernt steht eines der traditionsreichsten kulturellen Gebäude von Siegen. Dabei ist das Gebäude selbst gar nicht sehr alt. Erst 2006 entstand der Neubau des Apollo-Theaters, bei dem lediglich die historische Fassade stehen blieb. Ursprünglich war der Bau als Apollo-Kino in den 1930er Jahren entstanden und diente bis in die 1990er Jahre als Lichtspieltheater. Seit der Wiedereröffnung 2007 sind auf der Bühne Schauspiel und Konzert zu Hause, die regelmäßig begeisterte Kritiken erhalten.

Ebenfalls von zentraler Bedeutung für das kulturelle Leben in Siegen ist das Medien- und Kulturhaus Lÿz. Es legt seinen Schwerpunkt auf Kleinkunst, Kabarett, Musik und Theater. Großveranstaltungen, Konzerte und Messen finden meist nur wenige hundert Meter von hier entfernt in der Siegerlandhalle statt, die 2006-07 neu gestaltet und modernisiert wurde.

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