Siegener Kessel

Den Kern des Siegerlands bildet der Siegener Kessel. Eingerahmt von zahlreichen Bergen durchquert die Sieg diesen Bereich von Nordosten nach Südwesten. Folgt man ihr noch etwas weiter in ihrem Verlauf, erreicht man im benachbarten Rheinland-Pfalz den Sieg-Westerwald und den Bereich, der landläufig als Siegtal bezeichnet wird. Neben dem Siegtal selbst zählen noch mehrere Seitentäler von Zuflüssen der Sieg zum Siegener Kessel. Zentraler Ort ist, wie sollte es anders sein, die Universitätsstadt Siegen.

Es sind hauptsächlich die Tallagen innerhalb des Siegener Kessels, die besiedelt sind. Die Bergrücken sind meist dicht bewaldet, sieht man von den zentralen Erhebungen im Stadtgebiet Siegens ab. Aufgrund dieser bebauten Erhebungen vergleicht man Siegen gerne mit der ewigen Stadt Rom: Siegen sei wie Rom auf sieben Hügeln erbaut. Gefühlt sind es sicherlich sogar an die 700 Berge, in Wirklichkeit bieten sich aber acht Erhebungen an, die das Kernstadtgebiet von Siegen markieren: Giersberg (358m), Siegberg (307m), Lindenberg (373m), Häusling (364m), Rosterberg (326m), Fischbacherberg (371m), Wellersberg (346m) und Heidenberg (315m).

Obwohl es auf den ersten Blick so wirkt: Die Namen Sieg, Siegen und Siegerland haben nichts mit gewinnen zu tun. Sie leiten sich vielmehr aus einem alten keltischen Wortstamm ab: Sikkere bedeutet in etwa „schneller Fluss“ oder „schnelles Wasser“. Das ist interessanterweise der gleiche Ursprung, dem auch der Name Seine entstammt. Damit erschöpfen sich allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten von Siegen und Paris.

Zum Leidwesen vieler Einwohner ist von der Sieg im Stadtbild nicht viel zu sehen. Sie ist vielfach überbaut, verschwindet unter der Stadtautobahn, der Hüttentalstraße HTS, oder unter einem wenig ansehnlichen Parkplatz mit dem treffenden Namen Siegplatte. Zumindest letzteres könnte sich allerdings in den kommenden Jahren ändern. Die Siegplatte ist sanierungsbedürftig, und seitens der Stadt laufen umfangreiche Planungen, sie eventuell ganz verschwinden zu lassen. Die Alternative wäre ein freigelegter Flusslauf mitten in der Stadt, der durch eine attraktive Gestaltung die Passanten zum Verweilen einlädt. Die kommenden Jahre werden Siegens Stadtbild also sicherlich stark verändern.

Das begrüßen auch viele, die die Stadt kennen. Zwar hat sich in den letzten Jahrzehnten schon viel getan. Doch noch immer sieht man Siegen an, dass es kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs fast völlig zerstört wurde. Innerhalb kürzester Zeit legten alliierte Bomber die Stadt zu weiten Teilen in Schutt und Asche. Viele Bauten aus der Gründerzeit wurden dabei zerstört, das zeigen alte Fotografien. Sie wurden zwar ersetzt, doch der Beton-Stil der 1950er und 1960er Jahre hat heute nicht mehr viele Fans.

Trotz alledem hat die Stadt dem Besucher einiges zu bieten, wenn er sich auf einen zweiten Blick einlässt. Das Obere Schloss mit dem Siegerlandmuseum und einem schönen Schlosspark, das Untere Schloss, die Nikolaikirche mit dem Krönchen, das Naturschutzgebiet Trupbacher Heide und der Aussichtsturm auf dem Gilberg (426m) sind nur einige der Sehenswürdigkeiten, die der Siegener Kessel zu bieten hat.