Siegerland-Wittgenstein

Wanderer schätzen Wälder, Berge und Gewässer. Was soll man sagen: Siegerland-Wittgenstein bietet diese Kombination in Reinkultur. Der waldreichste Kreis Deutschlands ist zugleich Quellgebiet von Lahn, Sieg und Eder mit zahlreichen Nebenbächen und bietet an den südlichen Ausläufern des Rothaargebirges viele Mittelgebirgsgipfel auf einer Höhenlage bis gut 600m ü. NN.

Ergänzt wird diese bevorzugte Mischung durch eine gelungene Kombination von kulturellen Highlights. Siegerland-Wittgenstein blickt auf eine Jahrtausende alte Bergbautradition zurück, hat mit der Haubergswirtschaft eine ganz eigene Art nachhaltigen Wirtschaftens erfunden und ist als Geburtsstätte des Barockmalers Peter Paul Rubens stolz auf seine aktive Kulturpolitik.

Als Wanderregion markieren Siegerland und Wittgensteiner Land den südlichen Teil des Sauerlands verstanden als Land zwischen Möhne und Sieg. Im Südosten bildet die Haincher Höhe die Grenze zum Lahn-Dill-Bergland, nach Nordosten hin markiert das Elsofftal den Übergang ins Ederbergland. Im Norden sind es die Höhenzüge des Rothaarkamms, die den Übergang zum Hochsauerland bilden. Im Süden geht das Siegerland in den Freien Grund und den Hickengrund über, die bereits zum Westerwald zählen. Im Westen schließt sich das Wildenburger Land an.

Das Zentrum des Landkreises Siegerland-Wittgenstein ist die Großstadt Siegen, die seit 1986 gegen ein angekratztes Image ankämpft. Damals veröffentlichte das Magazin der Süddeutschen Zeitung ein Stadtporträt mit der Überschrift: „Was ist schlimmer als Verlieren? Siegen!“ Gründe für diese Bewertung sind schnell gefunden: Das Stahlzentrum an der Sieg wurde im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört und musste dann in den architektonisch anspruchslosen Jahren von 1950-80 fast neu gebaut werden: Inkl. Sichtbeton, Zubau der Sieg, Ansiedlung von Schwerindustrie im Tal, Bau einer Schnellstraße durchs Zentrum etc.

Wandergebiete im Siegerland und im Wittgensteiner Land

Doch lässt man die Hauptstraße hinter sich, entdeckt man im Siegener Kessel viele liebenswerte Details, z.B. das Obere Schloss mit dem Siegerland-Museum inkl. einiger Rubens-Originale, die einzige sechseckige Kirche nördlich der Alpen, geziert vom goldenen Krönchen, dem Wahrzeichen Siegens, das international renommierte Museum für Gegenwartskunst, das Naturschutzgebiet auf der Trupbacher Heide und den Aussichtsturm auf dem Gilberg (426m).

Als zweitgrößte Stadt im Siegerland schließt sich das im Littfelder Grund gelegene Kreuztal nördlich an Siegen an. Kreuztal ist bis heute stark industriell geprägt, doch auch hier gibt es Sehenswertes, z.B. den Leuchtturm des Siegerlands: einen 22m hohen Aussichtsturm auf dem Kindelsberg (618m), der zugleich das Logo des bekannten Biers aus Krombach ziert. Lohnenswert ist ein Blick auf das Renaissance-Schloss Junkernhees. Wer sich über die traditionelle Haubergswirtschaft des Siegerlands informieren möchte, besucht den historischen Hauberg Fellinghausen.

Folgt man von Kreuztal aus dem Ferndorftal nach Osten, kommt man in den Hilchenbacher Winkel. Unterwegs lädt die Breitenbach-Talsperre zu einem Spaziergang ein, nicht weit davon ist Stift Keppel ein lohnenswertes Ziel. Die Wilhelmsburg und die stattlichen Fachwerkhäuser am Marktplatz von Hilchenbach sind für alle kulturhistorisch Interessierten zu empfehlen. Und wer dann noch gut zu Fuß ist, für den lohnt sich die Wanderung hinauf auf die Ginsburg, wo einst Wilhelm von Oranien seine Truppen zur Befreiung Hollands sammelte.

Im westlich gelegenen Freudenberger Bergland ist das Siegerland deutlich ländlicher geprägt. Ein Baudenkmal internationalen Ranges ist der Alte Flecken, die historische Innenstadt von Freudenberg. Von hier kann man gut zum Hohenhainer Tunnel wandern oder einen Abstecher zu den Büscher Weihern machen. Eine bkannte Sehenswürdigkeit im Freudenberger Bergland ist auch die historische Kirche mit Fachwerk-Pfarrhaus in Oberholzkau.

Das Südsiegerländer Bergland ist das historische Zentrum des Siegerländer Erzreviers. Im Wilnsdorfer Ortsteil Obersdorf-Rödgen findet sich der restaurierte Windofen aus der Eisenzeit, der bezeugt, dass im Siegerland schon vor rund 2.500 Jahren Bergbau betrieben wurde. Lohnenswert ist auch ein Abstecher zur Eremitage, ein Marsch auf dem Rothaarsteig zur Tiefenrother Höhe (551m) mit tollem Aussichtspunkt oder ein Blick auf die Siegerländer Rieselwiese.

Der Rothaarsteig führt weiter in nördlicher Richtung hinüber ins Johannland rund um Netphen. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieser Region sind das Wasserschloss in Hainchen, die keltische Wallburganlage bei Afholderbach, der Kohlenmeiler bei Walpersdorf, die Obernautalsperre und das Waldland Hohenroth, ehemals ein Forsthaus und heute ein Wald-Informationszentrum. Und das Johannland ist Quelle für gleich drei wichtige Flüsse: Lahn, Eder und Sieg entspringen hier am Rothaarkamm!

Während Lahn und Sieg westlich dem Rhein zufließen, macht sich die Eder in nordöstlicher Richtung auf ihren langen Weg zur Fulda. Wer ihr von der Eder-Quelle aus folgt, befindet sich schon bald in der Wittgensteiner Kammer. Hier dominiert weitläufige Natur und die schätzen auch die Wisente, die seit 2010 imn Wittgensteiner Land erstmals in Westeuropa wieder in freier Wildbahn leben. Ein Blick auf die Tiere erhascht man in der Wisent-Wildnis bei Wingeshausen. Wem das zu wild ist, dem sei Bad Berleburg mit dem barocken Schloss Berleburg empfohlen oder das Schieferschaubergwerk in Raumland,

Last but not least ist Bad Laasphe zu nennen, der wichtigste Ort des Wittgensteiner Berglands. Oberhalb der Stadt thront Schloss Wittgenstein, unten im Tal schlängelt sich die junge Lahn am Kurpark entlang. Zu sehen gibt es auch außerhalb von Bad Laasphe einiges, etwa die Ilse-Quelle, den Banfer Dom, den acht Meter hohen Scharfenstein bei Bermershausen oder das Industriemuseum Trafostation.

Wanderwege in Siegerland und Wittgensteiner Land

Ganz Siegen-Wittgenstein ist eine ausgezeichnete Wanderregion. Kaum ein Ort ist hier ohne Wanderparkplatz mit vielen örtlichen Rundwanderwegen. Aber auch einige der großen Fernwanderwege führen durchs Siegerland. Der Europäische Fernwanderweg E1, der Rothaarsteig, der Schlösserweg, der Lenne-Sieg-Weg und der Siegerlandweg seien stellvertretend genannt. Bekannt vor Ort und auch nur in mehreren Tageswanderungen zu bewältigen sind der Siegerland Höhenring und der Wittgensteiner Panoramaweg.

Schöne und beliebte Rundwanderwege sind z.B. der Kindelsbergpfad zum Leuchtturm des Siegerlands, der Graugansweg, der Wisentpfad, der Ilsetalpfad, der Sonnenweg, der Rundweg durchs Freudenberger Bergland und der Fachwerkweg in den Alten Flecken, die Rösper Wasserwege, die Volnsberger Aussichten und der Quellenweg Lahn-Ilm-Sieg-Eder.

Anreise nach Siegen-Wittgenstein

Siegerland und Wittgensteiner Land sind am besten von Westen über die Autobahn A 45 zu erreichen, die von Freudenberg bis Wilnsdorf das Siegerland mit Abfahrten bestückt. Den Hauptzugang zu den östlicheren Regionen im Wittgensteiner Land bildet die B 62, die Siegen mit Erndtebrück und Bad Laasphe verbindet, sowie die B 480, die von Erndtebrück nach Bad Berleburg und weiter ins Hochsauerland führt.

IVW