Kreuztal

Nördlich von Siegen liegt die junge Stadt Kreuztal. Hier treffen sich die Täler der Littfe aus dem Norden, das der Ferndorf aus dem Osten und das der Hees aus dem Westen und führen weiter in Richtung Süden zum Siegener Kessel hin, wo das Wasser der Bäche in die Sieg fließt.

Der Name Kreuztal scheint gut gewählt für diese vier großen, kreuzförmig zusammen laufenden Bachtäler. Doch nicht nur das Wasser fließt hier zusammen, auch die Verkehrswege. Straßen- und Schienenverbindungen treffen sich hier und führen in alle vier Himmelsrichtungen weiter. Über allem thront dabei der Kindelsberg (618m), Kreuztals Hausberg.

Eine Gaststätte mit Posthalterei am Wegekreuz in Ernsdorf war die Keimzelle des Ortes. Hier kreuzten sich die Straßen ins Wittgensteiner Land und nach Köln. Der Bau zweier sich kreuzender Eisenbahnlinien ließ die Bedeutung der Siedlung wachsen, sodass die Gemeinde Ernsdorf 1928 in Kreuztal umbenannt wurde. Als 1969 insgesamt zwölf bis dahin eigenständige Gemeinden zusammengefasst wurden, gab die Gemeinde Kreuztal der neuen Stadt ihren Namen.

Da hier aber nicht der gewachsene Mittelpunkt der Region lag, fehlt Kreuztal eine historische Altstadt als Siedlungskern. Mit Dreslers Park sollte sich dies ändern. Nördlich vom Kreuztaler Stadtzentrum und nur einen kurzen Fußmarsch von der Fußgängerzone entfernt befindet sich das kulturelle Zentrum Kreuztals.

Benannt ist das einzigartige Villen-Ensemble aus der Gründerzeit nach der Fabrikantenfamilie Dresler. Es besteht aus mehreren denkmalgeschützten Villen, die zehn Jahre lang mit großem Aufwand restauriert wurden. Gelbe Villa, Weiße Villa, Wagenremise, Kutscherhaus, Musikpavillon und Gartenhaus, alle erbaut zwischen 1860 und 1880, beherbergen heute Gastronomie, Bibliothek und Stadtarchiv und dienen als Veranstaltungsorte für Kultur-Events.

Dass die Stadt Kreuztal in ihrem Selbstverständnis stark auf Kultur setzt, macht auch das alte Bahnhofsgebäude deutlich. Nachdem die Stadt der deutschen Bahn das Gebäude abgekauft hatte, baute sie es 2007 für über 2 Mio. Euro zum Kulturbahnhof um. Zwei Künstler-Ateliers und Ausstellungsflächen mit wechselnden Ausstellungen ergänzen seither das Kulturangebot der Stadt. Zusätzlich beherbergt der Kulturbahnhof Büros, Geschäfte und einen Gastronomiebereich.

Ganz in der Nähe an der Marburger Straße liegt das denkmalgeschützte Mundloch des Kronprinz-Friedrich-Wilhelm-Erbstollens. Der Stollen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglichte es den Bergleuten, direkt unter Tage zur Grube Kuhlenberg und von dort zum Stahlberger Gang im Müsener Revier zu gelangen. Die 4km lange Verbindung wurde nach 1931, als die letzte Schicht gefahren war, zur Wasserversorgung und im Zweiten Weltkrieg als Schutz vor Luftangriffen genutzt.

Einer der bekanntesten, zugleich aber auch umstrittensten Söhne der Stadt ist der Großindustrielle Friedrich Flick. 1883 im damaligen Ernsdorf geboren, wurde der Sohn eines Landwirts nach dem zweiten Weltkrieg zum reichsten Deutschen und ist bis heute Ehrenbürger der Stadt Kreuztal. In der Kritik stand und steht er allerdings durch seine Geschäftspraktiken und vor allem durch seine Rolle im Dritten Reich, für die er 1947 in den Nürnberger Prozessen zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde.

Seinem wirtschaftlichen Erfolg tat das letztlich keinen Abbruch; als er 1972 starb hinterließ er das damals größte deutsche Industrie-Imperium. Wie zwiespältig das Verhältnis der Stadt zu Friedrich Flick bis heute ist, zeigt sich auch am Städtischen Gymnasium Kreuztal: Es hieß bis 2008 Friedrich-Flick-Gymnasium, da sein Bau von ihm mit 3 Mio. D-Mark unterstützt worden war. Erst nach monatelangen, hitzigen Diskussionen, angestoßen durch eine Initiative ehemaliger Schüler, wurde die Namensänderung beschlossen.

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