Ferndorf (Kreuztal)

Im Ferndorftal östlich von Kreuztal liegt der Ort, dem der Ferndorf-Bach seinen Namen verdankt: Ferndorf. Der Ort ist Kreuztals ältester Stadtteil. Bereits 1067 ist in einer Urkunde von einer Siedlung namens Berentraph die Rede. Damit ist Ferndorf zugleich auch die älteste Siedlung im ehemaligen Fürstentum Nassau-Siegen.

Fährt man auf der B 508 durch den Ort hindurch, wirken die zahlreichen Industrie- und Gewerbeanlagen zunächst wenig einladend. Doch abseits der Hauptstraße gibt es hier und im benachbarten Kredenbach einiges zu entdecken, beispielsweise rund vierzig denkmalgeschützte Gebäude. Alte Fachwerkbauten, die als Wohnhäuser dienen, sind ebenso darunter wie die ehemalige Kapellenschule in Kredenbach oder die Stollenmundlöcher der Gruben Brüche und Theodora.

Wie nahezu jeder andere Ort im Siegerland hat auch Ferndorf seine Wurzeln im Bergbau. Das Heimatmuseum Ferndorf erzählt davon und erlaubt einen Einblick bis in die Ur- und Frühgeschichte. Exponate aus dem Bergbau und der Köhlerei dürfen in der umfangreichen Sammlung natürlich ebenfalls nicht fehlen. Wie die Menschen hier früher lebten, zeigt eine komplette historisch eingerichtete Bauernstube aus der Zeit um 1750. Außerdem präsentiert das Museum Stücke aus der Siegerländer Form- und Gießkunst aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Sehenswert ist die evangelische Kirche St. Laurentius. Die dreischiffige westfälische Hallenkirche mit dem 54m hohen Westturm stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und zeigt den Stil des Übergangs von der Romanik zur Gotik, der für viele der Siegerländer Hallenkirchen typisch ist. Die drei Joche des eindrucksvollen Langhauses werden von wuchtigen Viereckpfeilern getragen. 1887 wurde der Chor neu gebaut. Eine interessante Sehenswürdigkeit in der Kirche ist das renaissancezeitliche, ausgesprochen gut gearbeitete Grabepitaph aus Eisenguss des Ritters Velten von der Hees aus dem Jahr 1559.

Das benachbarte Kredenbach, heute ebenfalls ein Kreuztaler Ortsteil, muss einst für seinen Weinbau bekannt gewesen sein. Darauf deuten zumindest der Flurname Unterm Weinberg und der Straßenname Am Weinberg hin. Das Siegerland ist heute zwar nicht gerade für seinen Weinanbau bekannt. Doch vor rund tausend Jahren mag das anders gewesen sein. Damals war das Klima deutlich milder und der Weinanbau durchaus möglich. Sicher verbürgt ist, dass noch 1690 im Inventar des Hauses Lohe ein Weinberg aufgeführt war, auch wenn zu dieser Zeit das Klima für den Weinanbau schon zu kühl gewesen sein muss.

Die Wasserkraft als Energieträger spielte im Siegerland seit jeher eine große Rolle. Der Loher Weiher, an der Grenze von Kredenbach zum Hilchenbacher Ortsteil Dahlbruch gelegen, erinnert daran. Vom 15. bis zum 19. Jahrhundert versorgte eine Weihertreppe die Loher Hütte mit Energie, um das Eisenerz der umliegenden Gruben zu verarbeiten. Der Loher Weiher ist heute ein wichtiger Laichplatz für Grasfrosch, Erd- und Geburtshelferkröte sowie für Teich- und Bergmolch ist. Deshalb ist das Gelände als Naturschutzgebiet Loher Tal seit 1990 geschützt.

Ebenfalls historisch sind die Ursprünge des Ferndorfer Freibads. Das Naturfreibad in der Zitzenbach wurde bereits 1927 angelegt und dient seitdem der Körperertüchtigung. Und nach wie vor gilt im Zitzenbachtal: Eintritt frei!