Hochsauerland

Das Herzstück des Sauerlands und zugleich die flächenmäßig größte Region ist das Hochsauerland. Hier sind die Orte, die man spontan dem Begriff Sauerland zuordnet: Winterberg und Schmallenberg, Willingen, Sundern und Olsberg. Hier im Hochsauerland liegen mit Langenberg (843m) und Kahler Asten (842m) die höchsten Gipfel, man findet den höchsten nordrhein-westfälischen Wasserfall, die größte Freilichtbühne Europas und zahllose Fachwerkhäuser, eines schöner als das andere. Die Gebirgszüge von Rothaar und Homert treffen aufeinander, und von der leicht welligen Hochfläche bis zum schroffen Schluchtengebirge sind die verschiedene Landschaftsformen vertreten.

Eindeutig auszumachen ist mit der Ruhr die nördliche Abgrenzung des Hochsauerlands. Nördlich der Ruhr bis hinauf zur Möhne liegt der benachbarte Arnsberger Wald. Zum Osten hin ist die Grenze nicht ganz so einfach zu erkennen. Das hessische Upland rechnen wir noch zum Hochsauerland, das politisch zum Hochsauerlandkreis gehörige Marsberg jedoch nicht mehr. Südlich des Uplands verläuft die Abgrenzung dann wieder ganz klar entlang der Landesgrenze zu Hessen bis hinunter zur Medebacher Bucht. Dort biegt die Landesgrenze in Richtung Westen ab und trifft bald auf die Grenzen des Kreises Siegen-Wittgenstein, jenseits derer das Wittgensteiner Land liegt.

Weiter westlich wird der Rothaarkamm zum trennenden Element zwischen Winterberger Hochland bzw. Lennekessel und dem Siegerland. Im Westen übernimmt die Lenne diese Funktion, die Nachbarn sind nun Bilsteiner Berge, Attendorner Mulde und Plettenberger Land. Zwischen Sunderner Wäldern und dem Balver Wald wird die Sorpe zur Grenze in Richtung Norden, anschließend die Röhr, die schlussendlich wieder auf die Ruhr trifft.

Unsere Reise durch das Hochsauerland beginnt im Südwesten, an der Flanke des Rothaarkamms. Hier liegen mitten in den Rothaarvorhöhen einige sehr bekannte Sehenswürdigkeiten des Sauerlands, z.B. der Rhein-Weser-Turm aus dem Jahr 1932. In engen Windungen schlängelt sich eine Straße durch den Wald bis hinauf zum Turm, die an der zweiten bekannten Attraktion vorbeiführt, dem Panorama-Park Wildpark Sauerland. Aber auch die Adolphsburg in Oberhundem oder die Wallfahrtskirche in Kohlhagen sind lohnende Ziele.

Ganz ähnlich die Saalhauser Berge weiter im Nordwesten. Hier kommen nicht nur Wanderfreunde auf ihre Kosten. Auch Karl-May-Fans dürfte die Region bekannt sein - und wenn schon nicht die Region als solche, dann doch zumindest das kleine Örtchen Elspe mit den bekannten Karl-May-Spielen auf Europas größter Freilichtbühne. Ihren Namen verdanken die Saalhauser Berge dem kleinen Luftkurort Saalhausen mit der St. Jodokus Kirche und dem Rinsleyfelsen.

Das Quellgebiet der Lenne nahe Schmallenberg bildet den Naturraum Lennekessel. Die Quellmuldenlandschaft mit ihren zahlreichen Tälern fächert sich östlich von Schmallenberg auf und bietet dem Wandererherz alles, was es sich wünschen kann. Dazu gibts Ausflugsziele satt wie das Technische Museum Besteckfabrik, den Aussichtsturm Wilzenberg, das Waldarbeitermuseum Alte Mühle, die Ruinen von Burg Rappelstein, das alte Forsthaus Rehsiepen oder der Kyrillpfad bei Schanze.

Wo die Hunau den Rand des Lennekessels bildet, schließt sich das Fredeburger Land rund um Bad Fredeburg an. Bad Fredeburg ist das erste Kneippheilbad im Hochsauerland und bietet u.a. einen Heilklimastollen, ein Gerichtsmuseum und eine Disc-Golf-Anlage. Im Umkreis liegen das Schieferbergbaumuseum, die Biologische Station Hochsauerland, die Hunau und die historischen Pfarrkirchen St. Cyriakus und St. Peter und Paul.

Nördlich setzt sich das Fredeburger Land mit der Homert fort, einem Gebirgskamm, der seinen Namen dem Gipfel verdankt, der auch zugleich Pate für den Naturpark Homert stand. Die Homert (656m) liegt westlich von Eslohe. Eine große Zahl Wanderwege durchstreift die Region, in der zwölf Naturschutzgebiete, 63 geschützte Landschaftsbestandteile und 41 Naturdenkmäler liegen.

Die Sunderner Wälder verdanken ihren Namen der Stadt Sundern. Waldgebiete zum Erwandern gibt es hier reichlich, und doch ist es ein Gewässer, das besonders bekannt ist: der Sorpesee. Manch einem ist Sundern vielleicht auch ein Begriff als Geburtsort des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke. Eine Gedächtnisstätte in Sundern-Enkhausen erinnert an den Staatsmann. Und wer sich für noch ältere Geschichte als die des 20. Jahrhunderts interessiert, könnte den Burgen einen Besuch abstatten. Die Wallburg Güllener Ring, die Ruine von Burg Hachen, Haus Amecke oder auch Kloster Brunnen erwarten den Besucher.

Wenden wir uns jetzt nach Osten, erreichen wir das Hennetal mit der Kreisstadt Meschede im Zentrum Die Henne, ein rund 23km langer Zufluss der Ruhr, gräbt sich ihr Tal fast schnurgerade in nördlicher Richtung und füllt bei Meschede die Hennetalsperre. Die bietet sich denn auch als Ausflugsziel an, mit ihren zahlreichen Buchten ist sie nicht nur bei Anglern beliebt. Weitere Highlights sind Turmruine und Schloss Laer, die Klausenkapelle oder Schloss Bockum.

Der Name Hochsauerländer Schluchtgebirge ist Programm: Von Süd nach Nord haben sich die Gewässer tief in den nördlichen Rand des Rothaargebirges eingegraben, bevor die Landschaft zur Ruhr im Norden hin flacher wird. Auf diese Art entstand auch Nordrhein-Westfalens höchster natürlicher Wasserfall, die Plästerlegge, die auf dem Gebiet der Gemeinde Bestwig zu finden ist. Je weiter südlich man sich befindet, desto rauer und beeindruckender sind die Schluchten und Täler, die dem Wanderer so einiges an Kondition abverlangen. Wer das zu anstrengend findet, kann sich statt dessen im Freizeitpark Fort Fun oder im Besucherbergwerk Ramsbeck einen schönen Tag machen.

Östlich von Bestwig schließt sich die Stadt Olsberg an. Einmal mitten durch das Stadtgebiet fließt die noch junge Ruhr. Offenbar goutierten schon die mittelalterlichen Bauherren das Obere Ruhrtal bei Olsberg als schönes Fleckchen Deutschlands, und so gibt es bis heute eine ganze Schlösserparade zu entdecken: Schloss Gevelinghausen, Schloss Schellenstein, Schloss Bruchhausen, Schloss Antfeld und Schloss Wildenberg sind hier zu nennen. Ebenfalls aus Stein, allerdings auf natürliche Art entstanden, ist die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit im oberen Ruhrtal: die sagenumwobenen Bruchhauser Steine, die sogar ein wenig alpine Flora mitten ins Hochsauerland bringen. Noch höher hinaus geht es dann nur noch am Langenberg (843m), dem höchsten Berg Nordrhein-Westfalens.

Ganz im Nordosten des Hochsauerlands liegt die Briloner Hochfläche. Allein in der Stadt Brilon kann man sich lange aufhalten, ohne dass es langweilig würde. Rund um den Marktplatz gruppieren sich sehenswerte Fachwerkhäuser. Das Rathaus ist eines der ältesten erhaltenen Rathäuser Deutschlands. Die Propsteikirche St. Petrus und Andreas aus dem 13. Jahrhundert ist ebenfalls sehenswert. Die Stadt ist eingebettet in eine Landschaft aus Kalkkuppen, die sich etwa in Höhen zwischen 375 und 550m ü. NN bewegen und über deren geologische Entstehung man sich im Stadtmuseum informieren kann.

Oberhalb des hessischen Diemelsees erstreckt sich der nordöstlichste Zipfel des Sauerlands rund um Marsberg. Karl der Große gründete das Kloster und die Stadt auf dem Berg, auf dem einst die Eresburg gelegen hatte, die größte bekannte sächsische Volksburg. Daraus entstand der heutige Ort Obermarsberg.

Richtet man sich jetzt südöstlich, passiert man bald die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen und erreicht das Willinger Upland. Willingen ist mit der Mühlenkopfschanze und der Biathlon-Arena einer der bekannten Wintersportorte im Sauerland. Rund zwanzig Gipfel des Uplands liegen zwischen 700 und 800m ü. NN und fordern die Kondition des Wanderers. Vom höchsten Aussichtspunkt im Sauerland – dem Hochheideturm – genießt man dann den Blick ins Hochsauerland, bevor man im Upländer Milchmu(h)seum, am Ringwall Schwalenburg oder der Neerdarer Kirche Kultur tankt.

Die zweite Skihochburg im Sauerland ist das Winterberger Hochland, eines der deutschen Zentren für Bob- und Rodelsport. Das Skiliftkarussel Winterberg lässt mit 21 Liften, die zahlreiche Pisten und Loipen ansteuern, kaum einen Wunsch offen. Aber nicht nur im Winter kann man rund um den Kahlen Asten (842m) einiges erleben. Hier entspringen neben vielen weiteren Gewässern auch die beiden wichtigsten Flüsse im Sauerland: die Ruhr und die Lenne. Die 435m lange Panorama-Erlebnis-Brücke mit ihren sechs Aussichtsplattformen, das Westdeutsche Wintersportmuseum, die Fachwerkaltstadt von Winterberg oder die Niedersfelder Hochheide machen einen Besuch zu jeder Jahreszeit lohnenswert.

Östlich an Winterberg schließt sich die Medebacher Bucht als nordöstlicher Fuß des Rothaargebirges an. Zwischen 700m und 800m hoch sind die Gipfel, die den weiten Talkessel rund um die Stadt Medebach umschließen. Bis auf die Gebäude ist fast das gesamte Gelände als europäisches Naturschutzgebiet (Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen und damit das zweitgrößte Schutzgebiet in Nordrhein-Westfalen. Spannende Natureindrücke sind garantiert in der Toskana des Sauerlands.

Eine zweite kleinere Bucht verlängert die Medebacher Bucht nach Süden: Die Rede ist von der Hallenberger Bucht, die den Südost-Zipfel des Hochsauerlands markiert. Die Merklinghauser Kapelle dürfte vielen Katholiken auch über die Region hinaus ein Begriff sein. Und auch die katholische Pfarrkirche St. Heribertus ist absolut sehenswert mit ihrer einmalig erhaltenen Renaissance-Ausmalung. Bollerbergturm und Heidekopfturm sowie zahlreiche Wanderwege machen die Hallenberger Bucht zu einem lohnenden Wanderziel.

Das Hochsauerland ist eine Wanderregion par excellence. Wo im Winter die Wintersportler über die Pisten und Loipen gleiten, haben im Sommer die Wanderurlauber das Zepter fest in der Hand. Sauerland-Waldroute, Sauerland-Höhenflug, Uplandsteig und natürlich der Rothaarsteig sind vier hervorragend ausgebaute und betreute Weitwanderwege, die das Hochsauerland durchmessen. Hinzu kommen unzählige Rund- und Streckenwanderungen, die der Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) unterhält wie z.B. der zertifizierte Hochsauerland-Kammweg, die Winterberger Hochtour oder der Kahle-Asten-Steig.

Durch das Hochsauerland selbst verläuft kein einziger Kilometer Autobahn. So mancher Ort ist daher nicht allzu schnell erreichbar, der Weg führt über die kurvenreichen Landstraßen des Hochsauerlands. Die nächstgelegene Autobahn ist die A 46 im Norden, die parallel zur Ruhr verläuft. Zwischen Meschede und Bestwig hat allerdings auch diese ein Ende und wird über die B 7 durch das Ruhrtal und später nach Brilon hin weitergeführt. Die wichtigsten Bundesstraßen verlaufen in Nord-Süd-Richtung: Die B 480 durch Olsberg und Winterberg, die B 55 durch Meschede und Eslohe. Eine Hauptachse in Ost-West-Richtung ist die B 236, die das Lennetal im Westen mit Schmallenberg, Winterberg und Hallenberg verbindet.

IVW