Propsteikirche Brilon

Nicht das Rathaus, nicht der Petrusbrunnen, nicht das Derker Tor: die Propsteikirche St. Petrus und Andreas mit ihrem 63m hohen Westturm ist das Wahrzeichen von Brilon im Hochsauerland. Er ist schon von weitem sichtbar und zeigt dem Wanderer den Weg. Und das tut er schon seit langer Zeit, die heutige Turmhaube stammt aus dem Jahr 1810, als der Turm nach einem Brand wieder neu hergerichtet wurde. Die Kirche an sich ist allerdings weitaus älter als dieses Detail. Den Bau des Langhauses datieren Historiker auf die Mitte des 13. Jahrhunderts. Es zeigt die typischen Formen des Übergangsstils von der Romanik zur Gotik. An Querhaus und Chor hingegen erkennt man eindeutig das hochgotische Maßwerk der Fenster, diese beiden Gebäudeteile entstanden Mitte des 14. Jahrhunderts.

Im Inneren des Querhauses der Briloner Propsteikirche sollte man sich die Malereien anschauen. Sie entstanden um 1350 und zeigen unter anderem einen überlebensgroßen Christopherus und die leider nur in Teilen erhaltenen törichten Jungfrauen. Ganz bemerkenswert ist das kupfervergoldete Pankratiuskreuz, wohl der größte Schatz der Kirche. Das Vortragekreuz erhielt seinen Namen aufgrund seines vorherigen Aufenthaltsortes. Denn bis 1784 befand es sich in der St. Pankratiuskirche in Paderborn, die abgerissen wurde. Entstanden ist es vermutlich Anfang des 12. Jahrhunderts im Umfeld des Benediktiner-Goldschmieds Rogerus von Helmarshausen.

1652 war in Brilon ein Franziskanerkloster gegründet worden. Nur rund einhundert Jahre lang sollte es dauern, bis das Kloster wieder aufgehoben wurde, doch 1772-82 entstand noch die Klosterkirche. Es ist die katholische Nikolaikirche am Steinweg. In Westfalen ist dieses Patrozinium nicht allzu häufig anzutreffen, doch es gibt Hinweise darauf, dass schon im 13. Jahrhundert an dieser Stelle eine Nikolaikapelle stand. Vermutlich hatten die Soester Fernhändler die Kapelle erbauen lassen, zu Ehren ihres Schutzheiligen.

Der geschwungene Giebel lässt keinen Zweifel daran, dass die heutige Kirche im Zeitalter des Barock entstand, anders als bei vielen anderen südwestfälischen Kirchen aus dieser Zeit, die eher gotisierende Formen zeigen. Das Portal mit der schönen und original erhaltenen Tür erinnert schon an das Rokoko und trägt eine Maria Immaculata im Giebel. Der Innenraum der Kirche ist architektonisch eher schlicht gehalten. Umso mehr beeindruckt die Ausstattung: Hochaltar, Seitenaltäre, das Chorgestühl und die Beichtstühle sind sehr schöne Arbeiten mit teils feiner Schnitzerei. Die Nikolaikirche war eins der letzten Bauwerke im Spätbarock- und Rokokostil, die in Westfalen entstanden. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist sie auch für die Kerzenkonzerte, die darin stattfinden.

Die jüngste Kirche in der Briloner Kernstadt ist die evangelische Stadtkirche nördlich der Altstadt. Erst spät wurde der Bau der Kirche notwendig, denn bis Anfang des 19. Jahrhunderts hatte es schlicht keine evangelische Gemeinde gegeben. Das änderte sich erst, als das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und später das Königreich Preußen die Regierungsgewalt übernahmen. 1855 wurde der Grundstein gelegt, ein Jahr später schon konnte die Kirche eingeweiht werden.

Die Stadtkirche ist in romanisierendem Stil aus Bruch- und Sandstein errichtet, nach Plänen des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel. 1922 ersetzte der heutige Glockenturm den ursprünglich vorhandenen Giebelturm. Darin befindet sich eine Besonderheit: eine der letzten mechanischen Turmuhren im Sauerland. Auch die Orgel im Inneren der Kirche ist ungewöhnlich: Sie ist eine pneumatische Orgel mit romantischem Klangbild aus dem Jahr 1908. Altar, Taufstein und Kanzel bestehen aus einheimischem Schiefer.