Ramsbeck

Mitte des 19. Jahrhunderts brach in Ramsbeck im Valmetal eine Art Goldgräberstimmung aus, manche Historiker sprechen vom Sauerländer Kalifornien. Der Ort, heute zu Bestwig gehörig, liegt im Tal des Ruhrzuflusses Valme, am Fuß des Bastenbergs (745m) und des Dörnbergs (742m). Das Valmetal macht dem Namen Hochsauerländer Schluchtgebirge an dieser Stelle alle Ehre. Steil ragen die Berghänge zu beiden Seiten des Tales auf.

Schon im 10. und 11. Jahrhundert schürften die Menschen an den Hängen des Bastenbergs und seiner Nachbarn nach Blei und Zink. Doch die intensive Bergbauzeit begann erst um 1854. Die neu geschaffene Bahnverbindung nach Bestwig trug maßgeblich dazu bei. Bestwig wurde dadurch zum Knotenpunkt der Eisenbahn und bedeutender Umschlagplatz für die Erze. Heute verläuft auf der Trasse der ehemaligen Grubenbahn zwischen Bestwig und Ramsbeck übrigens ein schöner Wanderweg, die Bähnchentrasse.

Wie sich der Bergbau in Ramsbeck entwickelte, wo zu Spitzenzeiten rund 2.000 Kumpel unter Tage arbeiteten, kann man im Besucherbergwerk Ramsbeck eindrucksvoll erleben. Eine Fahrt mit der historischen Grubenbahn führt etwa 1,5km tief in den Stollen hinein. Hier, 300m unterhalb der Erdoberfläche, kann man sich ein Bild von der harten Arbeit der Kumpel machen. Natürlich mit entsprechender Schutzausrüstung und unter fachkundiger Führung. Warme Kleidung ist dabei zweckdienlich, denn im Stollen herrschen permanent nur rund 12° Celsius.

Oberirdisch gibt es das eigentliche Erzbergbaumuseum: Ein gut ausgeschilderter Rundgang führt durch die Sammlung von alten Werkzeugen, historischen Bergbaumaschinen, verschiedenen Mineralien und vielen weiteren Ausstellungsstücken. Abgerundet wird der Besuch durch einen Film über die Entwicklung des Bergbaus, den man sich ansehen kann.

Ebenfalls oberirdisch liegt der alte Rauchgaskamin am Bastenberg. Mit seiner quadratischen Grundfläche und dem stabilen Bruchsteinmauerwerk wirkt er eher wie ein Aussichtsturm. Doch als die Bleigruben noch in Betrieb waren, hatte er als Kamin eine wichtige Funktion. Giftige Abgase, die bei der Verarbeitung des Bleierzes entstanden, wurden darüber in die Luft gepustet, möglichst fern von den Arbeitern in der Erzgrube. Man kann zwar heute nicht hinaufklettern wie beim alten Rauchgaskamin bei Ostwig, doch ein schöner Rastplatz liegt am Fuß des Kamins, der heute zum Glück keine giftigen Gase mehr ausspuckt.

Ein weiteres Relikt der Bergbauzeit ist der Venetianerstollen an der Nordflanke des Bastenbergs. Er ist aus Sicherheitsgründen abgesperrt, doch man findet den Eingang leicht, es gibt Hinweisschilder und man kann ein paar Meter weit hineinsehen. Schon im 10. Jahrhundert gruben die Menschen hier nach Kupfer und Bleiglanz. Es gibt nur wenige Gebiete in Europa, in denen der Erzabbau für diese frühe Zeit belegt ist. Selbst wenn der Stollen zugänglich wäre, es wäre ausgesprochen ungemütlich darin: nur 140cm hoch und 50-60cm breit ist der Gang.

Es ist daher anzunehmen, dass hier vor allem sehr kleine Menschen, vielleicht auch sehr junge, unter Tage arbeiteten. Von ihnen hat der Stollen auch seinen Namen: Die Venetianer waren damals führend in dieser Art des Bergbaus; sie suchten vor allem im Alpenraum nach Mineralien und Metallen, die unter anderem in der Glasherstellung in Venedig Verwendung fanden. Aus den seltsamen kleinen Leuten mit ihrer unverständlichen Sprache und dem geheimnisvollen Treiben unter Tage wurden in der Folge zahllose Geschichten, die sich um Gold und Silber schürfende Zwerge mit magischen Fähigkeiten rankten.

Rund um die Stollen und Gruben entstanden durch die Arbeit auch Abraumhalden, häufig mit Schwermetallen versetzt. Interessanterweise gibt es eine ganz spezielle Vegetation, die sich auf genau solchen Böden wohl fühlt. Die Hallersche Schaumkresse zum Beispiel wächst auf den Abraumhalden bei Ramsbeck in großen Mengen. 36ha dieser Flächen stehen aus genau diesem Grund unter Naturschutz.

Doch damit sind die Ramsbecker Sehenswürdigkeiten noch nicht erschöpft. Erwähnenswert ist da noch die alte Wassermühle am Uferweg. Die Korn- und Ölmühle war bis 1958 in Betrieb, ihre Ursprünge liegen vermutlich im 17. Jahrhundert. 1685 wird sie zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Ihre Besonderheit sind die drei Wasserräder, die jeweils mit einem Mahlgang verbunden. In Westfalen-Lippe ist sie die einzige erhaltene Wassermühle mit drei Wasserrädern. Heute steht die Mühle unter Denkmalschutz und ist nach ihrer Restaurierung ein echtes Schmuckstück.

Zum Abschluss unserer kleinen Wanderung durch Ramsbeck sei noch der Junkern Hof erwähnt, eines der ältesten und sehenswertesten Gebäude am Ort. Das in Fachwerk ausgeführte Bauernhaus entstand im Jahr 1744. Nach der Renovierung dient das schmucke Gebäude heute als Begegnungsstätte.

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