Nordenau

Ins Nesselbachtal zwischen Heerhagen (714m) und Wesenberg (705m) hineingezwängt liegt Nordenau, ein kleiner, aber schon recht alter Ortsteil Schmallenbergs. Bereits seit Anfang des 12. Jahrhunderts gab es hier eine Befestigung, Burg Norderna, die die Heidenstraße zwischen Köln und Kassel absicherte, einen jener wichtigen Fernhandels- und Pilgerwege des Mittelalters. Nach dem Felsen, auf dem die Burg thronte, wird sie heute auch Burg Rappelstein genannt.

Der Turm von Burg Rappelstein, ein beeindruckender Bau mit quadratischer Grundfläche und 12m Kantenlänge, muss neueren Untersuchungen zufolge bereits um das Jahr 1100 herum erbaut worden sein. Die heute noch vorhandenen Ruinen gehören damit zu einem der ältesten Bauwerke des Sauerlands. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass der heute sichtbare Teil des Bergfrieds nicht mehr komplett aus alten Zeiten stammt - er wurde in den 1960er Jahren teilweise wieder aufgebaut.

Es ist bekannt, dass Burg Rappelstein Anfang des 16. Jahrhunderts schon weitgehend verfallen war. Aber wie es sich für eine Burgruine gehört, rankten sich zahlreiche Sagen und Erzählungen rund um die alten Steine. So spukt dort angeblich bis heute Gräfin Kuniza herum, die zu Lebzeiten sieben Ehemänner heimtückisch ermordet haben soll. Das tut der Beliebtheit des Bergfrieds als Aussichtsturm allerdings keinen Abbruch; vermutlich findet die Gräfin wenig Gefallen daran, Wanderer und Ausflügler zu erschrecken. Aber vielleicht haben ja auch andere Quellen Recht, die die mordende Gräfin in der Wallburg auf dem Wilzenberg bei Grafschaft verorten.

Nordenau ist ein anerkannter Luftkurort und wird von manch einem auch das Lourdes des Sauerlands genannt. Warum? Ganz einfach, es gibt hier einen ganz besonderen Stollen, den ehemaligen Schieferstollen Brandholz. Der Schieferheilstollen Nordenau hat den Ruf eines regelrechten Jungbrunnens. In diesem typischen Sauerländer Schieferstollen entspringt eine in ganz Europa einzigartige Quelle - ihr Wasser fungiert als freier Radikalenfänger. In dem Stollen herrscht eine konstante Luft- und Wassertemperatur von acht Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit geht gegen 100%, und Staub oder Pollen sucht man in der Luft vergeblich. Vermutlich ist allein schon diese besondere Umgebung heilsam für Allergiegeplagte und Atemwegserkrankte, die seit über 15 Jahren hierher kommen, um Linderung ihrer Beschwerden zu erfahren.

Wer sich lieber über die Ortsgeschichte Nordenaus informieren möchte, der sollte das Haus des Gastes am Sonnenpfad besuchen. Hier hat der Sauerländische Gebirgsverein (SGV) eine Heimatstube eingerichtet. Zu sehen sind unter anderem auch diverse Gegenstände des täglichen Lebens und aus der Landwirtschaft, wie sie die Menschen des Mittelalters benutzten.

Ebenfalls einen Blick wert ist die St. Hubertus Kirche in Nordenau. Die kleine Saalkirche wurde 1925 im barocken Stil unterhalb von Burg Rappelstein anstelle einer Kapelle errichtet. Sehenswert ist der kunstvoll und figurenreich ausgestattete Hauptaltar.

Anschließend könnte man noch einen Abstecher ins benachbarte Westfeld machen, hinüber über den Wesenberg ins Tal der noch jungen Lenne. 1975 wurde das Dörfchen mit den hübschen Fachwerkhäusern als schönstes Dorf Westfalens prämiert und im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden auf Bundesebene mit einer Goldplakette ausgezeichnet. Vor allem bei Wintersportlern ist der Ort bekannt, hier befindet sich das Nordiczentrum NRW. Rund um Westfeld und Nordenau stehen in den Wintermonaten rund 100km gespurte Loipen zur Verfügung, komplett mit Flutlichtanlage, Kunstschnee-Versorgung und Skischule.