Elspe

Überregional der wohl bekannteste Ortsteil Lennestadts ist Elspe. Elspe liegt am Nordwestrand der Saalhauser Berge am Lauf des gleichnamigen Elspebachs. Der Elspebach entspringt am Schneiderkopf (557m) westlich von Eslohe-Schwartmecke, fließt über Oedingen und Elspe und mündet dann nach 12km bei Grevenbrück in die Lenne.

Seine Bekanntheit verdankt Elspe den international renommierten Karl-May-Festspielen, die seit 1989 auf den Namen Elspe Festival hören. Begonnen hat alles 1950, als die Laientheatergruppe Naturbühne Elspe die Nachkriegstristesse durch Volkstheater aufheiterte. 1958 stand dann erstmals Karl May auf dem Programm und die Zuschauerzahl verdreifachte sich. Als dann noch einmal Schiller und Kleist gespielt wurden, ging’s mit dem Auditorium steil bergab, so dass seit 1964 ausschließlich Werke Karl Mays aufgeführt werden. Wild West sells.

Unter anderem die Engagements des Film-Winnetous Pierre Brice machten die Karl-May-Festspiele zu einem echten Straßenfeger. Bis zu 400.000 Zuschauer konnten die Macher ins kleine Elspe locken. Das war 1980, als Winnetou III. inszeniert wurde. 1993 war die Elsper Naturbühne dann Schauplatz für Doc Snyder I. Helge Schneider inszenierte hier seine anarchische Westernparodie, die zum erfolgreichsten deutschen Kinofilms des Jahres wurde.

Auf der 100m breiten Naturbühne sorgen Dutzende Pferde und Schauspieler sowie gewagte Stunts und eine ausgefeilte Pyrotechnik jedes Jahr aufs Neue für Unterhaltung. Um die eigentliche Bühne herum hat sich ein regelrechter Freizeitpark mit weiteren Attraktionen entwickelt: Stunt-Show, Westerndorf und die Elspe-Festival-Halle, in der verschiedene Vorstellungen stattfinden.

Wem der Rummel zu viel wird, der kann einen Spaziergang durch das direkt an das Festivalgelände angrenzende Naturschutzgebiet Rübenkamp machen. Es erstreckt sich auf einer Fläche von rund 95ha rechts und links der Melbecke bis hin zum gleichnamigen Ort.

In Melbecke angekommen lädt die Kapelle St. Katharina von Alexandrien zu einem Besuch ein. Sie entstand 1762 als Nachfolgerin einer früheren Kapelle, die seit 1672 Erwähnung fand. Interessant ist, wie sich diese vorhergehende Kapelle unter anderem finanzierte: Ein Braukessel konnte von den Einwohnern gegen eine Gebühr ausgeliehen werden, um das eigene Bier zu brauen. In der heutigen Kapelle sind zwei neugotisch wirkende Skulpturen und der Altar sehenswerte Details.

Folgt man der Melbecke weiter talaufwärts, erreicht man bald den kleinen Ort Obermelbecke. Hier ist etwas außerhalb eines von nur wenigen Doppelkreuzen im Sauerland zu finden. Weshalb es dort steht, darüber gibt es verschiedene Ansichten. Von einer umgestürzten Hochzeitskutsche ist da die Rede, nach einer anderen Sagen sollen zwei Schulkinder durch einen Blitzschlag hier umgekommen sein. Eine dritte Variante erzählt von einem gefallenen russischen Soldaten. Was davon wahr ist, und was ins Reich der Legenden gehört, weiß heute nemand mehr so genau.

Auf dem Rückweg nach Elspe sollte man unbedingt einen Zwischenstopp in der Vituskapelle einlegen. Nicht unbedingt wegen der Kapelle selbst. Sondern vor allem wegen des herrlichen Ausblicks, der sich von hier bietet. Er gilt als einer der schönsten Ausblicke über das Elspetal und die Attendorner Mulde und reicht von der Nordhelle (663m) im Ebbegebirge über die Rothaarvorhöhen und die Saalhauer Berge bis hinein ins Hochsauerland.

In Elspe fällt dem Besucher natürlich zuerst die mächtige katholische Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere ins Auge. Das frühgotische Bauwerk beherbergt das bekannte Mirakelkreuz Elspe: ein Großkruzifix, dessen Kreuzbalken auf das 10. Jahrhundert datiert. Ungefähr zu dieser Zeit soll auch die erste Kirche in Elspe entstanden sein, von der Reste bei Bauarbeiten an der Pfarrkirche im Jahr 2003 entdeckt wurden.

Überquert man den Elspebach und klettert südlich auf den Weilenscheid (481m), wartet dort eine ehemalige Wallanlage mit einem Aussichtsturm. Der ursprüngliche Wallburgturm entstand 1937-38, brannte allerdings im Zweiten Weltkrieg nieder. Erst 1997 wurde ein neuer Turm errichtet. 14,5m hoch bietet er vor allem einen hervorragenden Überblick über die Wallanlage Weilenscheid. Von der einst mächtigen Anlage - ihr Innenraum misst 225m x 75m - sind heute noch Gräben und Wälle sichtbar.