Latrop

Die Latrop ist ein kleiner, nur rund 11km langer Zufluss der Lenne. Keinen ganzen Kilometer westlich des Ortes Schanze liegt ihre Quelle, von der aus sie sich zunächst in südwestlicher Richtung zwischen Höhe (694m) und Brascheid (664m) hindurchzwängt. Im gleichnamigen Ort Latrop, zu Füßen des Latroper Bergs (677m) knickt der Bach ab und fließt nun durch ein immer breiter werdendes Tal in Richtung Nordwesten. Bei Fleckenberg mündet sie schließlich in die Lenne, nachdem sie unterwegs das Wasser ungezählter Bäche aus den Seitentälern aufgenommen hat. Das Tal am Unterlauf der Latrop bildet zugleich die Gebietsgrenze zwischen den Rothaarvorhöhen im Südwesten und dem Schmallenberger Lennekessel im Nordosten.

Latrop wurde 2004 als Bundesgolddorf im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft ausgezeichnet und erhielt auf europäischer Ebene zwei Jahre später den zweiten Platz. Wie richtig die Jurys bei den Beurteilungen lagen, erkennt man bei einem Besuch schnell. Zahlreiche Fachwerkhäuser, liebevoll restauriert, stehen eingebettet in eine Bilderbuchlandschaft aus Wiesen und Wäldern, leicht am Hang gelegen und mit hervorragenden Wandermöglichkeiten in allen Himmelsrichtung. Die Anreise ist dank einer Bundesstraße von Fleckenberg aus einfach. Durchgangsverkehr gibt es dennoch praktisch nicht, denn die Straße endet hier im Talkessel bei Latrop, weiter geht es nur auf Schusters Rappen.

Grund genug für die Talvariante des Rothaarsteigs, dem Ort Latrop einen Besuch abzustatten. An der Millionenbank südwestlich der Großen Barmicke (610m) trennen sich Kamm- und Talvariante, der Weg führt durch das Tal des Lüttmeckesiepen hinab nach Latrop und folgt anschließend dem Grubental in Richtung Osten.

Der Weg durch das Grubental lohnt sich, denn hier steht nicht nur das Naturdenkmal Dicke Eiche, sondern auch ein alter Altarstein. Dieser Altarstein Latrop hält die Erinnerung an eine heidnische Opferstätte wach. Eine Steinplatte, die senkrecht im Bach steht, soll der Überrest des Opferaltars sein, auf dem in vorchristlicher Zeit dem Gott Wotan Brandopfer dargebracht wurden.

Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten die Benediktinermönche des Klosters Grafschaft an diesem Ort eine Gedenkstätte. Allerdings weniger, um den heidnischen Vorgängern Respekt zu zollen, sondern vielmehr, um an die Geschichte des Ortes Latrop zu erinnern. 1444, während der Soester Fehde, hatten sich die Bewohner in das besser geschützte Schmallenberg geflüchtet, Latrop war verlassen. Das erste hölzerne Gedenkkreuz sollte an die Wiederbesiedlung des Ortes erinnern. 1862 mauerte man die heute noch sichtbare Gedenksäule an Stelle des hölzernen Kreuzes.

Vom Grubental lohnt sich auch ein Abstecher in das Tal des Klotzlochsiepens, hinauf zum Böckenfördeplatz. Der Weg dort hinauf ist leicht zu finden, er ist als Teil der SGV-Hauptwanderroute Schieferweg X23 ausgeschildert. Genau hier oben, südöstlich an den Böckenfördeplatz mit seiner Schutzhütte anschließend, befindet sich eine Naturwaldzelle. Keine Fichten-Monokultur, sondern ein naturbelassener, im nördlichen Teil über hundertjähriger Buchenwald mit einzelnen Ahornen, Bergulmen und Eschen ist hier auf einer Fläche von knapp 13ha zu sehen.

Und mit dem Wald hat auch eine weitere Sehenswürdigkeit Latrops zu tun: das Waldarbeitermuseum Alte Mühle direkt im Ort. Der Wald hat seine Bewohner schon immer ernährt, und mit welchen Werkzeugen in früheren Jahrhunderten gearbeitet wurde, das zeigt die Sammlung des Museums auf anschauliche Weise. Zum Vergleich gibt es auch moderne Werkzeuge wie Motorsägen zu sehen. Alte Lohnlisten der Revierförsterei, Wirtschaftspläne und umfangreiche Informationen darüber, wie Latrop als Walddorf sich entwickelte, runden die Sammlung ab.