Olsberg

Die Ruhr kennt grob gesagt zwei Richtungen. Von ihrer Quelle bei Winterberg aus fließt sie überwiegend in nördlicher Richtung bis zum sogenannten Ruhrknick. Dort biegt sie ab und verläuft auf dem Rest ihrer 219km Gesamtlänge in westlicher Richtung, um bei Duisburg in den Rhein zu münden. Und direkt an diesem Ruhrknick liegt Olsberg, einer der ältesten Kneippkurorte Deutschlands. Rund um den im Tal gelegenen Ort gruppieren sich bewaldete Mittelgebirgsgipfel. Olsbergs Hausberg heißt wie die Stadt: der Olsberg (703m).

Das wohl hübscheste Haus in Olsberg ist das Kropffsche Haus, benannt nach der Familie Kropff, die vom 17. bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Wirtschaft rund umOlsberg spielte. Das Kropffsche Haus entstand als Gewerkenhaus im Jahr 1701 in der Bauform eines dreischiffigen Längsdeelenhauses. Der auffällige Giebel kam allerdings erst bei Umbauten 1904 hinzu, sein Stil ist dem Historismus zuzurechnen. Heute wird das Gebäude als Kinderheim genutzt.

1894 begann die Geschichte Olsbergs als Kneippkurort. Damals eröffnete Dr. Grüne, ein Schüler von Kneipp, ein Sanatorium in Olsberg. Daraus sind bis heute mehrere Kliniken entstanden, und auch sonst ist Pfarrer Kneipp in der Stadt beinahe allgegenwärtig. So gibt es zum Beispiel einen Kneippwanderweg: 44km lang ist er, führt einmal um Olsberg und besucht dabei sechs naturbelassene Wassertretstellen. Nicht nur für Kurgänger eine willkommene Abkühlung, auch für heißgelaufene Wandererfüße.

Der Kneippwanderweg ist zugleich Bühne und Kulisse für das alljährlich zweimal aufgeführte Kneippspiel. Anfang Mai und Anfang Oktober, jeweils zum Beginn und zum Ende der Saison, finden die Aufführungen statt. Sie erlauben einen augenzwinkernden Blick auf die Anwendung der Kneippschen Methoden zu seiner Zeit, komplett mit historischen Kostümen und basierend auf den alten Texten.

Wir bleiben am und im Wasser, wenn wir das Aqua Olsberg besuchen, das Olsberger Gesundheits- und Freizeitbad, das sich mit dem Beinamen Sauerland-Therme schmückt. Natürlich gibt es verschiedene Sole- und Kneippanwendungen, wie es sich für einen Kurort gehört. Das Freizeitbad mit Sprungturm und Wasserspielbecken ist aber auch für die ganze Familie geeignet. Ein Highlight ist die Waldsauna mit dem schön gestalteten Saunagarten.

Beim Spaziergang an der Ruhr entlang kann man sich übrigens über ein weiteres wasserbezogenes Projekt informieren, die Renaturierung der Ruhr. Zum einen sollen Fische wieder ungehindert von der Quelle bis zur Einmündung der Möhne in Neheim wandern können und umgekehrt, was es vielerorts nötig machte, Hindernisse zu entfernen oder umzubauen. Zum anderen sollen die natürlichen Flussauen wieder entstehen, in denen Schilf und Röhricht wachsen und naturnahe Auwiesen entstehen können. An den Spazierwegen entlang der Ruhr stehen Informationstafeln zu diesem Projekt.

Die Ruhr füllt auch den kleinen Olsberger Stausee, der bei Sportfischern ein beliebtes Angelrevier ist. Neben dem guten Ruf als Forellengewässer beherbergt der Stausee auch Barsche, Hechte, Karpfen, Schleien und sonstige Weißfische.

Neben dem Wasser spielt das Eisen eine wichtige Rolle in der Olsberger Geschichte. Denn lange Zeit war auch hier der Bergbau ein wichtiger Wirtschaftszweig. So trägt der Eisenberg (606m) im Nordosten der Kernstadt seinen Namen völlig zu Recht. Vier Stollen wurden hier betrieben. Einer davon, der Maxstollen, ist heute Teil des Naturschutzgebiets Eisenberg mit Maxstollen. 9,4ha groß ist es, und der Stollen bietet vor allem verschiedenen Fledermausarten ein Winterquartier. Im Buchenwald rundherum brüten Bunt- und Grauspecht - vielleicht sogar der Schwarzspecht, der hier schon beobachtet wurde. Und selbst Uhus sind am Eisenberg gesichtet worden.

Ein zweiter Stollen ist bis heute für die Menschen da. Rund 1.000m tief führt der Philippstollen in den Eisenberg hinein. In den Berg getrieben wurde er Mitte des 18. Jahrhunderts, und bis 1916 war er noch in Betrieb. Seit 2002 dient er als Besucherbergwerk Philippstollen, und man kann die ersten 600m besichtigen. Die beiden weiteren Stollen, Kirschbaumstollen und Allerheiligen-Stollen, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgefahren wurden, sind heute nicht mehr zugänglich.