Obermarsberg

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Wo Karl der Große im Jahr 772 die Eresburg – die größte Volksburg der Sachsen – eroberte, liegt heute der Ort Obermarsberg. Um die Eresburg wollen wir uns in einem separaten Beitrag eingehender kümmern, denn Obermarsberg hat auch aus jüngerer Zeit viel Sehenswertes zu bieten. Obermarsberg, seit 1975 ein Stadtteil von Marsberg, liegt auf einem Plateau rund 390m ü. NN. Zahlreiche Einwohner von Horhusen, wie das heutige Niedermarsberg hieß, waren Anfang des 13. Jahrhunderts hier hinauf gezogen und hatten eine befestigte Stadt angelegt.

Wie um zwei bis drei Jahrhunderte zurückversetzt fühlt man sich, wenn man durch den Benediktusbogen auf das Gelände des alten Klosters tritt. Der Bogen stammt aus dem Jahr 1759. In einer Nische oberhalb des Durchgangs wacht der Ordensgründer Benedikt als steinerne Figur darüber, wer hier ein- und ausgeht, darüber ist die Tiara, die Papstkrone, abgebildet. Karl der Große hatte das Benediktinerkloster bereits Ende des 8. Jahrhunderts gestiftet.

Das Zentrum bildet die Stiftskirche St. Peter und Paul. Die erste Kapelle des früheren Klosters hatte wohl noch aus Holz bestanden, sie gilt als eine der ersten in Westfalen entstandenen Kirchen. Schon bald ersetzte man sie durch eine Nachfolgerin in Form einer Basilika aus Stein. Diese Basilika war vermutlich ihrerseits Vorgängerin der heutigen Kirche, deren Bau auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Das westliche Joch könnte sogar noch von der Basilika übrig geblieben sein. Die Krypta unter dem erhöhten Chor aus dem Jahr 1290 trägt auch den Namen Heidenkeller: Hier vermuteten die Menschen den Standort des heidnischen Heiligtums Irminsul.

Die ursprünglich zwei Türme der Marsberger Stiftskirche wurden bei einem Umbau 1410 durch den großen, wuchtigen Turm ersetzt, der die Kirche bis heute prägt, und Mitte des 17. Jahrhunderts wurde sie erneut umgebaut. Der Turmhelm wurde 1829 nach einem Brand ersetzt, so dass der Turm heute insgesamt 57 Meter hoch ist. Die Stiftskirche Obermarsberg dient heute der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche St. Petrus und Paulus.

Die Innenausstattung der Stiftskirche Obermarsberg ist durchgehend der Barockzeit zuzuordnen. Die Papen-Werkstatt aus dem nahen Giershagen zeichnet für die Stücke verantwortlich. Besonders prachtvoll ist das Chorgestühl, das dem Hochaltar an Pracht beinahe den Rang abläuft. Wie sehr Heinrich Papen vom flämischen Barock inspiriert war, kann man an den Tulpen-Ornamenten als Zeichen für die Vergänglichkeit ablesen. In der flämischen Kunst dieser Epoche spielen Tulpen eine große Rolle. Aber auch die reich geschmückte Kanzel, die Orgelbühne aus 1707 oder der Orgelprospekt sind sehr sehenswert.

Die übrigen Gebäude des Klosters Obermarsberg, die heute noch sichtbar sind, entstanden Ende des 17. Jahrhunderts unter Propst Ferdinand von Metternich, nachdem das Kloster zuvor fast komplett durch hessische Truppen zerstört worden war. 1671 war der Wiederaufbau der schlichten Gebäude abgeschlossen. 1805 wurde das Kloster schließlich säkularisiert und teilweise umgebaut. Pastorat und Pfarrheim befinden sich heute in einem Teil der Gebäude, die übrigen werden privat genutzt.

Rolandstatue wird die Figur vor der Stiftskirche genannt. Ob sie tatsächlich einen Roland darstellt, ist allerdings höchst fraglich. Die verwitterte Steinfigur trägt eine Kirche in der Hand, was eher darauf deutet, dass sie wohl Karl den Großen darstellen soll. Der hatte die Kirche mitsamt dem Kloster schließlich gestiftet.

1247 wurde die Nikolaikirche erstmals erwähnt, die den Marktplatz und die Innenstadt Obermarsbergs beherrscht. Der Kirchenpatron, der heilige Nikolaus von Myra, ist ein Indiz dafür, dass die Marsberger damals eher Kaufleute waren als Bauern, denn St. Nikolaus gilt als Schutzpatron des Handels. Über dem Südportal ist eine Figur des Patrons zu finden. Die Gemeinde erbaute die Kirche nach dem Umzug von Horhusen unten an der Diemel, dem heutigen Niedermarsberg, hinauf auf den Stadtberg. Der Baubeginn des Gotteshauses ist vermutlich im Jahr 1229 anzusetzen. Der Bau folgt dem Prinzip der westfälischen Hallenkirche, zeigt aber deutlich auch den Einfluss der frühen Gotik Hessens. Sehr deutlich sind die Ähnlichkeiten etwa zur Elisabethkirche in Marburg, während der breite, rechteckige Grundriss an die Hohnekirche in Soest erinnert.

Im Inneren der Nikolaikirche sollte man sein Augenmerk insbesondere auf den Schmuck der Säulenkapitelle richten. Romanische wie gotische Formen finden sich hier in ausgesprochen schöner Ausführung. Ebenfalls sehr schön sind die Glasmalereien an den Fenstern im Altarbereich aus dem späten 19. Jahrhundert.

Im Jahr 1377 wird das alte Rathaus erstmals bezeugt, es entstand vermutlich aber schon sehr viel früher. Ein großer Teil des Gebäudes war im Dreißigjährigen Krieg zerstört und Mitte des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut worden. Nachdem es vorübergehend das örtliche Gericht beherbergt hatte, machte man ein Wohnhaus daraus, und es befindet sich bis heute in Privatbesitz.

Ein spannendes Stück Geschichte ist vor dem alten Rathaus zu finden, der Schandpfahl oder Pranger. Noch heute gibt es ja die Redensart, dass man jemanden für seine Untaten an den Pranger stellt. Im 16. Jahrhundert war das ganz wörtlich zu nehmen. Räuber, Schläger und Trunkenbolde wurden in dem erhöhten Eisenkorb mit einem Halsband und Fußfesseln versehen angebunden, um sie von der Öffentlichkeit verspotten und beschimpfen zu lassen. 1972 und 2001 wurde dieses Stück Geschichte restauriert.