Marburg

Marburg ist das Zentrum des Marburger Berglands, einer Landschaft, die vom Burgwald im Norden und dem Vogelsberg im Süden, der Schwalm im Osten und dem Lahn-Dill-Bergland im Westen eingefasst ist. Marburg ist die siebtgrößte Stadt Hessens und liegt etwa auf halbem Weg von Frankfurt am Main nach Kassel an der Fulda. Erste Siedlungsspuren finden sich bereits aus der Zeit 50.000 v.Chr., doch richtig los mit Marburg ging es erst im 13. Jahrhundert, als die Thürigner Landgräfin Elisabeth die damals kleine und unbedeutende Stadt an der Lahn zu ihrem Witwensitz wählte.

Durch diesen Umstand wurde Marburg wenig später zur Wiege Hessens, als Elisabeths Tochter Sophie von Brabant die hessischen Teile für ihre Familie beanspruchte und in der Folge der erste Landgraf von Hessen im Marburger Schloss hoch über der Lahn residierte. Ebenfalls durch das Wirken Elisabeth von Thüringens wurde Marburg im Mittelalter der wichtigste Wallfahrtsort nach Rom und Santiago de Compostela. Ziel der Pilger war die Elisabethkirche. Landgrafenschloss und Elisabethkirche sind denn auch heute noch die beiden wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Marburg.

Zwischen Elisabethkirche im Lahntal und dem Landgrafenschloss hoch auf dem Schlossberg (287m) zeigt Marburg noch viele weitere Sehenswürdigkeiten, die sich in der hier Oberstadt genannten Altstadt finden. Das erste, was einem auffällt, ist, dass Aufzüge ganz normaler Bestandteil des Wegesystems sind und so überwindet man die 109 Höhenmeter vom Lahntal zur Oberstadt – normalerweise 400 Treppenstufen am besten mit dem Oberstadtaufzug.

Das älteste erhaltene Gebäude in der Kernstadt Marburg ist der Kilian am Schuhmarkt. Er wurde Ende des 12. Jahrhunderts als Kilianskapelle erbaut und war eine Außenstelle der für Marburg zuständigen Pfarrei Oberweimar. Bis 1526 fanden im Kilian Gottesdienste statt, dann führte die Reformation zur Aufgabe des Gotteshauses und die städtische Waage wurde hier untergebracht. Später war der Kilian auch Schweinestall – und nochmal später etwas ganz ähnliches, nämlich Dienststelle der Gestapo. Nach dem Krieg residierte hier bis 2011 das Grüne Kreuz.

Geht man von hier auf den Marktplatz, steht man im Zentrum der Oberstadt. Am unteren Rand des Platzes steht das historische Rathaus, das 1512-27 erbaut wurde. Der Renaissanceturm mit dem Uhrgiebel wurde 1581 dem gotischen Rathaus hinzugefügt. Zur vollen Stunde hebt der Gockel zu einem blechern klingenden Geräusch etwas wacklig seine Flügel. Der Marburger Marktplatz war der Überlieferung nach Schauplatz der Gründung des Landes Hessen im Jahr 1248. Sophie von Brabant, älteste Tochter der heiligen Elisabeth, soll hier am Marktbrunnen ihren damals vierjährigen Sohn Heinrich zum Landgrafen ausgerufen haben. Eine Statue, die Sophie von Brabant darstellt, erinnert daran.

Am anderen Ende des Marktplatzes stehen zwei markante Häuser. Markt 16 stammt aus der Renaissance und beherbergt seit 2001 das Romantikmuseum Marburg. Der rote Salon im unteren Stockwerk des Marburger Hauses der Romantik führt einen zurück in die Zeit der Brüder Grimm, Clements Brentanos und Jung Stillings. In direkter Nachbarschaft findet sich am Markt 18 das älteste erhaltene Wohnhaus aus Stein in Marburg. Das Steinerne Haus wurde 1319-23 erbaut, ist Ort zahlreicher Eheschließungen und erfreut sich speziell aufgrund des mittelalterlichen Klo-Erkers einiger Sympathien.

Geht man weiter durch die Rittergasse, läuft man auf die evangelische Marienkirche zu. Sie ist nach der Elisabethkirche das zweitgrößte Gotteshaus in Marburg und wurde 1297 über einem Vorgängerbau errichtet. Markant ist der weithin sichtbare und deutlich geneigte Turm. Im Innern der dreischiffigen Hallenkirche sind zwei hessische Landgrafen – Ludwig IV. und Ludwig V. – begraben. In einer Nische der Kirche ist ein um 1297 entstandenes Wandgemälde, eine Madonna, erhalten. Westlich neben der Pfarrkirche steht der alte ca. 1370 erbaute Pfarrhof; östlich das um 1320 errichtete Beinhaus (Kerner). Der große Platz vor der Pfarrkirche war in früherer Zeit der Marburger Kirchfriedhof.

Folgt man der Ritterstraße weiter erreicht man die Kugelkirche. Ihren Namen verdankt die ab 1500 erbaute Kirche dem katholischen Orden der Brüder vom gemeinsamen Leben, die aufgrund ihrer Kopfbedeckung gemeinhin nur Kugelherren genannt wurden. Nach der Reformation war die Kugelkirche kurzzeitig die Aula der neu gegründeten Universität. Seit 1828 ist sie die katholische Pfarrkirche von Marburg. Eine architektonische Besonderheit der Kugelkirche ist das Fehlen der Schlusssteine der Deckengewölbe. Normalerweise sollte das zusammenstürzen, aber seit dem 16. Jahrhundert halten sich die einzelnen wabenförmigen Zellen des Gewölbenetzes gegenseitig.

Auf Höhe der Kugelkirche befindet sich auch das Kalbstor, das letzte heute noch zugängliche Stadttor aus dem Mittelalter. Bauzeit war wohl um 1230. Zusammen mit der Stadtmauer und drei weiteren Toren bildete dies die Grenze der Stadt Marburg bis zum 18. Jahrhundert, erst danach vergrößerte sich die Stadt relativ schnell.

Ein weiteres Überbleibsel der alten Stadtmauer ist der Bettinaturm, ebenfalls um 1230 entstanden. Er findet sich im Garten zwischen einem Studentenwohnheim und dem alten Forsthof in der Ritterstraße. Den Namen Bettinaturm erhielt der Wehrturm im 19. Jahrhundert. Er soll an die Dichterin Bettina von Arnim erinnern, die 1800-06 in Marburg lebte.

Geht man von der Oberstadt langsam wieder in Richtung Marktplatz und dann am Rathaus vorbei hinunter zur Lahn, kommt man an der 1291 von dem Dominikanerkloster Marburg errichteten Universitätskirche vorbei. Mit der Reformation wurde die Klosterkirche säkularisiert und später der Universität übereignet. 1927 erfolgte ein grundlegende Innenrenovierung, die bis heute das Bild des Kirchenraums prägt. Sehenswert sind u.a. die expressionistische Innenansicht mit Jugendstilelementen, der Christus-Gewölbeschlussstein aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts sowie Kanzel und der Altar aus der Barockzeit.

Direkt unterhalb der Kirche liegt die Alte Universität Marburg. Hier ist der Ursprung der Universität Marburg: 1527 wurde das hier ansässige und im Zuge der Reformation aufgelöste Kloster der Universität als erstes Gebäude zur Nutzung überlassen. 1874-79 entstand dann der neugotische Bau, wie wir ihn heute vorfinden. Die Alte Aula ist ausgestattet mit sieben großformatigen Bildern des Künstlers Johann Peter Theodor Janssen (genannt Peter Janssen der Ältere), die bedeutende Szenen der Marburger Stadt- und Universitätsgeschichte zeigen. Die Alte Universität ist heute Sitz des Fachbereichs Evangelische Theologie.