Fellinghausen

Der Kreuztaler Stadtteil Fellinghausen liegt westlich des Stadtzentrums im Heestal, einem Seitental der Littfe. Die Trasse der Hüttentalstraße und die ebenfalls parallel zur Littfe verlaufende Bahntrasse stellen eine deutliche Trennung zum Stadtzentrum dar. Die Gemeinde Fellinghausen, die 1969 in die neue Stadt Kreuztal eingegliedert wurde, entstand selbst aus dem Zusammenschluss der drei Ortschaften Dornseifen, Weiden und Fellinghausen.

In Fellinghausen ist das Herjes Hus, ein denkmalgeschützter Hof mit Bauerngarten, ein Beispiel für Fachwerkskunst im 18. Jahrhundert. Doch die größte Sehenswürdigkeit in Fellinghausen liegt ein wenig außerhalb des Orts. 1991 entstand hier das Freilichtmuseum Historischer Hauberg auf einer Fläche von 24ha. Auf anschauliche Weise zeigt es, wie die Haubergswirtschaft in den letzten 400 Jahren funktionierte.

Das an Eisenerz reiche Siegerland hatte seit jeher einen hohen Bedarf an Holzkohle, um das Erz zu verarbeiten. Im Laufe der Jahrhunderte litten die Wälder zunehmend unter dem starken Einschlag. Um die völlige Abholzung zu verhindern und die weitere Versorgung mit Holzkohle dauerhaft sicherzustellen, wurde ab dem 16. Jahrhundert die Haubergswirtschaft eingeführt, die prägend für die gesamte Region wurde. Aus heutiger Sicht betrachtet war die Haubergswirtschaft eine frühe und sehr erfolgreiche Methode nachhaltiger Waldwirtschaft.

Ein Hauberg ist ein Waldareal, das in mehrere Parzellen aufgeteilt wurde. In jedem Jahr wurde eine andere Parzelle gehauen, daher der Name. Die Haubergsleute holzten die Fläche also ab und verarbeiteten das gewonnene Holz, meist von Eichen oder Buchen, zu Holzkohle. Anschließend folgte eine Ruhepause von 16 bis 20 Jahren, in denen sich der Baumbestand auf der gehauenen Fläche wieder regenerieren konnte. Einzelne Bäume blieben als Samenbäume stehen, um die Regeneration des Waldes zu ermöglichen. Auch entlang der Wege blieben häufig Bäume stehen, sodass sich gelegentlich regelrechte Haubergs-Alleen bildeten.

Das Reisig wurde zu sogenannten Schanzen zusammengebunden, mit denen dann das Backhaus, der Backes, beheizt wurde. Daher stammt der Name Schanzenbrot. Auch die abgeschälte Rinde der Eichen war ein wertvoller Rohstoff, sie wurde für die Gerberei verwendet.

Freiflächen im Hauberg wurden durch Beweidung oder durch die Aussaat von Roggen oder Buchweizen zusätzlich als landwirtschaftliche Flächen genutzt. Die Ernte des Getreides war nicht einfach, denn der junge Baumbestand durfte nicht gefährdet werden. Also fand die Ernte in mühevoller Handarbeit mit speziellen Sicheln statt, da eine gewöhnliche Sense die jungen Bäumchen abgeschnitten hätte. Die genossenschaftlich betriebene Haubergswirtschaft sorgte dafür, dass das Holz als wichtige Ressource nachhaltig zur Verfügung stand.

Die arbeitsaufwändige Methode wird heute vereinzelt noch zur Brennholzgewinnung und zur Erhaltung dieser Tradition gepflegt. Im historischen Hauberg in Fellinghausen kann man alle Arbeitsschritte vor Ort nachvollziehen, und mehrere Schautafeln erklären dem Besucher alle Details. Der Nachbau eines historischen Schmelzofens vermittelt darüber hinaus einen Eindruck davon, wie zur Zeit der Kelten das Metall aus dem Erz gewonnen wurde.