Netphen

Das Zentrum des Johannlands ist Netphen. Hier laufen die Täler von Sieg, Obernau und Netphe zusammen, die sich in die größtenteils bewaldete Mittelgebirgslandschaft geschnitten haben.

Die erste urkundliche Erwähnung Netphens datiert auf das Jahr 1239. Doch archäologische Grabungen zeigen, dass es in der Gegend schon um das Jahr 500 v.Chr., zur La-Tène-Zeit, dauerhafte Siedlungen gegeben haben muss. Netphen existiert in seiner heutigen Form seit 1969. Im Zuge der kommunalen Neuordnung entstand die Großgemeinde Netphen aus 21 bis dahin eigenständigen Orten. Im Jahr 2000 wurde Netphen mit 25.000 Einwohnern offiziell zur mittleren kreisangehörigen Stadt erklärt.

Über die Entwicklung der Stadt und der umliegenden Landschaft informiert anschaulich das Heimatmuseum Netpherland im ehemaligen Verwaltungsgebäude in der Lahnstraße. Auf drei Stockwerken erfahren interessierte Besucher allerlei Wissenswertes über die Vor- und Frühgeschichte, den Bau der Bahnstrecke zwischen Weidenau und Deuz oder die traditionellen Gewerbe wie Gerberei, Köhlerei oder Imkerei. Eine historische Schusterwerkstatt und eine komplette Küche erlauben Einblicke in das Alltagsleben früherer Zeiten.

In Netphen spielte übrigens auch ein kleines Stückchen Automobilgeschichte. Mit wahrhaft schwindelerregender Geschwindigkeit verkehrte hier ab 1895 die erste Motor-Omnibus-Linie der Welt. Immerhin brachte das Gefährt fünf PS! Optisch allerdings erinnerte es doch noch stark an eine Postkutsche.

Ebenfalls historisch bedeutsam ist die evangelische Martinikirche. Die Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert musste fast 250 Jahre lang gemeinsam von Katholiken und Protestanten genutzt werden, da es keine zweite Kirche am Ort gab. Erst 1895 wurde die neue katholische Kirche geweiht, ein neogotischer Bau aus unverputztem Feldstein. Seither ist die Martinikirche wieder rein evangelisch.

Nicht nur ihre bewegte Vergangenheit, auch die Architektur der Kirche verdient einen zweiten Blick. Neben der Siegener Nikolaikirche ist sie der bedeutendste romanische Bau im Siegerland. Das schmiedeeiserne Tor aus dem 18. Jahrhundert und die barocke Kapelle sind sehenswerte Details.

Wer von all den geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten genug hat, dem bietet der Freizeitpark Netphen einen willkommenen Ausgleich. Am Ortsausgang von Netphen in Richtung Brauersdorf bietet er mit Hallen- und Freibad, mehreren Tennisplätze, Squash- und Badmintonfeldern sowie einer Saunaanlage mit Solarium und Thermalsprudelbecken sommers wie winters eine Fülle an Freizeit-Möglichkeiten. Eine Minigolfanlage und eine 1.800qm große Eislaufhalle ergänzen das Angebot.