Oberes Schloss Siegen

Oben auf der Kuppe des Siegbergs (307m) befindet sich schon seit vielen Jahrhunderten eine Burganlage. Als 1224 Siegen Stadtrechte erhielt, residierten hier die katholischen Grafen zu Nassau-Siegen. Wann genau die erste Burg entstand, ist allerdings nicht bekannt. Das heute sichtbare Schloss entstand erst um 1500 als Neubau, der in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert und umgebaut wurde.

Sehenswerte Details des Oberen Schlosses in Siegen sind das spätgotische Brunnenhaus im Innenhof sowie eine Platte aus rotem Sandstein, die das nassauische Wappen von 1519 trägt und ursprünglich an einem der Stadttore angebracht gewesen war.

Seit 1905 beherbergt das Obere Schloss das Siegerlandmuseum. Die Sammlung umfasst ganz unterschiedliche Bereiche. Die Geschichte des Siegerlands allgemein ist eines der Themen, ein weiteres die Entwicklung der Siegerländer Wohnkultur. Eine umfangreiche Porträtsammlung des Fürstenhauses Nassau-Oranien ergänzt die Sammlung.

Natürlich dürfen auch Bergbau und Eisenverarbeitung nicht fehlen. Zu diesem Themenbereich ist eigens ein Schaubergwerk künstlich angelegt worden. Aber das Prunkstück des Museums ist der Rubenssaal, in dem mehrere teils großformatige Originale des berühmten Malers ausgestellt sind.

An Peter Paul Rubens, den wohl berühmtesten Sohn Siegens, erinnert auch der Rubensbrunnen im Schlosspark des Oberen Schlosses. Noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein war nicht abschließend geklärt, wo der Maler geboren worden war. Zur Debatte standen neben Siegen auch Köln und Antwerpen. Ein Archivar aus Holland war es, der schließlich herausfand: Peter Paul Rubens kam in Siegen zur Welt. Der Brunnen stellt den langjährigen Streit der drei Städte um den Titel der Rubensstadt symbolisch dar und wurde 1935 durch den Siegener Künstler Hermann Kuhmichel gestaltet.

Lange in Siegen gelebt hat Peter Paul Rubens übrigens nicht, denn sein Vater Jan Rubens war eigentlich ein Advokat aus Antwerpen. Eine skandalöse Liebelei in Köln ausgerechnet mit der Gemahlin Wilhelms von Oranien sorgte dafür, dass er nach zwei Jahren Haft in Dillenburg nach Siegen kam und dort einige Jahre bleiben musste. In dieser Zeit heiratete er, und so kam es dazu, dass sein Sohn hier geboren wurde.

Der Schlosspark am Oberen Schloss ist vergleichsweise klein, da auf der Kuppe des Berges nicht viel Platz zur Verfügung steht. Dennoch ist er mit seinem alten Baumbestand ein beliebtes Ziel bei Einheimischen wie Besuchern für einen kleinen entspannten Spaziergang. Auch Reste der ehemaligen Stadtmauer sind hier zu sehen, die im 16. Jahrhundert mit 16 Türmen Siegen schützte. In den Sommermonaten finden diverse kulturelle Veranstaltungen im Park statt.

Ebenfalls im Park zu finden ist eine Statue Johann des Mittleren Graf zu Nassau-Siegen. Auf sein Testament aus 1623 geht die Teilung der Grafschaft in einen katholischen und einen evangelischen Teil zurück. Die katholische Linie residierte seitdem im Oberen Schloss, die evangelische im Unteren Schloss.

Es gibt im Zentrum Siegens nur wenige Gebäude, die älter als sechzig Jahre sind. Im Dezember 1944 wurde die Innenstadt durch einen verheerenden Bombenangriff von 400 Fliegern innerhalb von nur sieben Minuten dem Erdboden gleich gemacht. Doch es gibt einen kleinen Bereich der Altstadt, der im Bombenhagel unversehrt blieb. Allerdings muss man wissen, wo man danach suchen muss, denn die Straßen liegen etwas abseits.

Verlässt man den Schlosspark nicht durch den Schlosshof, sondern durch das untere Tor, findet man diesen stillen Winkel. In den ehemaligen Fleischer- und Lohgerbervierteln sind bis heute einige liebevoll restaurierte, schiefergedeckte Fachwerkhäuser zu sehen, die eine Ahnung davon erlauben wie hübsch Siegen einst ausgesehen haben muss.