Dillenburg Schlossberg mit Wilhelmsturm


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Weit über die Stadt sichtbar thront auf dem Dillenburger Schlossberg der Wilhelmsturm, der 1872-75 zum Gedenken an Wilhelm I. von Oranien mit Unterstützung des niederländischen Königshauses erbaut worden ist. Wilhelm von Oranien wurde 1533 im Dillenburger Schloss geboren. Er leitete im 16. Jahrhundert die Befreiung der Niederlande von den Spaniern ein. Heute beherbergt der Wilhelmsturm das oranien-nassauische Museum, das auf vier Etagen historische Waffen, Gemälde und Modelle von Burganlagen zeigt.

Ein kurzer geschichtlicher Abriss beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung von Dillenburg im Jahr 1254. Dillenburg war Stammsitz des oranischen Zweiges des Hauses Nassau. Die Burg hatte für das Haus Nassau eine hohe Bedeutung, da sie im Gegensatz zur Burg Herborn kein Lehen der Landgrafen von Hessen, sondern eine Eigenburg war. Aus dem Exil im Schloss organisierte der in Dillenburg geborene Wilhelm von Oranien den Widerstand der Niederlande gegen Spanien. Auf der Ginsburg im benachbarten Siegerland sammelte er 1568 seine Truppen und startete den ersten Feldzug gegen die Besatzer, was zum Achtzgijährigen Krieg (1568-1648) und letztlich der Anerkennung der Republik der Vereinigten Niederlande führte.

Ein Stadtbrand verheerte im Jahr 1723 große Teile von Dillenburg. Mehr als 200 Gebäude fielen den Flammen zum Opfer. Viele der Fachwerkhäuser, die nach dem Brand aufgebaut wurden, stehen noch heute. Im Siebenjährigen Krieg wurde 1760 das Schloss zerstört. Aus den Resten des Schlosses wurden die Gebäude an der Wilhelmstraße erbaut.

Heute erinnert nur noch das alte Stockhaus (Gefängnis) an die imposante Schlossanlage. Doch unter der Erde bezeugen die Kasematten – unterirdischen Festungsanlagen – von der einstigen Wehrhaftigkeit der „uneinnehmbaren“ Dillenburg. Teile der Kasematten sind heute in einem 45minütigen Rundgang zu besichtigen. Höhepunkt ist der Besuch der Löwengrube mit dem 62m tiefen Brunnen und dem Rubensgefängnis.

Im 19. Jahrhundert hielt mit dem Bau der Sieg-Dill-Strecke als Teil der Eisenbahnlinie von Gießen nach Köln die industrielle Revolution Einzug. Einen Aufschwung erlebte die Region durch die Nutzung der an Lahn, Dill und Sieg gefundenen Eisenerze. Zahlreiche Betriebe des Berg- und Hüttenwesens und der Metallverarbeitung entstanden. Im Zweiten Weltkrieg wurde Dillenburg mit seinem heute stillgelegten Rangierbahnhof Ziel alliierter Bombenangriffe. Die Erzförderung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend unrentabel. 1968 stellte der letzte Hochofen im Stadtteil Oberscheld seinen Betrieb ein.

Die erfolgreiche industrielle Vergangenheit des Dillkreises thematisiert das wirtschaftsgeschichtliche Museum in der Villa Grün auf dem Dillenburger Schlossberg, ein 1914 im neoklassizistischen Stil errichtetes Wohnhaus des Grubenbesitzers Carl Grün. In über zwanzig Ausstellungsräumen wird die Vielfalt der Wirtschaft im Dillgebiet gezeigt. Diese reicht unter anderem vom Bau von Großheizkesseln über die Herstellung haarfeiner Drähte, den Bergbau oder den Glockenguss bis zu einem in Deutschland einmaligen Genossenschaftswesen, der Haubergswirtschaft.


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