Hessischer Westerwald

Der östliche Teil des Westerwalds liegt in Hessen weshalb man dieses Wandergebiet praktischerweise auch einfach hessischen Westerwald nennt. Die Ostabgrenzung gegenüber dem Lahn-Dill-Bergland bildet auf ihrem Lauf von der Quelle oberhalb von Offdilln bis zur Mündung bei Wetzlar der Lahnzufluss Dill. Die Lahn übernimmt dann südlich bis nach Limburg die Trennung vom Taunus. Von hier geht es dann entlang der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz wieder bis hinauf in den Dill-Westerwald.

Der nordwestlichste Teil des hessischen Westerwalds ist politisch gesehen ein Ausreißer, gehört doch Hickengrund seit dem 17. Jahrhundert zu Westfalen. Historisch aber überwiegt die Nähe zum früheren Haigergau und der nassauischen Herrschaft in Dillenburg. Zu den Sehenswürdigkeiten im Hickengrund gehört das Basaltmeer am Großen Stein (546m), das Backhaus in Lützeln, die Felsgruppe Wildweiberhäuschen und die Kirche auf dem Leyfelsen in Niederdresselndorf.

Die Dill entspringt an den Ausläufern der Haincher Höhe und fließt dann zunächst Haiger zu, bekannt wegen der reich mit Fresken ausgestatteten Stadtkirche von 1048. Flussabwärts liegt im Zentrum des Dill-Westerwalds die Oranierstadt Dillenburg mit dem weithin sichtbaren Wilhelmsturm, dem Hessischen Landgestüt und der pittoresken Fachwerkaltstadt. Noch weiter südlich schließt sich Herborn an, das nassauische Rotenburg. Im alten Schloss residiert heute das Theologische Seminar als Nachfolgeeinrichtung der Herborner Hohen Schule, einer Hochschule, in der Johann Amos Comenius studiert und Johannes Piscator lehrte.

Jenseits des Dilltals steigen die Westerwaldhöhen zunächst auf gut 450m an. Hier liegt Breitscheid, eine kleine Gemeinde, die vor allem wegen ihres Ortsteils Erdbach bekannt ist. Die Erdbachschwinde und eine der größten Höhlen Hessens, das Herbstlabyrinth, liegen hier und erinnern an die Zeit, als der Westerwald noch ein Meer war.

Südlich steigt der hessische Westerwald bei Driedorf weiter an. Der Höllberg (643m) ist die höchste Erhebung, die Krombachtalsperre mit einer Fläche von 95ha der größte See im hessischen Westerwald. Mittendrin liegt das Dorf Mademühlen. Hier wurde Adolf Weiß geboren, der die Westerwälder Begrüßung „Hui! Wäller? Allemol!“ ersann.

Eine Gedenktafel für den Westerwalddichter Adolf Weiß wurde auf der Spitze des Knoten (605m) angebracht. Von hier aus senkt sich nach Osten das Greifensteiner Land zum Dilltal hin ab. Bekannteste Sehenswürdigkeit im Greifensteiner Land ist die mächtige Burg Greifenstein mit dem markanten doppeltürmigen Bergfried und der barocken Schlosskirche. Südlich schließt sich das malerische Ulmtal an, wo nicht nur die Ulmtalsperre lockt, sondern auch das schöne Dörfchen Nenderoth – Nizza des Westerwalds genannt – und das Jagdschlösschen Dianaburg.

Den südöstlichen Rand des Hessischen Westerwalds bildet das Leuner Becken, das sich nördlich der Lahn zwischen der Einmündung der Dill bei Wetzlar und des Ulmbachs bei Biskirchen erstreckt. Historisch bedeutsam ist das Kloster Altenberg, das jahrelang von der Tochter der heiligen Elisabeth von Thüringen geleitet wurde. Nicht weit davon lädt seit 1987 das Besucherbergwerk Grube Fortuna zur Einfahrt unter Tage ein. 150m tief geht es hinein in den Berg, um dann mit der Grubenbahn zum Abbaulager zu fahren.

Westlich vom Leuner Becken erstreckt sich das Faulbachtal. Bekannt ist der Marktflecken Mengerskirchen mit dem kleinen Schloss Mengerskirchen und der Burgruine Eigenberg. Bei Waldernbach lädt der romantische Seeweiher zu einem Ausflug ein und weiter südlich erhebt sich markant die Ruine der Burg Merenberg auf einem Basaltkegel.

Das Mittellahntal zieht sich von Löhnberg bis nach Limburg und gilt manchem als abwechslungsreichster Abschnitt der Lahn. Ob man die gute Aussicht von der Hauseley bei Weilburg genießt, die historische Altstadt von Runkel mit der gleichnamigen Burg Runkel und der Burg Schadeck besichtigt oder sich von der Mutterkirche des Lahngaus – der Lubentiuskirche aus dem 8. Jahrhundert – in längst vergangene Zeiten versetzen lässt: das Mittellahntal lässt kaum Wünsche offen.

Das kleine Kerkerbachtal liegt oberhalb des Lahntals. Hier gründete Gottfried von Beselich im 12. Jahrhundert ein Kloster, dem die Gemeinde Beselich heute ihren Namen verdankt. Markant erhebt der romanische Turm der Pfarrkirche St. Ägidius in Obertiefenbach 54m hoch in die Luft.

Vom Kerkerbachtal geht es weiter westlich in den Elbbachgrund, einst das Land der direkt dem König unterstellten Herrschaft Ellar, das im 14. Jahrhundert Stadtrechte erhielt und sich mit Stadtmauer und der Burg Ellar schützte. Westlich liegt die Dornburg (396m), ein Basaltplateau, auf dem einst eine große keltische Stadt stand. Unterhalb der Hochebene kann man noch heute das Phänomen des Ewigen Eis bewundern: Selbst im Hochsommer ist hier der Boden gefroren. Weiter östlich erhebt sich das Heidenhäuschen (398m), das aufgrund des hier vorkommenden Waldmeister-Buchenwalds seit 1927 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Der südwestlichste Zipfel des Hessischen Westerwalds schließlich bildet der Elzer Graben rund um die Kleinstadt Hadamar. Schloss Hadamar war ab dem 17. Jahrhundert für gut sechzig Jahre Residenzsitz des eigenständige Fürstentums Hadamar. In dieser Zeit wurde auch die Liebfrauenkirche hübsch aufpoliert und es entstand eine eigene sakrale Kunstrichtung, der Hadamarer Barock. Sehenswert ist die Steinbrücke über den Elbbach in Niederhadamar, die als älteste Steinbrücke Hessens gilt, das Steinkistengrab aus der Jungsteinzeit bei Niederzeuzheim und die schmucken Fachwerkhäuser in Elz.

Der Hessische Westerwald erstreckt sich westlich der Autobahn A 45 (Sauerlandlinie von Dortmund bis Aschaffenburg) zwischen den Abfahrten Haiger im Norden und Wetzlar im Süden. Die Bundesstraße B 49 bildet zwischen Wetzlar und Limburg den südlichen Zugang zum Hessischen Westerwald, den man auch über die Autobahnausfahrt Limburg der Autobahn A 3 erreichen kann. Über die Bundesstraße B 54 kann man zwischen Haiger und Limburg den Hessischen Westerwald von Westen aus ansteuern.

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