Hadamar

Landgasthof RudolphLandgasthof Rudolph

Hadamar ist eine Kleinstadt im hessischen Westerwald mit großer Vergangenheit. Bereits 832 wurde Hadamar erstmals urkundlich erwähnt. Zunächst bewirtschafteten Zisterzienser eine große Hofanlage, die 1320 Graf Emich von Nassau-Hadamar kaufte und vier Jahre später von Kaiser Ludwig IV. dafür die Stadtrechte erhielt. Davon zeugt heute noch die Hammelburg genannten Reste der Stadtmauer an der Limburger Pforte.

Von 1324 bis 1394 wurde Hadamar so erstmals Residenz der Grafen von Nassau-Hadamar. Nach einer Brandkatastrophe, der fast das gesamte alte Hadamar zum Opfer fiel, und verschiedenen Erbstreitigkeiten gelangte 1607 Graf Johann Ludwig von Nassau in den Besitz von Hadamar und errichtete Schloss und Stadt neu. Bis 1743 blühte Hadamar jetzt als Residenzstadt – ab 1650 gar als Fürstenstadt – auf.

Aus dieser Zeit stammt auch das reichhaltige Fachwerk-Ensemble rund um den Marktplatz. Hier dominiert das historische Rathaus mit der sinnigen Inschrift: „Friede dem Eintretenden - ein Gruß dem Scheidenden“. Mit seinem reizvollen Glockentürmchen und den reichen Dekorschnitzereien im Eingangsbereich spiegelt sich der Reichtum kleinstädtischen Bürgertums im 17. Jahrhundert wider. Das Gebäude wurde 1639 vom fürstlichen Amtmann Andreas von Meuser erbaut und befindet sich seit 1818 im Besitz der Stadt. Hier befindet sich heute auch die Touristen-Information.

Steht man vor dem Rathaus führt linkerhand die Schulstraße. Hier ist das 1676 erbaute Doppelhaus Nr. 17 bemerkenswert. Prunkstück der Fassade ist ein im halben Sechseck zierlich gebauter Erker. Das Gesamtbild der Fassade mit seiner reichen Ornamentik und Schnitzwerken ist ein beeindruckendes Fotomotiv. Die östliche Haushälfte heißt nach dem heutigen Besitzer Duchscherer-Haus.

Rechterhand liegt die Borngasse, die Hadamarer Fachwerkstraße. Das Haus Ohlenschläger in der Borngasse 7 zeichnet sich durch den hohen Erker und das elegante Portal aus. Nach der eingemeißelten Jahreszahl ist das Haus 1694 erbaut worden. Ein weiteres eindrucksvolles Fachwerkhaus steht in der Borngasse 21. Es entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg als Wohnhaus eines Hof-Beamten. Bemerkenswert ist das Eingangsportal, eine Arbeit des Bildhauers Johann Neudecker. Im Innern des Hauses gibt es eine historische Treppe über drei Stockwerke, die aus einem einzigen Baumstamm gedrechselt wurde und eine Zierde des heutigen renommierten Hotels Nassau Oranien darstellt.

Die Corrigendenanstalt, die Vorgängerin des heutigen Zentrums für soziale Psychiatrie, wurde 1883 neben dem ehemaligen Franziskanerkloster auf dem Mönchberg errichtet. Die Einrichtung diente als Arbeitshaus zur Internierung und Umerziehung des Fahrenden Volks im Regierungsbezirk Wiesbaden und bot Platz für 236 Männer und 80 Frauen. 1906 wurde die Corrigendenanstalt in eine Pflegeeinrichtung für psychisch Kranke umgewandelt.

Im Nationalsozialismus wurde diese Pflegeanstalt zu einer von sechs Euthanasie Tötungsanstalten im Rahmen der T 4 Aktion: Der systematischen Ermordung von behinderten Menschen. In Hadamar wurden durch Vergasung, Giftinjektionen und Verhungernlassen fast 15.000 Menschen durch Ärzte getötet. Heute erinnert eine 1983 eingerichtete Gedenkstätte auf dem Mönchberg an diese Verbrechen.