Biskirchen

Biskirchen ist der zweitgrößte Stadtteil der 1972 gebildeten Stadt Leun und liegt an der Mündung des Ulmbachs in die Lahn. Biskirchen ist ein typisches Haufendorf mit alter Bausubstanz und verwinkelten Gassen. Der Ortskern ist als Gesamtanlage denkmalgeschützt.

Seinen Namen verdankt Biskirchen der Tatsache, dass der Ort mit zugehöriger Kirche um 900 von Rudolf I., dem Bischof von Würzburg, gegründet worden ist. 1245 erfolgt die erste urkundliche Nennung als Bischofskirchen. Die Kirche lag in den hochwassergefährdeten Lahnauen und wurde 1871 abgebrochen. An den Standort der alten Bischofskirche erinnert ein 1884 von Pfarrer Karl Wetz errichteter Obelisk an der ehemaligen Friedhofsmauer zwischen Umgehungsstraße und Bahnstrecke.

Die alte Kirche wurde 1868-70 durch einen Neubau im oberen Dorf ersetzt, der noch heute das Ortsbild von Biskirchen prägt. Die neugotisch-romanische Kirche wurde nach Ideen des berühmten Architekten August Stüler errichtet, der u.a. auch das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel, die Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg und das Nationalmuseum in Stockholm baute.

Über seine Grenzen hinaus bekannt wurde Biskirchen durch seine kohlensäurehaltigen Heil- und Mineralquellen. Bereits 1601 wird der Gemeindeborn erwähnt, der seit 1883 in Gedenken an die frühere Oberin des Klosters Altenberg Gertrudisbrunnen heißt. Zwischen 1874 und 1966 wurde der Getrudisbrunnen auch wie der 1896 erschlossene „Karlssprudel“ gewerblich genutzt.

Wahrzeichen des Leuner Stadtteils ist das Brunnenhaus am Gertrudisbrunnen. Vis-a-vis liegt die Getrudisklinik, die vorher das Kurzentrum Biskirchen war, seit 1995 aber als Fachklinik für die Behandlung der Parkinson-Krankheit dient. Die Einrichtungen des Kurzentrums zogen in den zeitgleich errichteten Quellenhof, ein großes Sport- und Rehazentrum oberhalb der Bundesstraße B 49.

Folgt man von Biskirchen aus dem Lauf des Ulmbachs kommt man über Bissenberg am Galgenberg (246m) vorbei nach Allendorf im Greifensteiner Land. Bissenberg dagegegen gehört noch zu Leun. Von hier führt eine solide, kleine Brücke in drei kleinen, gedrungenen Bögen über den Ulmbach zum Helenenhof. Eine kleine Kirche ziert den Ortskern. Dabei handelt es sich um einen romanischen Rechtseckbau mit verputztem Fischgrätenmauerwerk, der 1723-26 mit einem verschieferten Turmaufbau versehen wurde.