Schloss Neuwied

Am Ende der Rheinstraße liegt das Schloss Neuwied. Es war von der Stadtgründung im Jahr 1653 bis 1806 Residenz der Grafen zu Wied, deren Grafschaft sich vom Rhein über die Dierdorfer Senke bis nach Runkel an der Lahn zog.

Begründer des Grafenhauses war Metfried, Graf des Engersgaus. Er nannte sich ab 1129 Graf zu Wied. Allerdings starb diese erste Linie bereits 1244 aus, da es an männlichen Nachkommen fehlte. Den Besitz übernahm Bruno von Isenburg, dessen Nachkommen sich Grafen von Wied-Isenburg nannten. Auch hier riss wieder die Erbkette ab, so dass die Grafschaft ans Haus Runkel fiel. Diese dritte Linie – die Grafen Wied-Runkel – teilte die Herrschaft und die obere Grafschaft Wied-Neuwied fiel an Graf Friedrich III. zu Wied.

Graf Friedrich III. begann 1648 mit den Bauarbeiten zu einem neuen Schloss am Rhein, um seinen Herrschaftssitz von der Burg Altwied im Wiedtal zu verlegen. Die begonnenen Arbeiten am so genannten Schloss Friedrichstein im heutigen Stadtteil Fahr wurden jedoch im Rahmen der Pfälzischen Erbfolgekriege zunichte gemacht, als die Franzosen die Befestigung 1694 niederbrannten.

Von 1707-12 folgte dann der Neubau von Schloss Neuwied nach Plänen des Baumeisters Julius Ludwig Rothweil. Die Baupläne Rothweils sahen eine im deutschen Barock beliebte Hufeisenanlage nach dem Vorbild von Versailles vor. Die in der ersten Planung vorgesehenen Verbindungsbauten wurden jedoch nicht ausgeführt, so dass drei selbstständige Gebäude um den Schossinnenhof entstanden sind.

Bereits 1715 wurde in Verlängerung der Schlossachse und parallel zum Rhein ein symmetrischer Barockgarten im französischen Stil angelegt. Später dann gestaltete Fürst Friedrich Carl zu Wied (1791–1802) den Schlosspark nach englischem Vorbild um. Es wurden viele exotische Gewächse angepflanzt, die von Prinz Maximilian zu Wieds Amerikareisen stammen dürften. Durch diese Umgestaltung vergrößerte sich die Parkfläche auf 24ha und reichte bis zur Wiedmündung. Durch den Deichbau in den Jahren 1928-32 gingen ca. 3ha der Fläche verloren. Die Parkanlage befindet sich im Eigentum des Fürsten zu Wied, die ca. 6ha privat nutzen. Die restlichen 15ha sind an die Stadt Neuwied verpachtet, die die Fläche als Naherholungsgebiet entwickelt.

In einem Nebengebäude des Schlosses Neuwied befindet sich heute das Schlosstheater Neuwied der Landesbühne Rheinland-Pfalz. Bereits 1777 spendierten die Grafen von Wied der Stadt ein Theater am Marktplatz, das „Neuwieder Nationaltheater – ein rheinisches Hoftheater“. 1840 wurde dann im Schloss Neuwied zunächst ein privates Theater eingerichtet, das 1859 zum öffentlichen Residenztheater umgewidmet wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand zunächst die historische Spielstätte nicht zur Verfügung. Erst nach einem Umbau konnte 1978 das Theater im wiedischen Schloss mit einer Aufführung der Minna von Barnhelm wieder eröffnet werden. Heute verfügt das Schlosstheater über einen Saal mit 273 Sitzplätzen, ein großzügiges Foyer, Künstlergarderoben und seit 2004 auch über moderne Werkräume für Bühnenbilder und Kostümwerkstätten. Die Landesbühne Rheinland-Pfalz veranstaltet jährlich über 400 Aufführungen, etwa 190 davon im Schlosstheater, die restlichen auf landesweiten Tourneen. So erreicht die Landesbühne etwa 100.000 Zuschauer pro Jahr.

Vor dem Schlosstheater befindet sich ein Denkmal für den Naturforscher Prinz Maximilian zu Wied (1782-1867), den Maler Carl Bodmer und einen Indianerhäuptling. Prinz Max bereiste zusammen mit Bodmer Amerika und publizierte umfangreich seine Entdeckungen. Seine 1839 erschienenen Aufzeichnungen „Reise in das innere Nord-America“ waren die ersten fundierten Beschreibungen über den „Wilden Westen“. Einer ihrer Leser: Karl May. Literaturwissenschaftler vermuten, dass Prinz Max die Vorlage für die Romanfigur Old Shatterhand war.

Neben Prinz Max gibt es noch eine weitere international bekannte Vertreterin des Fürstenhauses. Die 1843 auf Schloss Monrepos geborene Prinzessin Elisabeth heiratete 1869 Karl von Hohenzollern-Sigmaringen und wurde damit zur Königin von Rumänien. Unter dem Pseudonym Carmen Sylva veröffentlichte sie zahlreiche Gedichte, Erzählungen und Romane, was ihr den Beinamen „dichtende Königin“ einbrachte. Ihre Werke wurden unter anderem von der Académie Française ausgezeichnet. An Königin Elisabeth von Rumänien erinnert heute in Neuwied noch der Carmen-Sylva-Garten, der am Südrand der Kernstadt liegt.

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