Esterau

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In dem spitzen Winkel, den das Gelbachtal und das Lahntal bilden, liegt westlich von Diez die Esterau. Diese Hochfläche rund um den Ort Holzappel verdankt ihren Namen einer ganz einfachen Tatsache: bis 1688 hieß Holzappel nämlich noch Esten.

Die Esterau wird um 950 n. Chr. erstmals als eigener Herrschaftsbereich und Gerichtsbezirk urkundlich erwähnt und unterstand den Nassauer Grafen, die ihren Stammsitz seinerzeit auf der Laurenburg hatten. 1643 gelangte die Esterau in den Besitz von Peter Melander und wurde kurz darauf von Kaiser Ferdinand III. zur freien reichsunmittelbaren Grafschaft Holzappel erhoben. Melander war ein erfolgreicher General im Dreißigjährigen Krieg, dem – trotz widersprüchlicher Quellenangaben – das folgende Bonmot zugesprochen wird: „Ich bin ein Deutscher und noch dazu ein Westerwälder; das will soviel heißen wie zwei Deutsche“!

Peter Melander wurde als Peter Eppelmann 1589 in Niederhadamar geboren. Nach dem Tod seines Vaters 1592 zog Peter Eppelmann zu seinem Onkel Johann in die Niederlande. Sein Onkel hatte den Familiennamen Eppelmann ins griechische Melander übersetzt. Melander begann eine militärische Laufbahn, die ihn schließlich zum Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres machte, bis er in einer Schlacht bei Augsburg von dem schwedisch-französischem Heer tödlich verwundet wurde und 1648 starb. Bestattet wurde er in der Fürstengruft (Melandergruft) der evangelischen Johanneskirche in Esten (Holzappel).

Peter Melander hinterließ ein großes Vermögen, das es seiner Frau Agnes ermöglichte, im Jahr 1656 die Herrschaft und das Schloss Schaumburg zu erwerben und mit der Grafschaft Holzappel zur Grafschaft Holzappel-Schaumburg zu vereinigen. Melanders Tochter Elisabeth Charlotte erwirkte für das Dorf Esten 1688 Stadtrechte und gab dem Ort den neuen Namen Holzappel, das damit Hauptstadt eines eigenen Territoriums im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation war.

Noch heute teilen die Esterau-Gemeinden – die politisch zur Verbandsgemeinde Diez gehört – eine kulturelle Identität, die neben der geschichtlichen auch auf einer wirtschaftlichen und einer religiösen Säule ruht. Die wirtschaftliche Säule ist der Erzbergbau, der der Esterau ab dem 18. Jahrhundert einen relativen Wohlstand bescherte. Die religiöse Identität beruht auf der offenen Haltung von Fürstin Elisabeth Charlotte gegenüber den Hugenotten und Waldensern, die zur Gründung eines eigenen Ortes – Charlottenberg – führte.

Zum Wandergebiet Esterau rechnen wir heute die Diezer Stadtteile, die nördlich der Lahn liegen und sich westlich der Kernstadt zum Gelbachtal hin ziehen, also vom nördlichen Eppenrod über Hambach, Heistenbach, Aull, Altendiez, Hirschberg, Langenscheid und Geilnau zum zentralen Ort Holzappel und dann weiter lahnwärts bis nach Charlottenberg, Scheidt, Laurenburg und Dörnberg.

Neben dem Lahntal gibt es in der Esterau noch Einiges mehr zu entdecken, z.B. die evangelische Kirche St. Peter in Altendiez, das malerische Hambachtal, einen Aufstieg zum Höchst (443m), das beliebte Erholungsgebiet am Herthasee bei Holzappel und natürlich die Ruine der Laurenburg, dem ursprünglichen Stammsitz der Nassauer, die später die Regenten der Niederlande und Luxemburg stellten.