Bonn-Beuel

Beuel ist seit 1969 einer von fünf Stadtbezirken von Bonn, der einzigen Bundesstadt Deutschlands, die dank dem Berlin-Bonn-Gesetz de facto zweiter Regierungssitz der Bundesrepublik ist. Beuel umfasst die rechtsrheinischen Gebiete der Bundesstadt und teilt sich auf in die Stadtteile Beuel, Geislar, Hoholz, Holtorf, Holzlar, Küdinghoven, Limperich, Oberkassel, Pützchen, Ramersdorf, Schwarzrheindorf und Vilich.

Beuel wurde wie Limperich, Schwarzrheindorf und Vilich als Siedlung zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert errichtet, war aber die Folgezeit nicht sehr auffällig, obwohl seit alters her Grenzgebiet war. Die nördlichen Ortschaften gehörten zum Kurfürstentum Köln, Beuel und Limperich zum Herzogtum Berg. Die Grenze verlief auf Höhe der heutigen Kennedybrücke. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde in Beuel die Beueler Schanze als Befestigungsanlage gebaut und war häufig Ausgangspunkt zur Eroberung Bonns. Die Beueler Schanze wurde 1713 jedoch nach dem Friedensvertrag von Utrecht abgebaut.

Auf dem Gelände der Beueler Schanze baute 1785 die Familie des Brückenmeisters Paul Mehlem eine große stattliche Villa. Das repräsentative, spätbarocke Haus Mehlem beherrschte lange Zeit der Rheinpanorama von Beuel. Durch seine beiden Toreinfahrten lässt sich Haus Mehlem mit dem Fürstenberg-Palais am Bonner Münsterplatz vergleichen. Heute beherbergt Haus Mehlem die Musikschule der Stadt Bonn.

Siebzig Meter hoch erhebt sich der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Josef über Beuel. Die dreischiffige Basilika steht auf dem Hügel (Bühel), dem Beuel seinen Namen verdankt. 1903 wurde die Kirche in ihrer jetzigen Gestalt vollendet. Die Materialien für den Bau kamen aus der Umgebung. Beueler Feldbrandziegel, Verblendsteine aus Hangelar und Basaltsteine aus dem Oberkasseler Steinbruch.

Etwas rheinabwärts liegt das Heimatmuseum Beuel. Das Heimatmuseum Beuel ist das erste lokalhistorische Museum im Raum Bonn. Es wurde 1986 aus privater Initiative im ältesten Fachwerkhaus von Beuel eröffnet. Im Heimatmuseum kann sich der Besucher über die drei früheren Gewerbeschwerpunkte Fischerei, Schifffahrt und Wäscherei informieren und gewinnt einen Einblick in das Leben, Arbeiten und Wohnen um die Jahrhundertwende.

Speziell den Beueler Wäschereien und den hier beschäftigten Waschweibern ist eine wichtige Errungenschaft im rheinischen Karneval zu verdanken: Die Altweiberfastnacht. In 92 Wäschereien arbeiteten Frauen rundum die Uhr, aber einmal im Jahr wollten sie frei haben und sich amüsieren. Dazu erkoren sie sich 1824 den Donnerstag vor den tollen Tagen. Der Wäscherinnen-Brunnen vor dem Heimatmuseum Beuel erinnert an die Waschweiber von der Sonnenseite Bonns.

Das Zentrum von Beuel liegt im so genannten Combahnviertel, einer eigenen Siedlung, die 1892 mit der Bürgermeisterei Vilich – und damit auch mit Beuel – verschmolzen wurde. Hier findet sich das alte Rathaus von Beuel und das Wohnhaus des früheren Bürgermeisters Friedrich Breuer.

In der Parallelstraße zur Friedrich-Breuer-Straße wurde 1894 die aus Backsteinen gebaute evangelische Versöhnungskirche. Deutlich früher - bereits um 1800 – baute sich die jüdische Gemeinde eine erste Synagoge, der 1903 ein Neubau folgt. Dieser wurde in der Reichskristallnacht 1938 zerstört. 1988 wurde auf dem ehemaligen Synagogengrundstück ein Gedenkzeichen mit den Ziegelsteinen der früheren Synagoge errichtet.

Zu den Hochstätten der Kultur zählt in Beuel die alte Germania Brotfabrik, die 1903 in der Kreuzstraße gegründet und bis 1985 betrieben wurde. Seit 1986 dient die Germania als alternatives Kulturzentrum Brotfabrik. Die Brotfabrik präsentiert sich heute als Mikrokosmos der Freien Szene: professionelle eigenständige Kulturbetriebe wie die Bonner Kinemathek, die Bühne in der Brotfabrik und das Bildungswerk Kulturgut arbeiten neben Laientheatern und Initiativen, etablierte Profikünstler neben Neuanfängern. Anspruchsvolles Theater, hochkarätige Konzerte, großes Filmangebot und viele Kurse und Workshops bereichern das Kulturleben der Bundesstadt.

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