Bonn-Oberkassel

Oberkassel ist der südlichste rechtsrheinische Stadtteil von Bonn. Oberkassel liegt im Übergang vom Ennert zum Siebengebirge und stößt direkt an Oberdollendorf, das bereits zu Königswinter zählt.

Die Geschichte von Oberkassel weist lange zurück. Bereits 14.000 Jahre vor der Zeitenwende siedelten hier offensichtlich Menschen, wie der Fund des Doppelgrabs von Oberkassel bezeugt. 1914 entdeckten Steinbrucharbeiter am Südhang des Kucksteins (190m) die Gebeine von Menschen, die der Anatom Robert Bonnet auf das Jungpaläolithikum datierte. Sie sind damit die ältesten Menschenfunde im Rheintal.

Zwar gibt es ältere Funde – klassisch der bei Düsseldorf 1856 entdeckte Neandertaler. Diese stehen jedoch nicht in direkter Entwicklungslinie zum modernen Mensch. Der kurzzeitig als Homo obercasseliensis getaufte Fund der Leichen eines 50jährigen Mannes und einer 30jährigen Frau gilt bis heute als bedeutendste Fund aus der jüngeren Steinzeit in Deutschland. Die sterblichen Überreste der Toten und die sonstigen Funde aus dem Oberkasseler Grab befinden sich heute im LVR-Landesmuseum Bonn.

Gesichert ist im übrigen auch eine weitere Besonderheit des Doppelgrabs von Oberkassel: Hier ruhte neben den beiden „Herrchen“ auch ein Hund. Er gilt als das älteste Haustier der Menschheit. Aber trotzdem ist in Oberkassel nicht der Hund begraben.

Vom Kuckberg durch die Bundesstraße B 42 getrennt liegt die Gartenanlage Arboretum Park Härle. Auf knapp 5ha kann man heute zwei Mal im Monat die umfangreiche Pflanzensammlung bewundern, in der einige seltene Gehölze wachsen, z.B. die Hänge-Pyrenäen-Eiche (Quercus pyrenaica Pendula), der Zimt-Ahorn (Acer griseum), der Alligator-Wacholder (Juniperus deppeana), die Hänge-Douglasie (Pseudotsuga menziesii Glauca Pendula) und der Buntblättrige Pagoden-Hartriegel (Cornus controversa Variegata).

Zwischen Rheinufer und der Königswinterer Straße liegt der kleine Bürgerpark Oberkassel, der einst Teil eines Sommersitzes war, den 1770 der Graf und Fürst zu Lippe erwarb. Im fürstlichen Ambiente des jetzt Lippesche Palais genannten Anwesens soll der junge Beethoven später als Klavierlehrer für die Damen des Hauses engagiert worden sein.

Ein kleines Stück rheinaufwärts wacht seit dem frühen 13. Jahrhundert der viergeschossige Bruchsteinturm der katholischen Kirche St. Cäcilia über Oberkassel. Im Glockenturm hängen fünf Glocken, von denen die Älteste aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Die kleine gelbe Kirche an der Königswinterer Straße in Oberkassel ist die älteste evangelische Kirche auf Bonner Gebiet. Sie wurde 1683 erbaut und steht in direkter Nachbarschaft des Lippeschen Palais.

Ebenfalls an der Königswinter Straße wurde dem bekanntesten Bürger von Oberkassel mit einem Denkmal gedacht. Gottfried Kinkel wurde 1815 in Oberkassel geboren, war Theologe, Dichter und Professor. Er wurde zu einer Symbolfigur der deutschen Märzrevolutionen. Zu lebenslanger Haft verurteilt, befreite ihn sein Freund Carl Schurz und Kinkel verbrachte den Rest seines Lebens im Ausland, u.a. in London, wo er den Grundstein für das universitäre Unterrichtsfach Kunstgeschichte legte.