Niederlahnstein

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Niederlahnstein ist seit 1969 ein Teil der neu gebildeten Stadt Lahnstein. In Niederlahnstein mündet die Lahn nach 246km als fünftlängster Zufluss in den Rhein. Bereits um 370 n.Chr. unterhielten die Römer unter Kaiser Flavius Valentinianus eine Befestigungsanlage nördlich der Lahnmündung. Später gehörte Niederlahnstein zum mittelalterlichen Engersgau, einem Teil des Herzogtums Rheinfranken. An der römischen Wachanlage wurde in dieser Zeit – um 900 n.Chr. – eine Wohnburg angebaut, zu der auch eine Kirche gehörte.

Deren Reste liegen heute unterhalb der Fundamente der Johanniskirche, die vor 1140 errichtet worden ist. Sie ist damit die erste Emporenkirche am Mittelrhein. Im 17. Jahrhundert zweimal verwüstet, wurde sie im barocken Gewandt wiederhergestellt. Nach den Zerstörungen der Französischen Revolution blieb sie Ruine bis 1856. Beim Wiederaufbau wurden viele „Bausünden“ begangen, die erst mit der großen Restaurierung von 1960-62 wieder ausgemerzt wurden. Heute entspricht die Johanniskirche weitgehend dem Original aus dem 12. Jahrhundert: Eine flachgedeckte fünfjochige Pfeilerbasilika. Der 38m hohe Turm der Johanniskirche birgt in der unteren Hälfte das ottonische Westwerk.

Geht man von der Kirche durch die Johannesstraße, passiert man mehrere bemerkenswerte Gebäude: Das ehemalige Niederlahnsteiner Rathaus mit dem alten Ankerwappen, der auf die Bedeutung der Schifffahrt hinweist. Oder das Haus Nummer 7, der kurfürstliche Zehnthof.

Die Hausnummer 20 trägt heute der ehemalige Nassau-Sporkenburger Hof. Der dreiachsige spätgotische Bau stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert und hat einen markanten achteckigen Treppenturm mit Spitzhelm. Das Obergeschoss ist teilweise in Fachwerk ausgeführt. Von 1527 an diente der Hof fast ein Jahrhundert lang den Grafen von Nassau-Sporkenburg als Wohnsitz. Nach einer umfassenden Sanierung bezog 1998 die Städtische Bühne Lahnstein den Nassau-Sporkenburger Hof und nutzt den mittelalterlichen Adelshof als Aufführungsort für Theater, Konzerte und Ausstellungen.

Hat man die Brückenstraße überquert, liegt das Wirtshaus an der Lahn vor einem. Das Anwesen gründet auf einem ehemaligen Zollturm, der so genannten Landfeste. Hier bildete sich schnell eine Anlegestelle für die Lahnschifffahrt und der Gastwirt Balthasar Kalkofen nutzte 1697 die Gelegenheit und errichtete ein Wirtshaus. Das dreigeschossige Gebäude besteht im Erdgeschoss aus Bruchsteinmauerwerk, darüber erhebt sich ein Fachwerkbau.

Der runde Zollturm aus Fachwerk mit dem geschweiften Dach und der charakteristischen Dachlaterne stammt aus dem Jahr 1741. Gut dreißig Jahre später - 1774 - weilte Johann Wolfgang von Goethe hier, nachdem er im Anblick der Burg Lahneck das Gedicht Geistesgruß geschrieben hatte. Noch heute ist strittig, ob dies wirklich das Wirtshaus ist, das auch aus zahlreichen Trinkliedern bekannt ist, oder ob es sich beim legendären Wirtshaus an der Lahn eher um die gleichnamige Gastwirtschaft in Dausenau handelt. Am besten, man kehrt in beiden ein.

Ein weiteres Lahnsteiner Wirtshaus von überregionaler Bekanntheit findet sich direkt am Rhein, im Direktionsgebäude der ehemaligen Stettiner Chamotte-Fabrik. Das Schamotte-Schlösschen beherbergt seit 1995 die Maximilians Brauwiesen mit eigener Hausbrauerei und großem Biergarten.

Nicht weit entfernt vom Wirtshaus an der Lahn liegt das Heimbachhaus, heute auch Dietkirchener Hof genannt. Das Heimbachhaus wurde von 1170-1190 erbaut und ist eines der zehn ältesten Wohnhäuser Deutschlands. Die romanischen Fenster sind an den Giebeln noch heute erhalten. Der Dachstuhl und die Fenster der Lahnfront wurden 1703 verändert. Im Inneren des Hauses befindet sich einen tonnengewölbter Keller und eine barocke Wendeltreppe.

Noch weiter lahnaufwärts liegt der Allerheiligenberg (170m) und mitten darauf die gleichnamige Wallfahrtskapelle. Sie wurde 1901 vom Freiburger Architekten Meckel an die Stelle einer aus dem 17. Jahrhundert stammenden Einsiedelei errichtet. Seit 1919 obliegt die seelsorgerische Betreuung der Allerheiligenbergkapelle Kapelle den Oblatenmissionaren des Klosters Allerheiligenberg. Von hier oben genießt man einen schönen Blick auf Burg Lahneck, in das Lahn- und über das Rheintal.

Eine letzte Sehenswürdigkeit gibt es am Lahnufer zu sehen: Der „Baareschesser“. Die 1992 aufgestellte Plastik stammt von Fritz Berlin, letzter Bürgermeister von Oberlahnstein. Er verbildlichte den historischen Baareschesser, den Niederlahnsteiner an sich. Den Namen haben die Niederlahnsteiner der Tatsache zu verdanken, dass es wenig Quellwasser gab und daher das Fliessgewässer nicht verschmutzt werden durfte. Also mussten die Niederlahnsteiner ihr Geschäft dem Nachttopf – dem Baare – anvertrauen.