Dausenau

Gasthof Zum Lahntal
Gasthof Zum Lahntal

Von Nassau dem Lauf der Lahn in Richtung Bad Ems folgend erreicht man als nächsten Ort Dausenau. Die Bundesstraße B 260 führt durch das untere Tor - auch Torturm oder Embser Tor genannt - der alten Befestigungsanlage. In direkter Nachbarschaft spendet eine tausendjährige Eiche mit ihrem Stammumfang von 15m Schatten.

Die Befestigung geht auf die Erteilung der Stadtrechte 1348 zurück, die neben Dausenau auch Nassau und Scheuern erhielten, um die Burg Nassau zu schützen. Die daraufhin errichtete Stadtmauer zog sich in einem Trapez von der Lahnfront entlang des Unterbachs, wobei die Lahnseite deutlich läng war. Die Stadtmauer verfügte ursprünglich über sieben Wehrtürme. Neben dem Torturm ist heute noch der Beulsturm erhalten, der als schiefer Turm von Dausenau bekannt ist.

Der schiefe Turm von Dausenau wurde in der Folge der Stadtrechtsverleihung errichtet und war als Obertor für die Sicherung lahnaufwärts in Richtung Nassau zuständig. Ursprünglich 25m hoch, musste er 1951 wegen Einsturzgefahr um rund 7m abgebrochen werden. Heute neigt sich Turm mit seiner Resthöhe von knapp 18m um 2,46m in Richtung Hauptstraße. Mit einem Neigungswinkel von über 5 Grad ist er deutlich schiefer als der Turm von Pisa (3,79 Grad) und schließt zum schiefsten Turm der Welt in Suurhusen auf - die Eintragung ins Guiness Buch der Rekorde ist 2009 beantragt, aber grundlos abgelehnt worden. Ob nun der schiefste oder der zweitschiefte Turm der Welt: Anders als der Turm von Suurhusen ist der Dausenauer Turm freistehend – was die Neigung noch beeindruckender macht.

Bei einem Bummel durch den alten Ortskern stößt man schnell auf das alte Fachwerk-Rathaus. Es wurde 1434 erbaut und gilt damit nach dem Rathaus im schwäbischen Esslingen (gebaut: 1420) als zweitältestes spätgotisches Fachwerk-Rathaus in Deutschland und eines der bedeutendsten Fachwerkbauten im Westerwald und im Lahntal. Das Untergeschoss ist aus Bruchsteinen gefertigt, das Obergeschoss ein Fachwerk im Ständerbau mit einem lahnseitigen Walmdach.

Ebenfalls auf eine lange Geschichte blickt das Wirtshaus an der Lahn zurück, das direkt am Torturm steht. Es ist nicht schlussendlich geklärt, ob dies das berühmte Wirtshaus ist, das in Hunderten von improvisierten und meist zotigen Liedstrophen genannt ist. Aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch. Das Wirtshaus liegt gut geschützt an der Stadtmauer und bot Schiffern und Fuhrleuten eine sichere Einkehr für die Nacht. Auch Goethe ist hier mehrmals auf einige Gläser Schorle vorbeigekommen, was ihm den Spott der Weintrinker einbrachte. Daraufhin kritzelte Goethe folgenden Vers auf die Tischplatte, den man noch bis 1935 unter einer Glasplatte lesen konnte: „Wasser allein macht stumm, das zeigen im Bach die Fische. Wein allein macht dumm, siehe die Herrn am Tische. Da ich keins von beiden will sein, trink ich Wasser mit Wein.“

Von einem Felssporn oberhalb der Lahn blickt die evangelische Pfarrkirche St. Kastor auf Dausenau. Der romanische Kirchturm stammt aus dem Jahr 1179. Der frühgotische dreischiffige Hauptbau wurde ab 1312 errichtet. In der Kirche befinden sich Wandmalereien aus dem 14. und 16. Jahrhundert, die 1902 rekonstruiert wurden, sowie ein Flügelaltar aus der Zeit um 1500 mit Figuren der Patrone und Tafelbildern aus dem Marienleben. Bei Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten wurden Anfang der 90er Jahre verschiedene Gräber in der Kirche gefunden und auch das Stück einer Jakobsmuschel. Deshalb weist ein Hinweisschild am neu ausgeschilderten Jakobsweg oberhalb von Misselberg im Taunus auf die St. Kastor Kirche hin als einzigem Ort neben Lahnstein, der für das gesamte untere Lahntal Zeugnis von der Jakobspilgerschaft gibt.

Einen Stopp in Dausenau kann man gut mit einer kurzen Wanderung verbinden. Eine gut 3km lange Strecke führt am Unterbach entlang in Richtung Buffert und dann zum Höhenhaus, von dem man einen schönen Blick auf den Ort hat. Etwas näher an der Lahn wandert man mit gleicher Distanz, wenn man durch die Weinstöcke am Hasenberg den Concordia-Turm ansteuert. Der Weg oberhalb des ehemaligen Weinbergs beginnt an der B 260 etwa auf Höhe des Sportplatzes und stößt kurz hinter dem Ortseingang von Bad Ems wieder auf die B 260, sofern man nicht über den Hof Hasenberg zum Concordia-Turm ansteigen will.

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