Bad Ems

Das Kaiserbad Bad Ems ist immer einen Besuch wert. In einer außergewöhnlich abwechslungsreichen Landschaft zwischen Westerwald und Taunus am schönsten Teil der Lahn eingebettet, ist sie mit zahlreichen kulturellen und geschichtlichen Sehenswürdigkeiten und jeder Menge Möglichkeiten der Freizeitgestaltung auch heute noch ein Besuchermagnet.

Zu den bemerkenswertesten Gebäuden in Bad Ems zählt die Karlsburg oder auch Vier-Türme-Haus genannt. Es ist ein Stadtschloss, das 1696 von Hans Karl von Thüringen in Auftrag gegeben worden ist. Geschwächt von seinem Einsatz bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung, wollte er hier residieren und sich auskuren. Letztendlich fertiggestellt wurde das Vier-Türme-Haus jedoch erst 1810 und dann 1845 um ein Badehaus ergänzt. Heute residiert hier eine Außenstelle des Landesbetriebs Daten und Information Rheinland-Pfalz.

Mit ihrer schönen Fassade wendet sich die katholische Pfarrkirche St. Martin der Karlsburg zu. Die Kirche wurde von 1866-82 nach Plänen des Architekten Eduard Zais erbaut. Die Innenausstattung im neugotischen Stil ist in bestem Zustand und zeigt wertvolle Wand- und Gewölbemalereien. Mit einer Portion Witz hat der Bildhauer Gernot Rumpf 1988 das Lesepult gestaltet. Im „Netz der Kirche“ zappeln Fische, die es nur in Bad Ems gibt, z.B. den Kaiser-Wilhelm-Fisch, unverkennbar an seinem Bart. Zur Adventszeit bevölkert Seine Majestät sogar die Krippe. Selbst die Kirchengemeinde ist stolz auf ihren langjährigen Kurgast.

Durch den Kurpark an der Lahn entlang trifft man auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Es ist das einzige von über 400 Kaiser-Wilhelm-Denkmälern in Deutschland, das den Regenten in Zivil zeigt. Es wurde am 7. Mai 1893 enthüllt und zeigt den Monarchen so, wie ihn die Kurgäste erlebten. Es zeigt in Reliefs am Sockel wie der Kaiser vom Emser Kränchen trinkt und dass 1887 alle drei späteren Kaiser zur Kur in Bad Ems weilten.

Jetzt erreicht man das architektonische Schmuckstück von Bad Ems: den Kursaal. Der Kursaal vereint das Kurtheater, den Marmorsaal und die Spielbank Bad Ems. Der Marmorsaal bildet das eigentliche Kernstück des Kursaals, Er verläuft über zwei Geschosse und wurde 1839 nach dem Vorbild der Villa Farnesina in Rom aus bestem Lahn-Marmor fertiggestellt. 1914 wurde das Gebäude dann um Kurtheater und einen kleinen Konzertsaal erweitert. Der kleine Konzertsaal ist seit 1987 Sitz des Casinos.

Unweit der Schiffsanlagestelle erinnert beim Kursaal der Benedetti-Stein an den Auslöser zum Deutsch-Französischen Krieg 1870-71. Hier soll damals Wilhelm - noch König von Preußen - dem französischen Botschafter Benedetti eine Abfuhr erteilt haben, die Bismarck mit der Emser Depesche verschärfte. Kurz danach kam es zum Krieg mit der Folge, das am 18. Januar 1871 im Schloss Versailles bei Paris der Preußenkönig Wilhelm zum Gründer und ersten Kaiser des Deutschen Reichs proklamiert wurde.

Das staatliche Kurhaus geht auf ein privates Badeschloss zurück, das sich eine Türstin aus dem Hause Nassau-Oranien 1711-20 über dem Austritt des Kesselbrunnens errichten ließ. Hier residierte im 19. Jahrhundert dann auch standesgemäß Kaiser Wilhelm I. Heute logieren Tourist-Information und die Staatsbad Bad Ems GmbH in dem geschichtsträchtigen Gebäude. In den oberen Geschossen befindet sich das AyurVeda-Zentrum Bad Ems.

Über die Bäderleibrücke wechselt man das Lahnufer und kommt am Bahnhof vorbei, der im 19. Jahrhundert von Heinrich Velde entworfen wurde. Hinter dem Bahnhof steht die Barockkapelle Maria Königin, die 1661 als katholische Pfarrkirche erbaut worden ist.

Weil man den weiten Fußweg zur evangelischen St. Martinskirche aus dem 12. Jahrhundert scheute, wurde auf Veranlassung von Kaiser Wilhelm I. eine evangelische Kirche in zentraler Lage geplant. Die Vollendung der neoromanischen Kaiser-Wilhelm-Kirche nahe dem Bahnhof sollte der Regent jedoch nicht mehr erleben. Nach dem Tod des Kaisers kümmerte sich der Kurgast Pastor Friedrich von Bodelschwingh um die Fortsetzung der Bauarbeiten.

In direkter Nachbarschaft der Kaiser-Wilhelm-Kirche liegt das Künstlerhaus Schloss Balmoral. Die dreigeschossige Villa im spätklassizistischen Stil wurde 1867-68 als Wohnhaus für einen russischen Gutsbesitzer erbaut und von diesem Villa Diana genannt. Einige Jahre später verkaufte er das Haus an einen Hotelier, der den das Gebäude auf Schoss Balmoral umtaufte und hier illustre Gäste wie Nicolai Rimski-Korsakow, Richard Wagner und Francisco d Andrade empfing. Nach einer grundlegenden Renovierung wird Schloss Balmoral seit 1995 als Künstlerhaus genutzt, das Nachwuchskünstler in den Disziplinen Malerei, Zeichnung, Bildhauerei, Installation, Fotografie, Video, Neue Medien und Landschaftskunst mit Stipendien unterstützt.

Unterhalb von Schloss Balmoral schließlich liegt die russisch-orthodoxe Kirche, die 1876 im Beisein von Kaiser Wilhelm I. und seinem Neffen Zar Alexander II. eingeweiht worden ist. Typisch für eine russisch-orthodoxe Kirche sind die fünf Kuppeln. Die Farbe Blau symbolisiert dabei die Weisheit Gottes. Im Inneren zeigt die Ikonostase, die prächtig ausgeschmückte Trennwand zwischen dem Raum der Gläubigen und demjenigen, der nur dem Priester vorbehalten ist, die verschiedenen Schutzpatrone der orthodoxen Kirche. Dazu gehört auch die Heilige Alexandra, der die Kirche geweiht ist.

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