Neuwied-Engers

Am Südwestrand des Rhein-Westerwalds liegt der kleine Ort Engers, heute ein Stadtteil von Neuwied. Engers gilt als älteste römische Siedlung rechts des Rheins. Hier soll Julius Caesar 55 v.Chr. den historischen Brückenschlag über den Rhein vorgenommen haben, um die Germanen zu bestrafen. Der exakte Ort, an dem die Brücke gebaut wurde, ist umstritten, doch wurden 1885 mit einem Dampfbagger Reste von Eichenpfählen aus dem Rhein ausgegraben, die aus der Mitte des 1. Jahrhunderts v.Chr. datieren.

Nach dem Rückzug der Römer wurde Engers Hauptort und Namensgeber des fränkischen Regierungsbezirks Engersgau. Das Verwaltungsgebiet lief von der Ahr und der Sieg über Bad Honnef durch das Wiedtal bis hinunter nach Montabaur und durchs Gelbachtal bis an die Lahn. Bereits am 7. Februar 1357 wurde Engers von Kaiser Karl IV. mit den Stadtrechten ausgestattet.

Kurz danach entstand 1371 in Engers ein erstes Stadtschloss, das allerdings 1680 durch französische Truppen zerstört wurde. Der auf Schoss Molsberg geborene Johann Philipp von Walderdorff, Kurfürst und Erzbischof von Trier, ließ die Grundmauern 1758 endgültig entfernen, damit Hofbaumeister Johannes Seiz ihm hier am Rhein ein Lust- und Jagdschloss errichten konnte. Seiz war ein Schüler Balthasar Neumanns, dem wohl bedeutendsten Architekten des Barock, der u.a. die Würzburger Residenz erbaute. Zwischen 1759 und 1762 errichtete Johannes Seiz das spätbarocke Schloss Engers direkt am Rhein.

Das heute noch sehr gut erhaltene Schloss Engers ist seit 1995 Sitz der Landesstiftung Villa Musica, die das Schloss zur Ausbildung junger Musiker in der Kammermusik nutzt. Im Spiegelsaal (Saal der Diana) im 1. Stock, der Wandmalereien und Deckenfresken von Januarius Zick trägt, finden regelmäßig musikalische Aufführungen statt. Im dazu benachbarten Rosenkabinett lassen sich außergewöhnliche Stuckarbeiten von Michael Eytel bewundern. Im Museum des Schlosses sind Gemälde kurtrierischer Fürsten, barocke Möbelstücke und alte Musikinstrumente zu besichtigen. Im Sommer gibt es zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen rund ums Schloss Engers.

Oberhalb von Schloss Engers an der Bendorfer Straße findet sich eine kleine Kapelle, die das Wahrzeichen von Engers ist. Sie wurde 1662 zu Ehren des Pestheiligen St. Sebastian errichtet und wird deshalb auch Pestkapellchen genannt. Die Kapelle bildet im Grundriss ein Quadrat von 3x3m und ist mit einem Kreuzgratgewölbe gedeckt. Im Innern ist eine gut 70cm große Holzfigur des Heiligen St. Sebastian aufgestellt.

Von der alten Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert sind heute noch drei Türme erhalten. Der „Graue Turm“ steht an der Rheinuferpromenade, das „Duckesje“ und ein weiterer Wehrturm finden sich bei der katholischen Kirche. An der Rheinfront selbst ist die Stadtmauer, teils von Häusern überbaut, heute nur noch in einigen Resten vorhanden.

Im Ortskern lohnt ein Blick auf das alte Rathaus (1642) und die Schlossschänke (1621) am Marktplatz vor dem Schlosshof. Der stabile Bau des alten Rathauses mit seinem alten Brandglockentürmchen und dem neuen Balkon wird nach Renovierungsarbeiten seit 1953 immer noch für öffentliche Zwecke genutzt. Jeweils am 1. Advent findet hier am Marktplatz der traditionelle „Nußknacker-Weihnachtsmarkt“ statt. Vor der Kulisse des kurfürstlichen Schlosses zählt er zu den schönsten Weihnachtsmärkten in der Region.

Verlässt man Engers in Richtung Neuwied gelangt man über das Engerser Feld mit den beiden Angelweihern Steinsee und Kannsee (Baden und Campen streng verboten!) zum kleinen Naturschutzgebiet Urmitzer Werth. Hier führt der Planetenlehrpfad entlang, der den räumlichen Aufbau des Sonnensystems veranschaulichen will. Maßstabsgetreu wurden die Sonne und die Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto in ihren Größen und Abständen so verkleinert, dass das Sonnensystem dargestellt wird. Pluto, der äußerste Planet des Sonnensystems, liegt im Modell ca. 4,3 Kilometer von der Sonne entfernt.

Wer noch weiter gehen will, kann sich von Schloss Engers aus in Richtung Osten wenden und über den Thüringer Weg die gut 300km bis zum Rennsteig marschieren. Seit der Wende ist die historische Wanderverbindung in den Thüringer Wald wieder eröffnet. Die Rennsteig-Wanderer nehmen traditionell einen Stein von der Werra mit und schmeißen diesen dann am Ende der Strecke bei Schloss Engers in den Rhein.

Regionaler Bezug:

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