Vallendar

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Im mittelrheinischen Becken zwischen Neuwied (Norden) und Koblenz (Süden) liegt die Kleinstadt Vallendar. Sie war im Mittelalter Überfahrtstelle über den Rhein für den Fernverkehr auf der Wasserscheide zwischen Mosel und Nette und Lagerplatz für die Tonwaren aus dem Kannenbäckerland.

Vallendar wird erstmals 836 mit Weihung der Pfarrkirche erwähnt, doch die neuere Forschung geht davon aus, dass der Ort wesentlich älter ist und von Kelten etwa 700 vor Christus gegründet wurde. 1232 übernehmen die Grafen von Sayn die Herrschaft über Vallendar und errichten 1240 eine Burganlage.

Die Grafen von Sayn verkauften 1770 die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bewohnte Burg an den Kaufmann Joseph Quirin d’Ester, der die Festung abbricht und 1773 auf die Grundmauern ein feudales Wohnhaus – die Marienburg – bauen lässt. Hier kommt Dichterfürst Goethe 1774 für einen Besuch vorbei, weshalb die Marienburg bzw. das Haus d’Ester nach wie vor ein Touristenmagnet ist. 1898 erfolgt der Anbau einer Kapelle an der Marienburg, die von Bruder Notker Becker im so genannten Laacher Stil 1926 ausgemalt wurde.

Nachdem die Marienburg jahrelang als Hauswirtschaftsschule genutzt wurde, zog 1988 die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in das Gebäude ein. Seit 1993 firmiert die WHU unter dem Namen Otto Beisheim School of Management und gehört zu den am besten bewerteten akademischen Ausbildungsbetrieben Deutschlands.

Eine weitere – theologische und philosophische – Hochschule in Vallendar betreiben die Pallotiner. Die Pallottiner sind eine Gesellschaft apostolischen Lebens in der römisch-katholischen Kirche. Sie wurde 1846 von Vincenzo Pallotti in Rom gegründet. Die Mitglieder (Priester, Brüder und Schwestern) kennen keine Gelübde gegenüber Gott (wie bei Ordensgemeinschaften allgemein üblich), sondern versprechen ihrer Gesellschaft Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam, Beharrlichkeit in der Berufung, Gütergemeinschaft und selbstlosen Dienst.

Die Pallotiner tragen auch die Seelsorge der katholischen Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus, die 1837-41 erbaut wurde. Sie ist die größte Hallenkirche am Mittelrhein in Vallendar. Das Kirchenschiff hat eine Länge von 47,2m und eine Scheitelhöhe von 14,4m. Der Architekt Johann Claudius von Lassaulx integrierte in den Neubau den spätgotischen Westturm aus dem Jahr 1501. Die Ursprünge der Pfarrei reichen zurück bis ins Jahr 836.

Die Innenstadt von Vallendar wird von vielen schmucken Bürgerhäusern aus dem 17. Und 18. Jahrhundert geprägt. Besonders eindrucksvoll ist das alte Rathaus mit dem Fremdenverkehrsbüro, dessen geschweifter Giebel von 1663 stammt. In unmittelbarer Umgebung finden sich das Haus Meffert (ein altes Weinhaus von 1647), das Kallmans-Haus (eine Großviehhandlung, die nach einem Brand 1883 neu aufgebaut wurde) und das Rathaus, das 1845 von Ferdinand Nebel als Schule errichtet worden ist.

Und wenn wir schon bei Architektur sind, darf natürlich der Wiltberger Hof nicht fehlen. Das von 1695-98 errichtete Schlösschen war Sitz des Freiherren Emmerich Ernst von Wiltberg. Es zeigt zwei mächtige geschweifte Haubentürme und hat prächtige Stuckdecken im Inneren. Die auch Wildburg genannte Anlage wird heute von den Schönstätter Marienschwestern als Internat genutzt.

Neueren Datums – aber bei einem Rundgang durch die schmucke Altstadt nicht zu übersehen – ist der Vallerer Plattpopo. Der 1981 errichtete Brunnen in der Hellenstraße zeigt die praktische Anwendung der Kneippkuren und ist mittlerweile das „Wahrzeichen der Herzen“ von Vallendar geworden. In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass Vallendar bereits seit 1934 ein anerkannter Luft- und Kneippkurort ist.

Etwas älter, aber wahrscheinlich noch beeindruckender, ist dagegen der Kaiser-Friedrich-Turm, der 1899 auf dem Mallendarer Berg am Südrand von Vallendar eingeweiht worden ist. Der Jugendstilbau ist 25m hoch und wird von vier Stahlpylonen getragen. Eine eiserne Wendeltreppe führt nach oben. Von hier hat man einen hervorragenden Rundblick auf das Mittelrheintal und die Eifel. Seit 1988 steht der Kaiser-Friedrich-Turm unter Denkmalschutz und nach einer großen Sanierung ist seit 1989 auch ein Besteigen wieder ohne Sicherheitsbedenken möglich.