Oberer Westerwald

Eingerahmt vom Hohen Westerwald im Osten, dem Rhein-Westerwald im Westen, dem Kannenbäckerland im Süden und dem Sieg-Westerwald im Norden erstreckt sich der Obere Westerwald von der Gemarkung Gebhardshain bis zum Oberlauf des Großen Saynbachs. Der Obere Westwald liegt komplett in der Landeshoheit von Rheinland-Pfalz. Zentraler Ort ist Hachenburg, das ungefähr in der Mitte des Oberen Westerwalds liegt.

Das Gebhardshainer Land wird durch den Elbbach, einen Zufluss der Sieg, geprägt. Die Elbbachhöhen erheben sich vom Talgrund auf bis zu 500m Höhe wie etwa am Steinerother Kopf (478m). Am Wasser verrichteten früher viele Mühlen ihren Dienst. Noch heute ist die Dickendorfer Mühle ein beliebtes Ausflugsziel. Die Berge dagegen nährten die Gebhardshainer über Jahrhunderte mit ihren Erzvorkommen. Die Bergbauvergangenheit kann man gut im Besucherbergwerk Grube Bindweide nachvollziehen. Für naturinteressierte Wanderer lohnen die verschiedenen Naturschutzgebiete rund um Elkenroth – z.B. am Hasselichskopf oder in die Rosenheimer Lay – einen Abstecher.

An das Gebhardshainer Land schließt sich südwärts die Kroppacher Schweiz an. Bereits seit 1969 ist das Tal der Großen Nister weitläufig als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und seit langem eine beliebte Wanderregion zwischen der Kölner Bucht und dem Rhein-Main-Gebiet. In der Kroppacher Schweiz kann man das Ende der Welt bei Stein-Wingert erleben, das Deutsche Eck des Westerwalds – den Zusammenfluss von Großer und Kleiner Nister bei Heimborn – bewundern oder von der Hohen Ley einen spektakulären Ausblick auf das von schroffen Felsen und dichten Wäldern eingefasste Nistertal erleben. Kultureller Höhepunkt in der Kroppacher Schweiz ist aber die Zisterzienser Abtei Kloster Marienstatt. Die als Basilica minor ausgezeichnete Klosterkirche, der barocke Klosterbau, der Klostergarten und die in der Nähe befindlichen Reste der Burg der Herren von Nister bilden ein prächtiges Ensemble.

Der Großteil der Kroppacher Schweiz gehört bereits zur Verbandsgemeinde Hachenburg, deren Sitz die ehemalige Residenzstadt der Grafen von Sayn-Hachenburg ist. Die nach einem Großbrand im 18. Jahrhundert komplett neu angelegte Altstadt mit Schloss und Marktplatz ist ein echtes Kleinod, über das der goldene Löwe auf dem Marktbrunnen wacht. Hinter dem Schloss schließt sich der Burggarten an, in dessem hinteren Teil das Landschaftsmuseum Westerwald eingerichtet ist. In direkter Umgebung von Hachenburg locken das Nauberggelände und der Hachenburger Staatsforst bei Nister, der Aussichtsturm Gräbersberg bei Alpenrod und der Welterstein bei Lochum den Wanderer. Südwestlich schließt sich im Hatterter Grund das obere Wiedtal an.

Östlich des Hatterter Grunds erstreckt sich die Westerwälder Seenplatte, eine für den Westerwald einmalige Kulturlandschaft mit sieben Weihern, die auf einem Hochplateau 400m ü. NN angelegt worden sind. Die Weiher haben sehr unterschiedliche Charakter: Ob Badesee (Postweiher), Erholungsgebiet (Seeweiher bei Dreifeldern) oder verstecktes Tierparadies (Wölferlinger Weiher) – alles ist dabei. Und zahlreiche ausgeschilderte Wanderwege laden ein, die Seenplatte per Rundwanderung oder als Etappe auf einer Streckenwanderung zu erkunden. Auch die Quelle der Wied – des größten Flusses im Westerwald – liegt an der Westerwälder Seenplatte. Für einen hervorragenden Überblick über die beliebte Wander- und Ausflugsregion im Herzen des Westerwalds wendet man sich nach Weidenhahn am Südrand der Seenplatte und steigt auf den Aussichtsturm Helleberg. Von 521m Höhe nimmt einem nichts mehr die Sicht.

Auch der Holzbach entspringt an der Westerwälder Seenplatte. Er ist der größte Zufluss der Wied und prägt in seinem Oberlauf die Gegend um Herschbach, einer historischen Siedlung, die heute noch die größte Gemeinde des Verwaltungsverbands Selters ist. Im Naturschutzgebiet Oberes Holzbachtal und am Herschbacher Quarzitbecken – einem ehemaligen Steinbruch – lassen sich spannende Wanderungen durch eine unberührte und wasserreiche Natur unternehmen. Wendet man sich in Richtung Osten kommt man zur Burgruine Hartenfels, die im Volksmund nur „Schmanddippe“ – Butterfass – genannt wird. Ähnlich wie das abgerissene Wasserschloss Arx Hergispach in Herschbach war die Burg Hartenfels im Besitz der Grafen von Isenburg, die hier dereinst die Macht hatten. Aber auch andere Sehenswürdigkeiten wie die Gerichtslinde in Rückeroth, die Pfarrkirche in Marienrachdorf oder der Waldsee bei Maroth lohnen einen Abstecher.

Ganz im Süden des Oberen Westerwalds liegt das Obere Sayntal.Großer und Kleiner Saynbach, die bei Ellenhausen zusammenfließen, prägen die Landschaft rund um Selters, wo die Westerwälder Wanderbewegung mit Gründung des Westerwaldvereins 1888 ihren Ursprung genommen hat. Bereits seit 1901 ist Selters elektrifiziert – durch das heute noch existente Stromwerk Hammerhütte bei Maxsain, einem Ort, der auch mit schönen Sakral- und Fachwerkbauten beeindrucken kann. In Helferskirchen am Tal des kleinen Saynbachs steht die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, die als eine der ältesten und schönsten Barockkirchen des Westerwalds gilt. Wanderungen im Sayntal oder in die waldreichen Höhenzüge z.B. am Köppel (354m) oder dem Kreuzberg (366m) machen das die Gegend für Wanderer reizvoll.

Der Obere Westerwald wird von der Bundesstraße B 414 (DriedorfAltenkirchen) von Ost nach West durchquert. Von Süden stoßen die Bundesstraßen B 413 (BendorfHachenburg) und B 8 (Limburg – Altenkirchen) in den Oberen Westerwald, von Norden kann man über die Bundesstraße B 62 (SiegenWissen) ins Zielgebiet fahren. B 414, B 413 und B 8 erreicht man über die Köln-Frankfurter Autobahn A 3 (Anschlussstellen Limburg-Nord, Diez, Montabaur, Ransbach-Baumbach und Dierdorf).