Dierdorf

Mittelpunkt der Dierdorfer Senke ist Dierdorf als Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde im Westerwald. Die kleine Stadt erstreckt sich zu beiden Seiten des Holzbachs, der bei Steinen an der Westerwälder Seenplatte entspringt und über 44km durch den Oberen Westerwald und die Dierdorfer Senke fließt, um bei Döttesfeld im Puderbacher Land in die Wied mündet.

Dierdorf wurde um 1100 von den Herren von Isenburg gegründet, einem der ältesten Grafengeschlechter zwischen Rhein, Lahn und Sieg. Die erste urkundliche Erwähnung fand 1204 statt. 1324 errichteten die Isenburger zum Schutz ihres Besitzes eine Wasserburg, die mit Verleihung der Stadtrechte in 1357 durch eine Wehranlage ergänzt wurde.

Von dieser mittelalterlichen Befestigung mit Stadtmauer und Türmen sind heute neben einzelnen Mauerresten noch der Unterturm (Eulenturm) am Holzbachufer und der viereckige Mittelturm (Uhrturm) in der Stadt erhalten. Im Uhrturm befindet sich seit 1772 die Stadtuhr, ein Werk des berühmten Neuwieder Uhrmachers Christian Kinzing. Aufgrund privaten Engagements wurde 1976 der Uhrturm mit viel Engagement zur „Galerie im Uhrturm“ umgebaut. Hier finden nach wie vor kulturelle Veranstaltungen statt.

Die frühere Wasserburg wurde 1701-25 zu einem Residenzschloss umgebaut. Das Dierdorfer Schloss musste wegen Baufälligkeit aber 1902 gesprengt werden. Aus den Steinen errichteten die Dierdorfer 1903-04 die evangelische Stadtkirche, ein neuromanischer Bau, der den spätromanischen Kirchturm des Vorgängerbaus integriert.

Von den Schlossanlagen erhalten sind noch der Schlosspark und der Schlossweiher, die heute für Freizeit- und Sportzwecke genutzt werden. Im Schlosspark Dierdorf wurde 1816-21 ein Mausoleum gebaut, das als Grabstätte des Fürstenhauses Wied-Runkel dienen sollte. Hier ist auch der ursprünglich in der Abtei Rommersdorf stehende Grabstein des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Salentin von Isenburg zu sehen, der Salentin in einer Ritterrüstung zeigt.

Südwestlich von Dierdorf erstreckt sich zu beiden Seiten der Autobahn A 3 der 600ha große Märkerwald. Hier finden sich zahlreiche alte Baumriesen. Am oberen Rand des Märkerwalds hin zur Stadt Dierdorf liegen die Rother Fischweiher. Die Kombination von Wasser, Wald und Wiesen bietet zahlreichen Vogelarten einen Lebensraum, darunter z.B. den seltenen Blessrallen, Teichhühnern und Reiherenten.

Wanderer können das waldreiche Gebiet rund um Dierdorf unter anderem über zwei große Rundwanderwege erkunden. Der Dierdorfer Weg – markiert mit dem Kennbuchstaben D – führt vom Schlossteich westlich nach Dernbach, dann in Richtung Süden nach Kleinmaischeid und bis hinab ins Sayntal nach Isenburg und zurück über Großmaischeid und den Stebacher Weiher nach Dierdorf.

Der Maischeider Weg ist 16km lang und startet ebenfalls am Schlossteich. Ausgewiesen ist die Rundwanderung mit dem Buchstaben M. Der Maischeider Weg erschließt vor allem die Gegend um Kleinmaischeid und Großmaischeid im Süden von Dierdorf. Der Großteil der Wanderwege führt durch den Märkerwald.