Heimbach-Weis (Abtei Rommersdorf)

Im Ahle EckIm Ahle Eck

Heimbach-Weis im südlichen Rhein-Westerwald ist ein Sonderfall der Geschichte: Durch jahrhundertelange Rechtsstreitigkeiten entwickelte sich in Heimbach-Weis so etwas wie ein Bauern-Freistaat, in dem die Bewohner sich ausschließlich ihren eigenen Regeln und in letzter Instanz dem König verbunden sahen.

Dieser Umstand lag daran, dass verschiedene Parteien um Einfluss suchten und sich damit immer wieder gegenseitig in ihrem Machtanspruch neutralisierten: Die Grafen von Wied, die von Isenburg als Grundherren, die Grafen von Sayn, die Hammersteiner, das Trierer Simeonsstift, verschiedene Ortsadelsgeschlechter und nicht zuletzt die Äbte von Rommersdorf.

Bereits 1117 gründete Reginbold von Rommersdorf aus dem Hause Isenburg ein Benediktiner-Kloster, das aber 1125 wieder aufgegeben wurde. 1135 kam es zu einer Neugründung durch den Erzbischof von Trier, der hier Mitglieder eines belgischen Prämonstratenser-Ordens ansiedelte. Im Zuge der Säkularisierung und des Reichsdeputationshauptschlusses kam es 1803 zur Auflösung der Abtei Rommersdorf. Zahlreiche Brände und mangelnder Gebäudeschutz führten dazu, dass nach 1912 lediglich eine Ruine der Kirche und des Turms bestand.

Seit 1977 wird die Abtei Rommersdorf wieder rekonstruiert, was die Nutzung der ehemaligen Klosteranlage als Erholungsort sowie als Veranstaltungsort für die Freilichtfestspiele der Stadt Neuwied und der Kreuzgangkonzerte ermöglichte. Die Abtei Rommersdorf wurde zum Kulturdenkmal von besonderer nationaler Bedeutung erklärt und erlangte den Status eines Welt-Kulturdenkmals.

Erfolge dieser Aktivitäten sind etwa die Wiederherstellung der Kreuzgänge, die aus dem 13. Jahrhundert stammen. Ganzjährig sehenswert ist der Französische Garten, der 1976 wieder angelegt wurde. Die eindrucksvolle Gestaltung entspricht der barocken Formensprache. Er gliedert sich in Rasen-Kompartimente mit Buchs sowie eine Haupt- und zwei Querachsen. Der angrenzende Englische Landschaftspark ist Schauplatz der Rommersdorf Festspiele. Eingefasst von den beiden Flügeln des Kreuzgangs, dem neu eingedeckten Abtsgebäude und der ursprünglich dreischiffigen Basilika liegt der sehenswerte Kräutergarten.

Im Ortskern von Heimbach-Weis fällt der Blick auf die Kirche St. Margaretha. Die Existenz der Kirche ist seit 1204 bezeugt. Das alte Langhaus wurde 1772 durch einen neuen Saalbau nach Plänen des Hofbaumeisters Johannes Seitz ersetzt und 1891 um zwei Seitenschiffe erweitert. Die ursprüngliche Spiegeldecke wurde nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg durch eine Holzkonstruktion ersetzt. In der Kirche läuten drei Glocken aus dem 16. Jahrhundert und spielt die Orgel von 1744 aus der Abtei Rommersdorf.

Das kirchliche Leben spiegelt sich auch in der Tradition des Karnevals wider. Bereits seit 1827 wird in Heimbach-Weis zu Veilchendienstag ein Karnevalsumzug durchgeführt. Damit ist der Heimbach-Weiser Karneval der viertälteste im Rheinland – nach Köln (1823), Koblenz (1824) und Bonn (1826) und noch früher als in Aachen (1829) und Mainz (1837). Und Experten schwören: Der schönste Umzug am Faschingsdienstag zwischen Köln und Mainz ist der in Heimbach-Weis.

Karneval ist nur einmal im Jahr, einen Zoobesuch dagegen kann man immer machen. Der Zoo Neuwied wurde 1970 als Privatzoo Tierpark Hubertushof eröffnet und später zu einem Handelszoo umgebaut. Der kommerzielle Erfolg ließ aber auf sich warten, so dass 1985 ein Förderverein die Geschicke übernahm.

Heute ist der Zoo Neuwied mit 1.200 Tieren aus 150 Arten ein beliebtes Ausflugsziel am Rhein. Mit Raubtierhaus, Seehundanlage, Vogelvolieren, Menschenaffenanlange und der größten Känguru-Herde außerhalb Australiens lockt der Zoo Neuwied jährlich 220.000 Besucher an. Auch unter Zoologen hat der Neuwieder Tierpark einen exzellenten Ruf. So konnten in Neuwied Strauße in Naturbrut gezüchtet werden und an einem Tag wurden 10 Gepardenbabies geboren – Rekord in Deutschland! Zurückgeführt wird dies u.a. auf die Fütterungsanlage, bei der die Geparden sich ihr Futter bei Tempo 50km/h von einer Seilbahn erjagen müssen.