Isenburg (Westerwald)

Auf halbem Weg zwischen Bendorf und Dierdorf liegt im Sayntal das kleine Dorf Isenburg mit seinem historischen Ortskern. Gleich vier Bachläufe sorgen für eine besondere Zertalung bei Isenburg. Ommelsbach (von Norden kommend), Iserbach (Nordwesten) und Wibbelsbach (Südwesten) fließen in Isenburg der Sayn zu. Die höchste Erhebung ist der Iserkopf (313m), von dem aus man einen guten Blick auf die zerklüftete Tallandschaft und das Dorf hat.

Bekannt ist Isenburg vor allem durch die frühere Burg Isenburg, die heute als Ruine auf einer 190m hohen Bergkuppe ruht, die zu Dreivierteln von Sayn und Iserbach umflossen wird. Seit 1095 nennt sich ein altes Adelsgeschlecht die Herren von Isenburg, was einen Hinweis auf die Bauzeit der Burg gibt.

Die Burganlage liegt auf einer Fläche von 70m x 30m und gab Platz für vier Wohnhäuser, die von dem wahrscheinlich gut 25m hohen Bergfried, Toren und Brückenanlagen geschützt wurden. Die romanische Höhenburg im Sayntal ist Stammsitz der späteren Grafschaft Isenburg, die weite Teile von Kurhessen-Waldeck (heutiger Regierungsbezirk Kassel) und Südhessens (u.a. Offenbach und Neu-Isenburg) umfasste und aus der verschiedentlichen Teilung der Familienstämme hervorging. Seit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs ist die Isenburg nicht mehr bewohnt und dem Verfall preisgegeben, den der 2005 gegründete Freundeskreis Isenburg mit privatem Engagement stoppen will.

Unterhalb der Burg Isenburg lag die kleine Siedlung, die es zwar niemals zu Stadtrechten brachte, aber dennoch als Burgflecken zu Anfang des 14. Jahrhunderts befestigt wurde. Die Befestigungsanlage hatte vier Tore, von dem noch zwei erhalten sind. Das eine ist die Alte Porz (Alte Pforte).

In der Dorfmitte direkt an der B 413 gelegen ist die Alte Porz heute das Isenburger Wahrzeichen und beheimatet seit 2008 ein kleines Heimatmuseum. Die Alte Porz war das äußere Schutztor zum Burgaufgang. Ein angebautes Fachwerkhaus diente wahrscheinlich als Wohnung der Wachleute. Dieses Torhaus wurde 1959 restauriert und befindet sich in einem guten baulichen Zustand.

Das zweite erhaltene Tor ist die Schildpforte oberhalb des Friedhofs bei der Pfarrkirche, am alten Weg nach Kleinmaischeid. Sie ist noch fast in ihrem Urzustand erhalten. Es handelt sich um einen quadratischen Turm mit 4,5m Seitenlänge und einer Höhe von 9m.

Auf fast selber Höhe wie die Burg Isenburg steht die katholische Pfarrkirche St. Katharina. Bereits 1235 wird eine Kirche in Isenburg urkundlich genannt und diente laut späteren Dokumenten als Burgkapelle der Isenburg. Die mittelalterliche Kirche wurde im Wesentlichen 1860 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Im Inneren der St. Katharina Kirche finden sich u.a. eine Silbermonstranz auf dem 14. Jahrhundert und ein als bedeutsam eingeschätzter Kreuzweg aus dem 19. Jahrhundert. Das wertvollste Stück der Kirchenausstattung ist aber eine Pieta, die um 1430-40 datiert wird und aus der Wallfahrtskapelle Hausenborn stammt.

Die Kapelle „unserer lieben Frau zu Hausenborn“ wurde 1441 als Wallfahrtskapelle in der Nähe des Zuflusses des Iserbachs in die Sayn im Wald errichtet und beherbergte das „Hausenborner Gnadenbild“. Bis zum Verbot längerer Wallfahrten im Jahr 1748 war die Kapelle Hausenborn Ziel regelmäßiger Wallfahrten von Kirchengemeinden aus dem Oberen Westerwald und dem Rhein-Westerwald. Dann verfiel die Kirche langsam, bis 1934 in der ehemaligen Sakristei eine Gnadenkapelle eingerichtet worden ist. Seitdem kommen wieder jährlich über 10.000 Wanderer und Pilgerer zur Kirchenruine Hausenborn, um zu beten und Ruhe zu finden.

Isenburg war über gut zwei Jahrhunderte das Dorf der Nagelschmiede. Ein Nagelschmied fertigte am Tag ungefähr 2.000 Schuhnägel. Es wurden Nägel für alle Bereiche hergestellt. Sie wurden teilweise von den Herstellern selbst im weiteren Umkreis verkauft oder von der Neuwieder Nagelagentur, die wöchentlich zwei Fuhrwerke Nägel abnahm, bis nach England vertrieben. Im Zuge der Industrialisierung gab 1923 der letzte Isenburger Nagelschmied sein Handwerk auf. Eine originale Nageschmiede ist heute im Isenburger Heimatmuseum im der Alten Porz zu besichtigen.