Sieg-Bergland

Zwischen den Flüssen Sieg und Agger, zwischen Niederkassel im Südwesten und Bergneustadt im Nordosten, erhebt sich das Sieg-Bergland als südlicher Teil des Bergischen Lands. Seine östliche Gebietsgrenze bildet der Übergang zum märkischen Ebbegebirge im Sauerland. Die wald- und wasserreiche Mittelgebirgslandschaft des Sieg-Berglands ist vergleichsweise dünn besiedelt. Nur zum Rheintal hin nimmt die Bevölkerungsdichte im Großraum Köln-Bonn deutlich zu.

Das Sieg-Bergland liegt im Naturpark Bergisches Land, der sich auf über 2.000qkm zwischen Sauerland, Westerwald, dem Rheintal und dem Bergischen Städtedreieck Wuppertal, Remscheid und Solingen erstreckt. Er dient neben dem Naturschutz als Naherholungsgebiet für elf Millionen Menschen. Der Naturpark Bergisches Land stellt den nördlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges dar und steigt von ca. 60m ü. NN im Westen auf über 500m ü. NN im Osten an.

Wanderern im Sieg-Bergland sei geraten, ihr Fernrohr mitzunehmen: Große Landschaftsteile im Osten der Region wurden als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Das fast 29.000ha große Vogelschutzgebiet Westerwald erstreckt sich vom Westerwald bis hinein ins Wildenburger Land. Hier leben und brüten viele gefährdete Vogelarten, wie der Wiedehopf, das Auerhuhn, die Haubenlerche und der Wanderfalke. Zahlreiche Schwalben-, Enten- und Fledermausarten sind hier zu beobachten. Bei Wallmenroth hat sich sogar eine ganze Kolonie von Graureihern zum Brüten niedergelassen.

Das Sieg-Bergland gliedert sich in neun Regionen. Ganz im Osten liegt das Wildenburger Land, der nördlichste Zipfel von Rheinland-Pfalz und zugleich die einzige Region im Bergischen Land, die nicht in Nordrhein-Westfalen liegt. Das Wildenburger Land entspricht in etwa dem Territorium der historischen Herrschaft Wildenburg mit den Ortsgemeinden Friesenhagen, Birken-Honigsessen, Hövels und Katzwinkel sowie dem nördlich der Sieg gelegenen Teil von Wissen. Sehenswert sind u.a. die Rote Kapelle bei Friesenhagen, Schloss Crottorf und die Wildenburg.

Rund um die Ruine der Burg Windeck erstreckt sich das Windecker Ländchen. Der vergleichsweise kleine Landstrich ist schon seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Urlaubsziel für die Großstädter von Rhein und Ruhr. Speziell der Sieg-Wasserfall bei Schladern ist weithin bekannt, aber auch die Siegtaldom genannte Pfarrkirche St. Laurentius in Dattenfeld und das Besucherbergwerk Grube Silberhardt sind beliebte Ausflugsziele zwischen Rosbach und Herchen im Siegtal.

Zwischen Hennef im Westen und Morsbach im Osten erstreckt sich das Nutscheid, der ca. 1.500ha große Kernbereich des größten zusammenhängenden Waldgebietes im Bergischen Land. Begrenzt wird er in etwa von den Flüssen Sieg im Süden und Bröl bzw. Waldbrölbach im Norden. Seine höchste Erhebung ist das Hohe Wäldchen (378m). Zum Nutscheid gehören die Gemeinden Ruppichteroth, Morsbach und Waldbröl sowie die nördlich der Sieg gelegenen Teile von Eitorf und Hennef. Mit Unterstützung der EU entsteht auf einer 8ha großen Fläche der Naturerlebnispark Nutscheid mit dem ersten Baumwipfelpfad in Nordrhein-Westfalen.

Westlich schließt sich das Unteraggertal an. Ab Overath fließt die Agger fast gerade in Richtung Süden, vorbei an Sehenswürdigkeiten wie Burg Lohmar und der Abtei Michaelsberg, bevor sie zwischen Siegburg und St. Augustin in die Sieg mündet. Dabei durchquert sie den historischen Auelgau und den Forst Siebengebirge sowie einen Teil des Naturschutzgebietes Naafbachtal. Zu den Sehenswürdigkeiten im Unteraggertal gehören neben dem ältesten Franziskanerkloster nördlich der Alpen - dem Kloster Seligenthal - auch die große Wahnbachtalsperre.

Den Westrand des Sieg-Berglands bildet die Wahner Heide bei Köln. Dieses Naturschutzgebiet, das auch als Vogelschutzgebiet anerkannt ist, erstreckt sich zwischen dem Rhein und den Bergischen Heideterrassen auf einer Höhe von ca. 90m ü. NN. Rund um das Naturschutzgebiet gibt es Einiges zu entdecken: Burg Wissem mit dem Bilderbuchmuseum, die Zündorfer Groov, die Gierseilfähre über die Sieg, der Rotter See, Schloss Wahn und Gut Leidenhausen sind nur einige Beispiele. Zur Wahner Heide gehören die Städte Niederkassel und Troisdorf sowie der rechtsrheinische Kölner Stadtbezirk Porz.

Die Mucher Hochfläche liegt im Mittel auf ca. 250m ü. NN zwischen den Flüssen Agger und Bröl. Höchste Erhebung ist der Heckberg (384m) im großen Waldgebiet Heck. Zum Bereich der Mucher Hochfläche gehören Neunkirchen-Seelscheid und Much sowie die südlich der Agger gelegenen Teile von Engelskirchen und Overath. Wanderer schätzen das weitläufige Naturschutzgebiet Naafbachtal. TV-Zuschauer zieht es eher zum Schloss Ehreshoven, das als Schauplatz der Vorabendserie Verbotene Liebe dient. Und wer den perfekten Ausblick sucht, steigt auf den Aussichtsturm auf der Hohen Warte (359m).

Das Homburger Ländchen liegt im Herzen des Sieg-Berglandes. Bis ins 18. Jahrhundert bildeten die Orte Nümbrecht, Wiehl und Marienberghausen unter dem Namen Homburger Ländchen ein Zwergterritorium im Deutschen Reich. Hier entspringen zahlreiche Bäche, die zur Agger im Norden bzw. zur Sieg im Süden fließen. An einem von ihnen, der Bröl, liegt die unter Naturschutz stehende Brölbachaue bei Nümbrecht mit ihren für Mitteleuropa einzigartigen Eichen-Erlen-Auenwäldern. Sehenswert sind außerdem Schloss Homburg und das Haus der Kunst in Nümbrecht sowie die Wiehler Tropfsteinhöhle.

Östlich vom Homburger Ländchen liegt rund um die Wiehltalsperre mit der bekannten Krombacher-Insel die Gemeinde Reichshof – mit 370m ü. NN einer der höher gelegenen Bereiche im Sieg-Bergland. Die Region entstand aus der Zusammenlegung der Gemeinde Denklingen und dem ehemaligen Reichshof Eckenhagen, der auf Kaiser Barbarossa zurückgeht. Reichshof hat neben der Wiehltalsperre eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten aufzuweisen: Dazu gehören die Barockkirche von Eckenhagen, Burg Sotterbach sowie der Affen- und Vogelpark Eckenhagen.

Das Oberaggertal schließlich liegt ganz im Norden des Sieg-Berglands bei Bergneustadt direkt im Übergang zum Sauerland. Hier hat sich die Agger in einen bewaldeten Bergrücken eingegraben und wird zur Aggertalsperre angestaut. Einen guten Überblick über das Gebiet kann man sich vom Aussichtsturm auf dem Knollen (447m) verschaffen. Sehenswert sind die historische Altstadt von Bergneustadt, die über tausend Jahre alte Kreuzkirche in Wiedenest und die Bunte Kerke in Lieberhausen.

Das Sieg-Bergland verfügt über ein gut ausgebautes Wanderwegenetz und ist mit seiner abwechslungsreichen Landschaft und seinen vielen Sehenswürdigkeiten ein lohnendes Wanderziel. Insbesondere führen zwei überregionale Wanderwege durch die Region: Die Straße der Arbeit, die der Sauerländische Gebirgsverein auf 208km als Wanderweg entlang Industriedenkmälern und Museen ausgewiesen hat, sowie der Natursteig Sieg. Mit der Sieg-Freizeitstraße und der Deutschen Alleenstraße durchqueren außerdem zwei große touristische Straßen das Sieg-Bergland.

Das Sieg-Bergland ist sehr gut an das Autobahnnetz angebunden. Die Anfahrt kann über drei verschiedene Autobahnen erfolgen, die das Gebiet nahezu einrahmen: Die A 3 im Westen (Abfahrt Siegburg), die A 4 im Norden (Abfahrten Overath, Much oder Wiehl) und die A 45 im Osten (Abfahrt Bergneustadt). Um ins Siegtal zu gelangen, empfiehlt sich die Anreise über die A 45 bis Siegen; von dort aus folgt die B 62 dem Verlauf des Flusses.

IVW
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