Neunkirchen-Seelscheid

Gar nicht so einfach für den Aufbau einer Infrastruktur, aber umso besser für Wanderer: Das Gemeindegebiet von Neunkirchen-Seelscheid wird von gleich drei Bachtälern durchzogen - dem Naafbachtal im Westen, dem Wahnbachtal zwischen den beiden Hauptorten Neunkirchen und Seelscheid und im Osten dem Bröltal. Umgeben sind die Bachtäler von ausgedehnten Waldgebieten. Dazu ist die Region zu großen Teilen Trinkwasserschutzgebiet: Die Wahnbachtalsperre beginnt im Süden der Gemeinde.

Die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid entstand 1969 aus den Orten Neunkirchen und Seelscheid und 67 weiteren, teils kleinsten Weilern. Gesiedelt wird im Bereich Neunkirchen-Seelscheid bereits seit 5000 v.Chr., wie archäologische Funde beweisen. Im 10. Jahrhundert gehörte das Gemeindegebiet zum Auelgau, dann fiel Neunkirchen-Seelscheid an die Grafschaft Sayn mit Sitz auf Burg Blankenberg. Ab 1365 wurde die Region bergisch und kam an das Herzogtum Berg.

Sehenswert in Neunkirchen ist die katholische Pfarrkirche St. Margareta, die in ihrer heutigen Form als Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Deckenfresken im romanischen Stil sind nördlich der Alpen einzigartig. Vermutlich entstand die katholische Pfarrkirche St. Margareta an Stelle einer wesentlich älteren Saalkirche.

Von der Fertigstellung der katholischen Pfarrkirche St. Margareta handelt die Sage vom Ritter Göttscheid. Angeblich wurde der Rittersmann, als er einmal auf der Jagd allein im Wald unterwegs war, von einem großen Keiler angegriffen. In höchster Not schwor er, das Geld für den noch unvollendeten Kirchturm in Neunkirchen zu stiften, sollte er diese Begegnung überleben. Und er hielt Wort. Von der alten Raubritterburg im Eichenwald von Köbach ist heute nur noch das Fundament geblieben; Ritter Göttscheid selbst soll bei der Pfarrkirche begraben sein.

Der gleichen Sage zufolge kam Neunkirchen im Zusammenhang mit dem Kirchenbau zu seinem Namen: Altem Brauch folgend, brachte der Baumeister des Kirchturms den Wetterhahn persönlich auf der Turmspitze an. Dabei verkündete er, von dort oben acht Kirchen zu sehen, und gab dem neuen Ort den Namen Neunkirchen.

Im Gemeindegebiet von Neunkirchen-Seelscheid kann der interessierte Wanderer noch eine Reihe weiterer Kirchen und Kapellen entdecken, wie die katholische Pfarrkirche St. Georg in Seelscheid, die katholische Pfarrkirche St. Anna in Hermerath, die evangelischen Kirchen in Neunkirchen und Seelscheid, die katholische Kapelle im Antoniuskolleg von Neunkirchen und die evangelische Kapelle im Altenheim von Seelscheid. Außerdem sind hier neben einer Vielzahl von alten Wegekreuzen zahlreiche historische Wohnhäuser im bergischen Fachwerkstil zu finden.

Eine schöne Idee wurde auf dem Rathaus-Vorplatz von Neunkirchen umgesetzt: Hier entstand ein Wildstauden-Lehrpfad als Anregung für die Gestaltung naturnaher Gärten. Die robusten heimischen Stauden sind pflegeleicht und gedeihen auch bei trockener Witterung auf dem steinigen Lehmboden der Region. Gezeigt werden u. a. Färber-Kamille, Akelei, Acker-Rittersporn, Heide-Nelke, Echtes Labkraut, Berg-Sandglöckchen, Sand-Ginster, Küchenschelle und Arznei-Thymian.