Burg Wissem

Ein in ganz Europa einzigartiges Museum ist in Troisdorf zu Hause: Das Bilderbuchmuseum auf Burg Wissem zeigt historische Bilderbuch-Originalillustrationen, Künstlerbücher und mehr. Ins Leben gerufen wurde das Bilderbuchmuseum 1982 durch die Schenkung eines Troisdorfer Kaufmannes. 1992 wurde die Remise von Burg Wissem in ein multi-funktionales Kulturgebäude umgestaltet; hier finden wechselnde Ausstellungen sowie kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Kleinkunst statt. Neben der Präsenzbibliothek wurde ein Spielzimmer für die jüngsten Besucher eingerichtet. Und in der Geerte Murmann-Schmökerstube ganz oben im Turm von Burg Wissem darf nach Herzenslust geschmökert und die Aussicht genossen werden.

Zu den Exponaten des Bilderbuchmuseums zählen die medizinische Kinderbuchsammlung Murken mit ca. 3.800 Kinderbüchern aus der Biedermeierzeit bis heute, zu Themen wie Heilkunde, Arzt und Krankenhaus, sowie die Rotkäppchen-Sammlung des Schweizer Ehepaares Waldmann mit ca. 800 Büchern aus drei Jahrhunderten. Ein weiteres Highlight ist eine der bedeutendsten Kinderbuchsammlungen in Europa, die historische Kinder- und Jugendbuchsammlung von Prof. Dr. Theodor Brüggemann mit mehr als 2.000 Bänden von 1498 bis Mitte der 1950er Jahre. Arbeiten aus der Sammlung der Verlegerin Gertraud Middelhauve und Werke der Bilderbuchkünstlerin Lieselotte Schwarz sowie zahlreiche Illustrationen und ein Veranstaltungsprogramm für große und kleine Bilderbuchfans runden das Angebot ab.

Im Bilderbuchmuseum ist außerdem das Janosch-Zentrum Burg Wissem zuhause. Der international bekannte Bilderbuchkünstler Janosch, der Klassiker wie die „Tigerente“ und „Der kleine Bär und der kleine Tiger“ schuf, stellte dem Museum 1999 seine Bilderbuch-Originalillustrationen als Dauerleihgabe zur Verfügung; es handelt sich um den weltweit größten Bestand von Janosch-Originalzeichnungen.

Die schmucke Burg Wissem selbst geht zurück auf ein Hofgut aus dem 15. Jahrhundert, das freie und landtagsfähige Adelsgut Wiesheim. Es wird umgeben von einem weitläufigen Burgpark mit Wildgehegen, Abenteuerspielplatz und dem Erfahrungsfeld der Sinne. Das Erfahrungsfeld der Sinne wurde 2002 eingerichtet und soll spielerisch die Sinneswahrnehmung fördern. Zu den Experimentierstationen gehören u. a. ein 230m langes Steinlabyrinth und eine Riech-Station. Das Erfahrungsfeld der Sinne ist frei zugänglich.

Die langgezogene, rechtwinklige Burganlage entstand ab dem 16. Jahrhundert; ein Teil des Wassergrabens ist bis heute erhalten. Die Anlage von Burg Wissem ist nach Westen hin offen und wird ergänzt durch zwei sich diagonal gegenüberstehende Ecktürme. Das zweigeschossige Herrenhaus auf der Südseite, ein auffallendes rotes Gebäude mit Schieferdach im klassizistischen Stil, wurde nach 1840 errichtet, vermutlich unter Verwendung älteren Baumaterials. Zur Anlage gehört außerdem ein langer Bruchsteinbau im Osten, die Remise von 1548, die mit ihren Schießscharten und den Kreuzsprossenfenstern vermittelt, wie Burg Wissem früher einmal ausgesehen haben mag.

Die Geschichte von Burg Wissem beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung 1435 als Besitz der Familie von Plettenberg. Durch Vererbung und Eheschließung wechselte die Burg mehrfach ihren Besitzer und wurde auch mehrfach baulich verändert. Die letzte adelige Besitzerin verkaufte das Anwesen 1939 an die Gemeinde Troisdorf, der es vorübergehend als Rathaus diente.

Seit 2010 wird ein Teil von Burg Wissem erneut umgebaut. Aus dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der 1960er Jahre wird ein Campus mit Industriemuseum als Tor zur Wahner Heide entstehen. Der Campus soll der Kultur, Bildung, Erholung und Freizeitgestaltung dienen.

Im geplanten Museum MUSIT sollen Informationen zur Stadt- und Industriegeschichte Troisdorfs ausgestellt werden. Ebenfalls im Museum untergebracht werden Räumlichkeiten für den Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf, für die Kreativwerkstatt, den Förderverein des Bilderbuchmuseums und die Heinz Müller Stiftung.

Die gemeinnützige Heinz Müller Stiftung verwaltet die Hinterlassenschaft des Troisdorfer Fotografen Heinz Müller. Dieser erstellte über einen Zeitraum von ca. 65 Jahren Bildmaterial mit Bezug zu seiner Heimatstadt und dokumentierte dadurch die Entwicklung von Troisdorf nach dem Zweiten Weltkrieg.