Abtei Michaelsberg

Der Michaelsberg (118m) ist der höchste Punkt der Stadt Siegburg und erhebt sich gut 40m über dem Zentrum. Das Wahrzeichen von Siegburg ist ursprünglich ein erloschener Vulkan aus basaltischem Tuffgestein; er setzt die Reihe der Vulkane von Eifel und Siebengebirge fort. Seinen Namen hat der Michaelsberg von der Benediktinerabtei St. Michael, deren Vögte einst die Grafen von Berg waren. Michaelsberg, Abteikloster und Bergischer Löwe sind neben dem Erzengel Michael noch heute die bestimmenden Elemente des Siegburger Wappens.

Die gute Sicht vom Michaelsberg auf das Siegtal und die Kölner Bucht war sicher ausschlaggebend dafür, dass die Grafen von Auel dort um 800 ihre zentrale Burg errichteten. Damals hieß der Michaelsberg noch Siegberg – die Namensänderung kam erst später mit dem Bau des Klosters.

Der Auelgau war ein mittelalterlicher Verwaltungsbezirk und entsprach grob dem heutigen Rhein-Sieg-Kreis. Der Name des Gaus ist abgeleitet von dem Wort Aue und deutet auf den Wasserreichtum der Region hin. Erstmals erwähnt wurde der Auelgau um 722 in einer Bonner Urkunde. Der erste Herrscher in der Grafschaft Auelgau war anno 948 Graf Hermann aus dem Gefolge des deutschen Königsgeschlechts der Ottonen. Er verwaltete die gesamte Region, mit Ausnahme der Reichsgüter und des Kirchenbesitzes, von seiner neuen Burg auf dem Siegberg aus.

Später wurde die Residenz nach Schloss Auel verlegt und der Kölner Erzbischof Anno II. gründete auf dem Michaelsberg 1064 eine Benediktinerabtei, die Abtei St. Michael. Diese erhielt im 16. Jahrhundert den Status der Reichsunmittelbarkeit und war so in weltlichen Dingen direkt dem deutschen König unterstellt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Abtei in großen Teilen zerstört. Ihre heutige Form erhielt die Abtei im 18. Jahrhundert. Mit mehreren Unterbrechungen wurde die Abtei Michaelsberg bis 2011 von Benediktinern bewirtschaftet.

Die weitere Nutzung der Abtei ist noch offen. Was aber bleibt ist die Abteikirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg in schlichten, romanisierenden Formen neu errichtet werden musste. In ihr wurde Erzbischof Anno II. 1075 bestattet. Zu seiner Heiligsprechung 1183 wurde ein Reliquienschrein angefertigt, der heute als wertvollstes Stück des Siegburger Kirchschatzes gilt.

Der Annoschrein ist eines der prächtigsten Werke romanischer Goldschmiedekunst in Europa. Der kostbare Sarkophag mit Emaille- und Gussarbeiten wurde in der Werkstatt des Nikolaus von Verdun anlässlich der Heiligsprechung Annos geschaffen. Er ist in einer Seitenkapelle der Abteikirche untergebracht. Ganz im Originalzustand ist der Annoschrein allerdings nicht mehr: Nach der Säkularisation und der ersten Auflösung des Klosters im 19. Jahrhundert verschwanden verschiedene Bildelemente am Schrein auf Nimmerwiedersehen.

Das Johannestürmchen ist wie der auf halber Höhe gelegene Hexenturm Bestandteil der mittelalterlichen Festungsanlage auf dem Michaelsberg. Er ist benannt nach einer ehemaligen, nicht erhaltenen Kapelle. Ein Wehrgang mit herrlichem Ausblick auf Stadt und Umland verbindet den alten Wachturm mit dem sogenannten Johannesgarten. Auf einer ehemaligen Festungsterrasse nahe der Abtei legte man in den 1950er Jahren einen Rosengarten an. Die Sitzbänke zwischen den Rosen sind ein schöner Rastplatz für müde Wanderer.

Im Nord- und Westflügel des Abteiklosters Michaelsberg, in den ehemaligen Räumlichkeiten der Bundesfinanzakademie, ist seit 1997 das Edith-Stein-Exerzitienhaus des Erzbistums Köln untergebracht. Die geborene Jüdin Edith Stein starb als Karmeliternonne in Auschwitz und wurde 1998 heiliggesprochen. Ein Denkmal im Innenhof des Klosters erinnert an die ehemalige Philosophin.

Auf der Siegburg abgewandten Seite liegt am Fuße des Michaelsbergs das Siegwerk, ein seit 1830 genutztes Industriegebiet, auf dem sich heute die weltweit größte Produktion von Druckfarben befindet. Im alten Torhaus des Siegwerks wurde 1982 das Siegwerk-Museum eröffnet. Das Siegwerk-Museum beleuchtet die Geschichte des Unternehmens und der Siegburger Industrie.

Vgwort