Rothaarsteig Westerwaldvariante


Erstellt von: SGV
Streckenlänge: 52 km
Gehzeit o. Pause: 12 Std. 42 Min.
Höhenmeter ca. ↑1181m  ↓1373m
Der Rothaarsteig führt in einer Variante durch den Westerwald auf die Fuchskaute

Der Rothaarsteig führt von Brilon im Sauerland nach Dillenburg im Westerwald. Doch wie man ihn geht, das liegt am geneigten Wanderer. Denn ab der Kalteiche (579m) im Südsiegerländer Bergland gibt es zwei Möglichkeiten: Die Originalroute knickt nach Osten ab und bringt den Rothaarsteig-Wanderer in 20km über das Dilltal nach Dillenburg.

Es gibt aber auch eine längere und vermeintlich schönere Wegführung am Südende des Rothaarsteigs. Diese folgt dem Höhenzug der Kalteiche – einer Verlängerung der Haincher Höhe – weiter auf die Höh. Die Höh ist ein Gebirgskamm, der als natürliche Grenze das Rothaargebirge vom Westerwald trennt.

Die Höh steigt bis auf 598m ü. NN an. Während der höchste Gipfel der Höh aber namenlos geblieben ist, wurden zwei flachere Berge sehr sinnig benannt: Der Große Stein (546m) ist nämlich niedriger als der Kleine Stein (587m), was aber augenscheinlich nichts mit der Höhe, sondern der Ausdehnung zu tun hat. Der Große Stein ist eine kegelförmige Bergkuppe mit einem baumfreien Blockmeer: Einer Fläche aus zu Blöcken erstarrtem Vulkangestein. Diese Basaltblöcke sind vielfach mit seltenen Moosen und Flechten bewachsen.

Am Ende der Höh erreicht man das Dorf Lützeln, das bereits zum Hickengrund gehört. Der Hickengrund wird durch den Lauf eines Bachs gebildet, der mehrfach seinen Namen wechselt, dann aber schließlich als Haigerbach nach knapp 16km in Haiger der Dill zufließt.

Weiter geht es auf dem Rothaarsteig zur Kaolingrube Auf dem Kreuz bei Niederdresselndorf, bevor der Weg mit Liebenscheid die Gemeinde Rennerod und damit den Kern des Hohen Westerwalds erreicht. Liebenscheid ist heute als Austragungsort eines international renommierten Schlittenhunderennens bekannt. Das kleine Dörfchen war aber sogar mal eine Stadt – und beherbergte auf dem lange niedergegangenen Schloss Liebenscheid zeitweise auch den Vater des Malers Peter Paul Rubens. Jan Rubens war in Ungnade gefallen, weil er der Ehefrau Wilhelm von Oraniens offensichtlich etwas zu weitgehende Aufwartungen gemacht hatte.

Auf dem Weg von Liebenscheid nach Weißenberg erreicht der Rothaarsteig das Naturdenkmal Ketzerstein (612m) – der sichtbare Rest eines Basaltlavastroms. Direkt am Ketzerstein zeigt sich eine interessante Störung einer Kompassnadel, was auf magnetische Ablenkung hinweist. Vom Ketzerstein aus hat man eine schöne Aussicht auf den Hohen Westerwald.

Jetzt sind es noch rund 4km, bis der Rothaarsteig auf der Fuchskaute (657m) eintrifft. Die Fuchskaute ist der höchste Berg im Westerwald und gleichzeitig der Punkt, wo sich zwei Top Trails of Germany die Hand reichen. An der Fuchskaute treffen nämlich Rothaarsteig und Westerwaldsteig aufeinander.

Der nächstgelegene Ort ist einen knappen Kilometer westlich das etwa 300 Einwohner zählende Willingen. Hier entspringt die Große Nister, die auf ihrem Lauf Richtung Sieg wesentlich das Gebiet der Kroppacher Schweiz prägt, eines der schönsten Wanderreviere im Westerwald.

Der Rothaarsteig führt jetzt von seinem südlichsten Zipfel in das Gebiet der hessischen Gemeinde Breitscheid. An Rabenscheid vorbei geht es dem kleinen Aubach folgend auf Haiger zu. Unterwegs trifft der Rothaarsteig auf den Wildweiberhausfelsen, eine 40m hohe Felswand, die ca. 10m vom Aubach entfernt senkrecht aufsteigt. An dem Korallenkalkfelsen wurden viele prähistorische Funde sichergestellt, von denen einige im Haigerer Heimatmuseum bewundert werden können.

Oberhalb von Haiger führt der Rothaarsteig dann der Alten Rheinstraße folgend auf den Kornberg (453m) bei Donsbach. Noch einmal wird man mit einer schönen Aussicht belohnt: zur Haincher Höhe, ins Lahn-Dill-Bergland, zum Dünsberg (498m) im Gießener Becken, zum Stoppelberg (402m) bei Wetzlar sowie in das Dietzhölztal und zur Kalteiche. Auf einem Granitblock auf dem Kornberg ist eine Reihe von Ansichtszielen ausgeschildert.

Wenig später erreicht man die Oranierstadt Dillenburg. Man trifft auf die Ruine Hof Feldbach, die erste Kirche in Dillenburg. Sie wurde im 13. Jahrhundert gebaut und wurde im 14. Jahrhundert zu einem Wallfahrtsort. Bis 1491 war sie die die Pfarrkirche von Dillenburg. Heute sind noch Reste des alten Chores zu sehen. Durch die Wilhelmstraße gelangt man dann zum Hessischen Landgestüt am Hofgarten Dillenburg. Hier trifft die Westerwaldvariante wie auf den originalen Rothaarsteig.

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